Band Filter

SIGUR RÓS - Með suð í eyrum við spilum endalaust

VN:F [1.9.22_1171]
Artist SIGUR RÓS
Title Með suð í eyrum við spilum endalaust
Homepage SIGUR RÓS
Label EMI
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.8/10 (8 Bewertungen)

EMI-Shootout: COLDPLAY haben vorgelegt, eine Woche später ziehen SIGUR RÓS in den Kampf. Doch bevor das Geschrei zu groß wird, hier haben wir es mit einem ungleichen Duell zu tun. Während Chris Martin und Co. trotz aller Finessen auf den Massenmarkt schielen, werden die Isländer weiterhin Kritiker- und Indie-Lieblinge bleiben. So wird in einschlägigen Foren schon erbittert darüber gestritten, ob es sich hier um ein Weihnachtsalbum handelt oder man die 11 Stücke auch barfuss im Sonnenschein genießen darf bzw. kann. Ob der Opener „Gobbledigook“ nun gleich der Tiefpunkt der Scheibe ist oder mit seiner vergleichsweise hektischen Dynamik zu den Highlights zählt. Doch haken wir kurz die Basics ab. Die Scheibe wurde von der Band und Produzent „Flood“ eingetütet, und das in den Abbey Road Studios, in Havanna, dem bandeigenen Studio und einer Kirche. Mit „Festival“ ist der englischsprachige Track der Bandgeschichte enthalten und für “Ára bátur“ wurde gleich der London Oratory Knabenchor und der London Sinfonietta rekrutiert, um das ganze in einem einzigen waghalsigen Take aufzunehmen. Das Amiina-Streichquartett und eine fünfköpfige Bläser Section runden das Aufgebot an Talent ab, das „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ (übersetzt „With a Buzz in our Ears we play endlessly“) zu einem erneuten Meisterwerk erhebt.

Das bereits angesprochene „Gobbledigook“ wirbelt zu Beginn erst mal recht SR-untypisch ordentlich Staub auf. Wie ein Derwisch durch ein entfesselt wirkendes Schlagzeug angetrieben entwickelt sich eine Art Ritualmusik – Icelandic Assault à la carte. „Inní mér syngur vitleysingur“ (Ich liebe diese Lautmalerei beim Vorsichhinsprechen…) steckt dann bereits mit den ersten Klängen an, so viel Fröhlichkeit wird hier verbreitet. Da möchte man glatt wie die Protagonisten auf dem Cover nackt über die Autobahn flitzen. Ebenfalls nicht zu verachten der hypnotische Sog, der gegen Ende durch die immerwährenden Wiederholungen aufgebaut wird. „Festival“ besitzt ganz abseits der verwendeten Sprache seine Qualitäten, indem sich dieser Song über seine Laufzeit von immerhin gut 9 Minuten vom sakralen Kirchenschmaus hin zu einem dynamisch-opulenten Klangmahl steigert. Was ja für SIGUR RÓS nicht gerade eine bahnbrechende Neuerung darstellt, doch man wird immer noch gepackt, je intensiver/ intimer man sich den Klängen hingibt. Im Auto funktioniert die Scheibe erwartungsgemäß nicht, ein Selbstversuch wurde diesbezüglich schnell beendet. „Ára bátur“ dürfte für nahe am Wasser gebaute Menschen eine schwere Probe sein, so ergreifend ist die Kombination „zärtliches Piano“ meets Jonsis Falsett-Stimme. Der bereits angesprochene Knabenchor lässt dann tatsächlich etwas vorweihnachtliche Stimmung aufkommen, bevor das Stück schließlich zu einem monumentalen, Pathos-getränkten Höhepunkt geführt wird. Bei “Íllgresi“ klingt der einfühlsame Fronter dann tatsächlich einmal wie Herr Martin, dazu zupft eine melancholische Akustikgitarre. And so on…

Wirklich fraglich, wie SR diesen emotionalen Hochgenuss in Zukunft noch einmal toppen wollen, aber das soll nicht unser “Problem” sein. Mit mehr Variantenreichtum im Gepäck als bei „Takk…“ sollte nun wirklich das Herz eines jeden Fans zu Herzen gehender Klänge angesprochen werden. Völlig unabhängig davon, welches Lied man nun zu seinem persönlichen Favoriten erklärt. Please play endlessly!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

SIGUR RÓS - Weitere Rezensionen

Mehr zu SIGUR RÓS