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SIMPLE MINDS - Big Music

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Artist SIMPLE MINDS
Title Big Music
Homepage SIMPLE MINDS
Label SONY
Leserbewertung
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8.0/10 (3 Bewertungen)

Zeichen und Wunder? Heimliche Zeitreise? Alte Aufnahmen, die mit 30 Jahren Verspätung erscheinen? Vielleicht gibt es noch andere ähnliche Erklärungen für ein Phänomen, das seit Kurzem die Runde macht. Da legt GARY NUMAN mit „Splinter“ ein Album vor, das an alte Zeiten anknüpft und alles vergessen lässt, was dazwischen an Unsäglichem veröffentlicht wurde. BLANCMANGE besinnen sich nach einem musikalisch kläglichen Werk auf ihre wahren Qualitäten und bescheren uns mit „Semi Detached“ ein dem Ruf der Band entsprechendes neues Werk. Und jetzt … jetzt kommen doch tatsächlich die SIMPLE MINDS, und schlagen in die gleiche Kerbe. Ein Nachahmereffekt? Vielleicht ja, aber wen kümmert es, wenn dabei etwas herauskommt, was schon vor drei Jahrzehnten hätte aufgenommen werden müssen?

„Big Music“ nennt sich die neue CD, und der Titel ist wirklich Programm. Von der letzten guten Formation anno 1983, die zusammen „Sparkle in the Rain“ einspielte, sind immer noch (natürlich) Frontmann Jim Kirr, Gitarrist Charlie Burchill und Drummer Mel Gaynor übrig, und es gelingt ihnen tatsächlich, jene Atmosphäre wiederaufleben zu lassen, die sie seinerzeit zugunsten von mitgrölbaren und mitstampfbaren und mit-„lalalala“-baren Tendenzen hinter sich zurückgelassen hatten. Gleich der Opener „Blindfolded“ wirkt wie eine Aufnahme, die auf „Sparkle in the Rain“ bloß keinen Platz mehr hatte, was auch für „Midnight Walking“ gilt. „Honest Town“ und der Titelsong „Big Music“ tendieren mehr in Richtung des Albums „New Gold Dream“. „Let the Day Begin“ wirkt mit seiner strengen Instrumentierung sogar wie eine noch ältere Aufnahme, die aus der „Sons and Fascination“-Ära stammen können, und das temporeiche „Imagination“ weckt unwillkürlich Erinnerungen an den Klassiker „I Travel“. Lediglich „Human“ ist so ziemlich der einzige Ausreißer, der mehr für ein singfreudiges Open-Air-Publikum geschaffen ist (ein wenig neigt auch der letzte Track „Spirited Away“ dazu, aber der kriegt noch etwas besser die Kurve als „Human“). Auch auf „Big Music“ zu finden ist „Broken Glass Park“, ursprünglich einer der neuen Songs auf dem letzten Best of-Album. Da kündigte sich schon musikalisch eine Abkehr vom bisherigen gitarren-mit-echoeffekt-überfrachteten Einheitsbrei ab, der all das Feinsinnige gnadenlos erstickt hatte, was die SIMPLE MINDS in ihren besten Tagen auf Vinyl gezaubert hatten.

Es tut gut, die SIMPLE MINDS wieder so erleben, wie man sie lange Zeit gekannt hat. Wer erst mit „Don’t You (Forget About Me)“ auf die Schotten aufmerksam geworden ist, wird mit „Big Music“ womöglich nicht allzu viel anfangen können. Dafür dürften sich alle die Fans freuen, die sich in den 80ern mit Grausen von der Band abwandten, als die wie ein U2-Klon in die Beliebigkeit abdriftete. Und diesmal gibt es keinen Grund für Jim Kerr & Co., noch einen Ausflug in diesen unerfreulichen Gefilde zu unternehmen, denn die breite Masse hat sich an diesen SIMPLE MINDS längst sattgehört. Da wäre es doch wirklich schön, wenn die Band sich auf ihre Anfänge besinnt und wieder Musik für die Fans macht, die jahrelang treu jede Veröffentlichung gekauft haben.

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