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SENSOR - Naked

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Artist SENSOR
Title Naked
Homepage SENSOR
Label INTUITION RECORDS
Leserbewertung
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Mein erster Gedanke, wenn ich an russische Pop-Musik denke, gilt den beiden Mädels von T.A.T.U., wobei es bei den Damen ja im Grunde nie wirklich im die Musik ging, sondern eher die Provokation mit der vermeintlichen Homosexualität der Pop-Lolitas für mediales Interesse und entsprechende Verkaufszahlen sorgte. Ich vermute mal, dass wir von den Landsleuten SENSOR nichts dergleichen zu erwarten haben. Im Jahr 2005 haben sich Ilya Pavlov (Vocals / Keys), Andrew Smaev (Drums & Programming) und Dmitry Kozlov (Gitarre, Synths & Backing-Vocals) ein paar analoge Synthesizer, ein Schlagzeug und einen PC geschnappt, alles in ein Parkhaus verfrachtet und begonnen, Musik zu machen, die deutlich vom britischen New Wave der Achtziger Jahre inspiriert ist. Später kam noch Bassist Alexey Bogatkov mit ins Boot und es ging so richtig ans Eingemachte, so dass nach mehreren Web-EPs jetzt das erste Album „Naked“ an den Start gegangen ist.

Woher SENSOR die musikalischen Anregungen nehmen, macht schon der Titeltrack sehr deutlich: Die Nummer könnte auf jeder Eighties-Compilation vertreten sein. Zwar würde man sich fragen, welche Band das eigentlich noch mal war, stilistisch passen die Russen aber genau in diese Dekade. Das folgende „Let Me Hold On To This Moment“ gefällt mit sehr eingängigen Synthie-Pop-Melodien, bevor „Falling Insane“ einen funkigen Unterton ins Spiel bringt, der vom zwar ruhigeren, aber immer noch sehr treibenden „Off-White Trash“ abgelöst wird. „All I Get Is…“ legt dann tatsächlich einen kurzen Instrumental-Zwischenstop ein, nur um mit „Static“ (übrigens auch noch im etwas experimentelleren elfminütigen „Vintage Dope Mix auf dem Silberling vertreten) wieder in die Vollen gehen zu können. Bei SENSOR darf man dahinter erneut das komplette, tanzbare Synthie-Programm erwarten, das die Osteuropäer auch bei „The Likes of Me“ und „Never Love A DJ“ auffahren. Orgelklänge erwarten den geneigten Hörer zu Anfang bei „The Freaks Shall Inherit The Earth“, dann wird der Sound wieder elektronischer und im Vergleich zu den übrigens Songs etwas ungestümer. Das legt sich mit „Everybody Screams On Halloween“ wieder. Stattdessen frönen SENSOR gekonnt ihrer erklärten Vorliebe für 80er Brit-Pop, die sich natürlich auch in den englischen Lyrics niederschlägt.

Die Texte stammen übrigens aus der Feder des amerikanischen Dichters Charlie Mason. Aus der zufälligen Internetbegegnung mit der Band ergab sich offensichtlich eine fruchtbare Kooperation, welche es in dieser Form in den Achtziger Jahren, als der Kalte Krieg noch nicht beigelegt war, sicher so ohne weiteres nicht gegeben hätte. „Naked“ ist in jedem Fall eine nette Hommage an die elektronische Popmusik der letzten 30 Jahre und ohne Zweifel kann man den Russen einwandfreies handwerkliches Können und die nötige Portion Spielfreude bestätigen. Hervorzuheben ist zudem die Stimme von Sänger Ilya Pavlov, die hervorragend zum wavigen SENSOR-Electropop mit seinen rockigen Gitarrenelementen passt.

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