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SIGMA OCTANTIS - Dissipations

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Artist SIGMA OCTANTIS
Title Dissipations
Homepage SIGMA OCTANTIS
Label MALIGNANT RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Die französischen SIGMA OCTANTIS haben es in den über zehn Jahren ihrer Existenz tatsächlich geschafft, weitgehend ein Mysterium zu bleiben. So gibt es zwar mit „Dissipations“ mal wieder ein neues Album zu erwerben (limitiert auf 500 Stück), Recherche im Netz über die Band oder die drei beteiligten Protagonisten, die sich JB, JW und JMW nennen, gestaltet sich hingegen schwierig bis unmöglich.

Widmen wir uns also dem Entscheidenden: der Musik auf „Dissipations“. Das knapp einstündige Werk ist ausschließlich instrumental gehalten. Instrumental bedeutet in diesem Fall, dass wir es hier vorrangig mit allerlei elektronischen Spielsachen zu tun haben, von denen ich als Gitarrenjunkie zu wenig Ahnung habe, um sie näher zu definieren. Hinzu kommen diverse organische Klänge, wie Gitarren und verschiedene Percussion-Instrumente, die sich so nahtlos in den Gesamtsound des Albums einfügen, dass die Grenzen zwischen synthetisch und analog erzeugten Geräuschen auf angenehme Weise verschwimmen und so eine homogene Melange entsteht. Grundlage des Ganzen ist ein dicht gewobener Dark Ambient-Teppich, der den Hörnerv wohlig umhüllt und in den richtigen Momenten im Hintergrund betont unaufdringlich pluckert. Eine solche Grundlage bietet naturgemäß jede Menge Spielraum, um darauf vielschichtige Klanglandschaften aufzubauen. Diesen Raum nutzen SIGMA OCTANTIS genüsslich aus und gehen dabei äußerst strukturiert zu Werke. Gleich der sehr gut gewählte Opener „Vieil Océan, Aux Vagues De Cristal“ entführt einen mit seiner konsequenten, percussiven Steigerung quasi vom Boden des Nichts bis hinauf auf ein waviges Hochplateau, dass von einem beinahe an FIELDS OF THE NEPHILIM gemahnenden Bass getragen wird. Ein hervorragender Einstieg, der es einem leicht macht, sich auf diese eher passive Art des musikalischen Reisens einzulassen. Hat man das erst einmal getan, gibt es auf „Dissipations“ eine Menge zu entdecken. So glänzt „Fantomès Infinitésimaux“ mit einem Trip Hoppigen Unterton, „Errance Définitive“ mit seinem atmosphärisch dichten Postrock-Arrangement inklusive des entsprechenden Gitarrensounds und „Conamara Chaos“ mit seinen sich überlagernden Industrial-Beats. SIGMA OCTANTIS haben anscheinend keinerlei Berührungsängste und scheren sich offenbar einen Dreck um irgendwelche Genrekonventionen. Das ist lobenswert, denn wann hat man schon einmal die Gelegenheit, auf einer gleichmäßig dahin wogenden Klangwelle zwischen FRONT LINE ASSEMBLY-Sounds und beinahe waschechtem Postrock, wie er besonders elegisch im formidablen „Farewell“ zelebriert wird, hin und her getragen zu werden.

Mit einem solchen Approach ist „Dissipations“ sicher kein Album für jede x-beliebige Gelegenheit, aber wer Lust hat, vom heimischen Sofa aus durch weite, unberührte, meistens sanfte, aber doch unterschwellig bedrohliche Klanglandschaften zu streifen, der sollte hier mal ein Ohr riskieren.

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