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SENSES MAY WITHER - Polaris Breach

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Artist SENSES MAY WITHER
Title Polaris Breach
Homepage SENSES MAY WITHER
Label IVORY TOWER
Leserbewertung
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8.3/10 (8 Bewertungen)

Trendfreien Metal behauptet die Münchener Gruppierung SENSES MAY WITHER auf ihrem Debüt „Polaris Breach“ zu spielen. Ein löbliches Vorhaben in Trendbestimmten Zeiten. Trotz allem muss die Myspace-Seite natürlich schmucke aussehen, und auch Twitter und Facebook gehören gezwungenermaßen zum Tagewerk. Es will ja keiner auf der Strecke bleiben. Immerhin sind die hiesigen Medien recht zweckdienlich für junge Formationen wie die hier agierende bayerische, die mit aller Macht versucht von ihrer musikalischen Glaubwürdigkeit zu überzeugen.

Als Einstiegshilfe werden Vergleiche zu IN FLAMES und MACHINE HEAD geboten… überflüssig. Schon „Live For The Moment“ schielt so derbe nach Schweden, dass einem die Haare einzeln aus dem Rauschebart fallen. Mit thrashigem Bell-Geschrei von Sänger und Gitarrist Michael garniert, saugt das fixe Melodie- und Riff-Gerangel in großen Schlücken gierig an der skandinavischen Mutterbrust, bis die Nippel bluten. Ähnlichkeiten zu den österreichischen Nachbarn THE SORROW finden sich an dieser Stelle ebenfalls. Dass man dabei weitestgehend ohne Core über die Runden kommt, hievt die Bayern jedoch nicht gleich in den Metal-Olymp… ebensowenig die Tatsache, dass deftige Thrasher der Marke „Into Hell“ und „Lies“ gleichermaßen von der Ami-Milch kosten und verdächtig nach TRIVIUM und neumodernen Konsorten klingen, wobei das treibende Startriff des letztgenannten Stücks schon ziemlich fett daherbollert. Doch Druck machen sie alle, wohingegen sich die angepriesenen mitreißenden Momente nicht wirklich deutlich zeigen wollen. Da sei „Inner Disunity“ als das wohl nachhaltigste Stück der Scheibe erwähnt, führt hier der Spagat zwischen eingängiger Leichtfertigkeit und Doublebass-Lead-Gedresche doch zu einem mehrmals hörbarem Ergebnis. Auch das stampfend vorwärts marschierende „Day Of Reckoning“ kann gegen Ende noch einmal kräftig überzeugen. Und es ist nicht einmal die Energie, die man vermissen müsste, denn die ist den restlichen Songs ebenso anzuhören. Immerhin watet man wacker stattliche 40 Minuten und ohne Pause durch den dichten Sumpf aus Melodie und thrashigem Geprügel. Doch Heldentaten bleiben aus, SMW verweilen trotz technischer Fähigkeiten auf bekanntem Terrain und vertrauen durchweg auf ähnliche Arrangements, die natürlich für sich immer wieder knallen, aber am Stück kaum den Eindruck von Abwechslung machen. Die eigene Identität definiert sich doch noch arg durch die erwähnten Verweise. Und in welchem Metal-Universum sind eigentlich Titel wie „No Mercy“ und „Death Or Glory“ klischeefrei?

Somit umschifft „Polaris Breach“ auf einer soliden, mit einer rau pressenden Eigenproduktion versehenen Grundlage, an der es rein technisch nichts zu bemängeln gibt, erwartungsgemäß den Core-Strudel. Doch auch ohne die längst verschriene Endung bewegen sich moderne Schwedentöter generell auf holprigem Grund und Boden. Noch geraten SENSES MAY WITHER beim ersten großen Gehversuch ins Stolpern, aber wenn man schon Vorhandenes um eigene Merkmale erweitern kann, könnte die nächste Scheibe den Bayern zur Standhaftigkeit verhelfen. Schau’n mer mal.

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