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SELIG - Magma

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Artist SELIG
Title Magma
Homepage SELIG
Label VERTIGO
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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4.8/10 (21 Bewertungen)

Was vereint SELIG und TOCOTRONIC außer dem gemeinsamen Wohnort Hamburg? Beide feiern dieser Tage ihr 20-jähriges Bandjubiläum und beide haben gerade eine neue Platte draußen. Im Falle der Diskurs-Rock-Vorreiter war das in der vergangenen Woche „Wie wir leben wollen“; SELIG kommen jetzt mit ihrem sechsten Studio-Longplayer „Magma“ in die Plattenläden und erfreuen ihre Fans mit bewährten SELIG-Sounds, welche die eigene Vergangenheit kurz beleuchten, aber in erster Linie druckvoll nach vorn blicken. Selbstverständlich ist es ja wahrlich nicht, dass alle fünf Gründungsmitglieder nach neun Jahren SELIG-Funkstille wieder zusammen gefunden haben und nahtlos an alte Erfolge anknüpfen konnten. Sowohl das 2009er „Und endlich unendlich“-Comeback als auch das 18 Monate später erschienene „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ erreichten die Top Ten der Albumcharts und auch „Magma“ bringt das Zeug zum Kassenschlager mit.

„Ich lüge nie“ behauptet Sänger Jan Plewka im groovenden Opener und sagt an dieser Stelle vermutlich gleich einmal auf charmante Art und Weise die Unwahrheit. Die erste Single-Auskoppung „Alles auf einmal“ beginnt mit einer opulenten Kirchenorgel und ist eine dieser autobiografischen Rückblenden („ich verliere meine Mitte und das hatten wir schon mal…ein Leben im Überflug, mit Leichtsinn und Selbstbetrug“) mit Ohrwurm-Qualitäten, während SELIG mit „Sie scheint“ ein sachte schepperndes Grunge-Monster raushauen und Kollege Plewka mit dem wunderbaren „Schwester Schwermut“ der Melancholie einen zärtlich-freundschaftlichen Gruß musikalischer Natur sendet. Auch „Der Tag wird kommen“ schlägt leise Töne mit viel Gefühl an; fast scheint es, als wären Plewka, Leo Schmidthals (Bass), Christian Neander (Gitarre), Stephan „Stoppel“ Eggert (Drums) und Malte Neumann (Keys) auf ihre alten Tage ruhiger geworden, denn auch „Danke“ gefällt mit dezentem SELIG-Pathos, der bei der Liebeskummer-Ballade „Wenn ich an dich denke“ in gleicher Weise zum Ausdruck kommt. Aber dann bringt „433“ doch wieder knackige Langäxte ins Spiel – wenngleich erst das folgende „Love & Peace“ zu einer wirklich rockigen Zeitreise durch die letzten Jahrzehnte einlädt („Pershing, Tschernobyl, Mauerfall, Internet und Arschgeweih“- quasi die SELIGe Antwort auf „We Didn’t Start The Fire“ von BILLY JOEL). Die „Zeit“ muss ebenfalls auf der Seite der sehnsuchtsvollen Kuschelsongs verbucht werden, was jedoch keinesfalls nicht zum Schaden gereicht und wenig später geht mit etwas mehr Schmackes auch schon „Bring mich heim“ in Bein und Ohr, ehe der Titeltrack „Magma“ mit schönem Geschwurbel auf der Zielgeraden ankommt.

„Blender“ war 1997 die dritte Langrille des Quintetts. Kaum war die Platte erschienen, trennten sich die Wege der Musiker, die schlicht die Schnauze voneinander voll hatten und nach eigenem Bekunden mit der Scheibe einen einzigen Abschiedsbrief ans Musikgeschäft geschrieben haben. „Magma“ ist nach der Reunion ebenfalls die dritte Veröffentlichung aus dem Hause SELIG. Doch ist die Stimmung heuer wohl deutlich besser. SELIG sind vielleicht nicht mehr so kratzbürstig wie früher, wirken ein bisschen aufgeräumter und poppiger, aber es brodelt immer noch heiß in ihrer Musik – ganz so wie es sich mit Magma üblicherweise auch verhält.

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