Band Filter

SEAR BLISS - Glory and Perdition

VN:F [1.9.22_1171]
Artist SEAR BLISS
Title Glory and Perdition
Homepage SEAR BLISS
Label RED STREAM
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

SEAR BLISS waren die ersten, doch den großen Durchbruch schafften andere. Als die Band 1996 mit „Phantoms“ epischen Black Metal mit Trompetenklängen durchsetzte, standen sie damals als alleinige Eltern an der Wiege einer neuen Zeitrechnung im harten Sektor. Noch ohne das Wissen um die vielen Verirrungen, die zwar nicht in ihrem Namen, wohl aber ihrem Geiste geschehen sollten, schien es, als sei die Palette der Ausdrucksmöglichkeiten um einige intensive Schwarz- und Grautöne erweitert worden. Und als seien SEAR BLISS die Anführer dieser neuen Bewegung.

Inzwischen weiß man es besser. DIMMU BORGIR und CRADLE OF FILTH haben das Reich unter sich aufgeteilt, die Kleinen streiten sich nur noch um Worte – „true“ oder „untrue“. Dabei haben die einstmaligen Pioniere aus Ungarn gar keinen wirklichen Grund zur Klage. „Glory and Perdition“ ist bereits das fünfte Album und obwohl in den letzten Jahren so mancher Labelwechsel von Nöten war, hat man mit Red Stream einen begeisterten und engagierten Partner gefunden. In Europa mangelt es zudem nicht an Konzertangeboten und im deutsch-niederländischen Raum kann man die Männer regelmäßig in ihre Hörner blasen hören. Schließlich genoss die Band das Privileg, in Zusammenarbeit mit dem Theaterregisseur Attila Vidnyánszky eine waschechte Black-Metal Oper zu konzipieren und in großen Teilen Ungarns aufzuführen. Diese Erfahrungen und die Nebentätigkeit als Studiomusiker hört man dem neuen Werk genauso an wie das noch stets lodernde Feuer der Emphase. Dabei bewegen sich die neuen Stücke weiterhin im Radius der vorangegangenen, gehen lediglich mehr in die Tiefe und loten den dreidimensionalen Raum ihrer Vision aus. Die eigentliche Randnotiz „Reverie“ lässt einen gespenstischen Vocoder im Echo nachhallen, den Titelsong durchzucken orientalisch angehauchte Keybards und im paradigmatischen Eröffnungsbrecher „Birth of Eternity“ wird mit sauberer Stimme gesungen. „Night Journey“ ist die für eine Platte, die sich auf verschiedenste Weise mit dem Thema Kampf auseinandersetzt, zu erwartende Helden-Fanfare und fährt die zum Erkennungsmerkmal gewordenen Trompeten und Trombonen auf. Deren Klang ist glasklar und legt sich triumphierend über das nackte Gerüst aus tragfähigen Riffs und stählernen Drums. Atmosphäre geht dabei eindeutig vor Härte, Narrativ vor Nihilismus, Melodie vor blinder Wut. Und mehr als bei „Blood Serenade“ kann man die Hand nicht Richtung Mainstream ausstrecken, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

SEAR BLISS bleiben aber immer auf der richtigen Seite der Demarkationslinie. So ist ihnen mit „Glory and Perdition“ ein in seiner Vielschichtigkeit und Transparenz beeindruckendes Werk gelungen, das sowohl Liebhaber des Außergewöhnlichen wie ein breites Publikum ansprechen könnte. Auch wenn es sich nicht immer mit Zahlen belegen lässt, ist die Band damit wieder zum Anführer auf ihrem Gebiet geworden.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

SEAR BLISS - Weitere Rezensionen

Mehr zu SEAR BLISS