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SIBERIAN - Modern Age Mausoleum

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Artist SIBERIAN
Title Modern Age Mausoleum
Homepage SIBERIAN
Label GAPHALS
Leserbewertung
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9.8/10 (4 Bewertungen)

Die Schweden SIBERIAN hießen früher SHRINE und haben unter diesem Namen bereits eine EP veröffentlicht und sind fleißig getourt, unter anderem mit Größen wie ENTOMBED oder ORANGE GOBLIN. Nun liegt mit „Modern Age Mausoleum“ der erste Full Length-Dreher der neu benannten Band vor.

Es kommt vergleichsweise selten vor, dass mich eine Band bereits mit ihrem Debütalbum sowohl technisch als auch stilistisch vollends überzeugen kann. „Modern Age Mausoleum“ ist einer dieser Fälle. Was SIBERIAN in den gut 40 Minuten Spielzeit an kompositorischen Finessen und spannenden Harmonien abliefern, wie hemmungslos und selbstverständlich sie Genre-Grenzen einfach ignorieren und überschreiten, anstatt sie bewusst plakativ und mit lautem Getöse einzureißen, ist schlicht beeindruckend. Schon der sehr rohe Opener „Gift/Curse“ macht deutlich, dass eine Kategorisierung womöglich nicht unbedingt erwünscht ist. Glaubt man ein paar Takte lang, man bekäme eine Portion etwas altbackenen schwedischen Death-Thrash vorgesetzt, reichen SIBERIAN schon beim ersten Break einige sehr geschmackvolle Schwarzwurzel-Harmonien dazu. Das anschließende „Moth“ flirtet nachdrücklich mit harschem Post Metal á la GENERATION OF VIPERS, „Paragon“ enthält deutliche Spuren von bösartigem Sludge, bevor die Scheibe mit „Misfit Opening“ und „Hollow Bearer“ tatsächlich beinahe unbemerkt all diese Begriffe hinter sich lässt und sich eine völlig eigene Dimension erschafft, in der sie friedlich in all ihrer sperrigen Heavyness und rohen Progressivität existieren kann, ohne Gefahr zu laufen, dass ihre einzelnen Gliedmaßen (sprich Songs) in unterschiedliche Schubladen verstaut werden. Das ist dann ein Setting, in dem vor Melodieverliebtheit nur so strotzende Perlen wie „Heirdom“ oder das vertrackt-bedrohliche „Delusional Kings“ uneingeschränkt zur Geltung kommen, ohne sich aufzudrängen oder den Anspruch zu erheben, irgend etwas oder irgend jemand sein zu wollen, außer einzig und allein SIBERIAN. Das nennt man dann wohl Eigenständigkeit. Diese paart sich auf „Modern Age Mausoleum“ mit großem spielerischen Können, einem offenbar unerschöpflichen Ideenreichtum und einer angenehm rotzigen und dennoch wuchtigen Produktion, die dem gefährlichen Giftzahn dieser animalischen Schönheit den letzten, tödlichen Schliff verleiht.

Wie beinahe für jede Band bei ihrem Debüt, so gibt es sicherlich auch für SIBERIAN noch Luft nach oben, aber angesichts des Levels, auf dem sie mit „Modern Age Mausoleum“ starten, brauchen sie dafür vermutlich bald ein Sauerstoffgerät. Wer also etwas mit Bands wie THE OCEAN, ENTOMBED, LIGHT BEARER oder RAINROOM (als grobe Eckpunkte) anfangen kann, sollte sich dieses meisterhafte Album unbedingt zulegen.

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