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SKEPTICISM - Farmakon

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Artist SKEPTICISM
Title Farmakon
Homepage SKEPTICISM
Label RED STREAM
Leserbewertung
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Wenn sich die Rauchwolken verzogen haben, bleibt nichts als ein schwarzes Loch. Die Stücke heissen „Nowhere“ oder „Nothing“, die Gesichter der Bandmitglieder im Booklet sind Schemen auf einem völlig dunklen Hintergrund und außer den Texten wird man dort nicht mehr finden als die trockene Botschaft „All music and lyrics written by SKEPTICISM. Produced by SKEPTICISM“. Keyboarder Eero hat betont, dass es zu “Farmakon” auch nichts weiter zu sagen gebe. Er hat wahrscheinlich recht. Ich knipse das Licht aus und setze die Kopfhörer auf.

Dieses Album ist ein brüchiger Monolith, gewaltig und grob gehauen, doch im ständigen Zerfall. Die majestätischen Orgelakkorde von „The Raven and the Backward Funeral“ führen einen in eine Welt, in die kein Lichtstrahl dringt und in der die grundlegendsten Parameter an Aussagekraft verlieren. Der Raum um einen herum kann eine ewige Fläche oder eine enge Zelle sein und die Zeit scheint auszusetzen. Das Schlagzeug ist nur noch ein entferntes Pochen, unter deren Oberfläche die Texte wie ein dickflüssiger Strom aus Teer langsam dahinfließen. Es erscheint nur als konsequent, dass die traditionelle Erdung einer Band, der Bass, hier fehlt.
Höhepunkte ergeben sich fast nie aus konkreten Momenten, sondern aus dem Kontext heraus. Dies wird am deutlichsten bei dem vierten, nur mit einem Symbol bezeichneten Stück, um welches alles andere zu kreisen scheint und das durch eine ausgeklügelte Dramaturgie besticht. Irgendwann bricht die Stimme vom Growl in ihre natürlichen Formanten – es ist der menschlichste Moment und gerade deswegen auch der beängstigendste.
So viel Schwermut, so viel Leid und das führt bei Liebhabern, wie unseren (ansonsten sehr geschätzten) Kollegen von doom-metal.com leicht schon mal zu Schweißausbrüchen und hastig mit fiebrigem Blut auf Pergamentpapier gekritzelten Lobeshymnen, in denen der Begriff „bestes Album aller Zeiten“ ziemlich häufig vorkommt. Bei allem Respekt: Das ist etwas zu viel Ehre für „Farmakon“ und dafür finden sich hier auch zu viele Wiederholungen oder Verirrungen ins Formelhafte.

Man muss es der Band aber hoch anrechnen, das sie hier ein Album geschaffen hat, welches eben nicht auf Teufel (!) komm raus stilübergreifend oder eklektisch sein will und zu bestimmten Momenten ist das auch genau, was man möchte. „Farmakon“ definiert exakt ein komplettes Genre und tut dies auf kompromissloseste Weise. Und vom Film weiss man ja, wie faszinierend und verlockend es sein kann, die Arme auszubreiten und sich in das schwarze Loch fallen zu lassen.

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