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SILBERMOND - Nichts passiert

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Artist SILBERMOND
Title Nichts passiert
Homepage SILBERMOND
Label COLUMBIA/ SONYBMG
Leserbewertung
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7.7/10 (3 Bewertungen)

Ich oute mich hiermit öffentlich: Ich mag CHRISTINA STÜRMER. Und das letzte JULI-Album finde ich sogar richtig gut. Und das nicht, weil Eva Briegel vielleicht ihre Haare blondiert hat. SILBERMOND aber – das ist eine andere Geschichte. Grundsätzlich ist nichts gegen eine weitere Radio Pop Rock-Formation aus deutschen Landen einzuwenden, die auf persönlicher Ebene eigentlich recht sympathisch daherkommt und sich auf Konzerten regelmäßig den Arsch abspielt. Aber die lyrische Seite einiger Songs ist ziemlich inakzeptabel für einen aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts. Da wird ein archaisches Frauenbild zelebriert, das man eigentlich nicht erst seit Alice Schwarzer für ausgestorben hielt. „Das Beste“ ist im Grunde nichts anderes als eine Ton-Gewordene SM-Beziehung. Die totale Unterwerfung des weiblichen Partners: „Danke, dass DU mich an deiner Seite haben willst, über mich wachst, mich beschützt, dabei bin ich deiner gar nicht würdig“. Dieses Lied erzeugt in mir wirklich jedes Mal aufs neue einen ekelerregenden Brechreiz. Und dass es sich dabei nicht um einen Ausrutscher handelt, beweist die aktuelle Single. „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit“… so eine Textzeile braucht es wohl in Zeiten von Finanzverschwörung und apokalyptischen Szenarien. Wie können so junge Menschen so konservativ rüberkommen? Der Soundtrack für den nächsten Jugendkirchentag. Und bloß keine Kondome benutzen.

Fernab dieser einleitenden Gedanken nun aber zum dritten Album des Bautzener Quartetts mit einem Titel, der für weitere hämische Bemerkungen prädestiniert ist. An der sonstigen Aufmachung gibt es aber nichts zu kritteln und die Limited Edition bietet gar eine Bonus Scheibe mit einem kompletten Live-Konzert plus Hardcover Buch. 54 Minuten lang eine Reise durch die bundesdeutsche Befindlichkeit, sauber produziert, ein wenig mehr Gitarre hätte es an einigen Stellen aber sein dürfen. Dafür baut man jetzt hin und wieder Electro Effekte ein, beim Titelstück oder dem rebellisch angehauchten „Tanz aus der Reihe“ etwa. Ein gewisser Mut zu Veränderungen ist also da, wenngleich man sonst schön artig die verschiedenen Gemütszustände abklappert, die VW Golf-Fahrer eben für große Emotionen halten. Ein wenig Stadionrock („Krieger des Lichts“), etwas NDW („Nicht mein Problem“, die recht gelungene Kollaboration mit JAN DELAY), hier und da Balladeskes. Der Pathos wirkt am besten, wenn wie bei „Keine Angst“ oder „Nichts mehr“ die Riffs mal ordentlich kreisen dürfen. Die Instrumentalfraktion ist ja durchaus versiert, wenn die Gesangslinien nicht meist so beliebig wären. Bei JULI beispielsweise entdecke ich echten Weltschmerz und Melancholie. Passt einfach besser zu mir, wobei das natürlich die große Fangemeinde der SILBERMONDe anders sehen wird. Die wird bestens bedient, da besteht nicht der geringste Zweifel. Alles eine Frage des Anspruchs und der Blickwinkel. Ein Gastauftritt des stimmlich zweifellos „großen“ XAVIER NAIDOOs stimmt am Ende gar ein wenig milde. Deutlich übernimmt er beim soulig angehauchten „Sehn wir uns wieder“ das Kommando.

Ob „Nichts passiert“ meinen Plattenteller wiedersehen wird, ist eher fraglich. Die 14 Stücke tun keinem weh, sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten abwechslungsreich arrangiert. Man könnte auch sagen, ein wenig bieder. Möglicherweise ist aber genau das der Erfolgsfaktor von SILBERMOND. Für den Untergang des Abendlandes werden andere sorgen…

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