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SHAI HULUD - Misanthropy Pure

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Artist SHAI HULUD
Title Misanthropy Pure
Homepage SHAI HULUD
Label METAL BLADE
Leserbewertung
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8.0/10 (8 Bewertungen)

Es gibt ganz genau drei Singles, allesamt auf Revelation erschienen, die meine musikalische Welt auf lange Sicht definierten und dies bis heute immer noch tun: 1.) BURN – s/t 2.) QUICKSAND – s/t und unausweichlich Nr.3.) SHAI HULUD – „A profound hatred of man“. Während heute Trillionen MySpace-Plays und ein Arsenal an Shirts notwendig sind, um überhaupt einen Fuß in der Musikwelt zu fassen, reichte damals ein kleines Stück Vinyl, auf denen sich meist drei Songs befanden, um das ganze Selbstverständnis einer musikalischen Gattung zu ändern. Diese Bands brachten den Anspruch, den Pop und eine unbegrenzte Offenheit in den Hardcore und sicherten diesen Stil – quasi im Alleinstreich – sein Überleben.

SHAI HULUD brachten ein forderndes Songwriting mit höchstintensiven Texten in Einklang und garnierten ihre Stücke mit süchtig machenden Gitarrenlinien, die für das gewisses Etwas und einen hohen Widererkennungswert sorgten (auch wenn die GORILLA BISCUITS diesen Trick schon vorher anwendeten). Eine Band für die Ewigkeit war geboren, aber wie so oft im Leben wurden den „Cynics and Outcasts“ eine Menge Steine in den Weg gelegt. Als ich die Jungs das erste Mal sah, fehlte die Hälfte der Mitglieder und man versuchte die Abende mit einem Fan am Mikro, zu überstehen (das Gute ist ja, dass die Fans die Texte sowieso im Schlaf rezitieren können, wie man bei jedem Auftritt der Band sieht). Geert van der Velde, so der Name des holländischen Fans, stieg dann bei SH ein und zog mal eben in die Staaten. Nach dem Release von „That Within Blood Ill Tempered“ gab es die berühmten musikalischen Differenzen (die aber nicht die Freundschaft mit Geert beeinträchtigten) und die Gruppe stand mal wieder ohne Sänger da. Auf der vorletzten Tour stand dann ein gewisser Eric Dellon auf der Bühne, dieser verabschiedete sich dann auch wieder recht unauffällig. Matt Mazzali heißt nun der Shouter, der das Metal Blade-Debüt (wer hätte so etwas noch vor einigen Jahren erwartet?) mit einer ungeheuren Wucht eingebrüllt hat. Und was soll man sagen: der Mann macht seine Sache unheimlich gut, ob besser als Chad Gilbert oder Geert van der Velde ist sicherlich Geschmackssache. Tatsache ist: SHAI HULUD klangen noch nie so angepisst, metallisch und vertrackt.

„The creation ruin“ legt schon zu Beginn alles in Schutt und Asche, wird aber noch von dem Titeltrack überflügelt, der alle Qualitäten des HULUD-Sounds bündelt: Fantastische Gitarrenarbeit, Drums, die nicht von dieser Welt stammen können und ein kleiner treibender Part, der den Song unheimlich catchy macht. Selbst die berühmte „Words cannot express my disappointment“-Zeile wird hier noch einmal prominent platziert. Auch gibt es ein Remake von „Set your body ablaze“, dies kann man aber höchstens an den Texten festmachen, denn der Song ist mehr ein „Re-Imagining“, als eine einfache Neueinspielung. „We who finish last“ könnte wohl so etwas wie der neue Theme-Song der Frank Herbert-Fans sein. Beendet wird das Album von „Cold lord quietus“, der – aufgeteilt in insgesamt vier Teile – fast als Hardcore-Prog durchgehen könnte. Wahnsinn! Die Band hält auf der gesamten Scheibe nie länger als zehn Sekunden an einem Beat fest und es macht einen staunen, wie man sich nur diese komplizierten Parts merken kann. Die hypnotischen Gitarrenlinien sind nicht mehr so hell in Szene gesetzt worden, aber immer noch vorhanden und unterstreichen die neu gefundene Wut der Misanthropen.

Wird die Band gerne als eine der Pioniere des Metal-Cores bezeichnet, – selbst Mastermind Matt Fox widerspricht dem nicht -, sind sie auf „Misanthropy Pure“ nur eines: nämlich SHAI HULUD. Keine andere Band kann mit den Jungs aus Florida verglichen werden. SHAI HULUD sind ein Sound, eine Einstellung. Hoffentlich werden sie endlich den Ruhm bekommen, der ihnen zusteht, auch wenn es ihnen wahrscheinlich völlig egal sein wird. Solange sie irgendwie weiter machen können, werden sie es tun. Und die Fans werden ihnen sicherlich weiter zur Seite stehen, denn dieses Album unterstreicht die einsame Stellung der Band in der heutigen Szene. Bleibt nur zu hoffen, dass das nächste Album nicht solange auf sich warten lässt und man bei der nächsten Tour die komplette Mannschaft noch am Start hat. Aber wer es schafft, nach den ganzen Setbacks, Auflösungs- und Umbenennungsgerüchten, solch ein Album zu veröffentlichen, mit dem ist in Zukunft auch weiterhin zu rechnen.

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