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SLIME - Hier und Jetzt

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Artist SLIME
Title Hier und Jetzt
Homepage SLIME
Label PEOPLE LIKE YOU RECORDS
Leserbewertung
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7.3/10 (4 Bewertungen)

Es ist lange her, dass SLIME ein Album mit eigenen Texten rausgebracht haben. Zuletzt war da „Schweineherbst“ im Jahre 1994. Dann kam die Auflösung. Im Jahre 2010 auf dem Ruhrpott Rodeo dann die Reunion in teilweise neuer Besetzung und zuletzt die LP „Sich fügen heißt lügen“ (2012), auf der einige Texte des jüdischen Dichters Erich Mühsam, der im KZ Oranienburg getötet wurde, vertont worden sind. So viel in aller Kürze zur Vergangenheit der Punk-Legende.

Wer aber jetzt der Meinung ist, dass da eine alternde Rock Combo daherkommt, der kennt SLIME nicht und wird sicherlich schon bei den ersten Songs feststellen, wie viel Kraft und Energie noch immer in der Band steckt. Mit dem Song „Unsere Lieder“, das vorab auch schon als Video veröffentlicht wurde, hat die Band aber auch den idealen Opener gebracht. „Mir wär´es lieber, unsere Lieder wären nicht mehr aktuell und niemand würde sie noch singen.“ ist eine Aussage, mit der diejenigen, die die Band das erste Mal hören, vermutlich nicht viel anfangen können, aber die, die Songs wie „Goldene Türme“, „Gewalt“, „Schweineherbst“, „Mensch“, „Viertes Reich“ oder natürlich „Nazis raus“ und viele mehr kennen, wissen genau, was und wie es gemeint ist.

Bei dem Stück „Brandstifter“ geht es auf dem Album direkt kraftvoll und kritisch weiter. Allein an den beiden ersten Stücken merkt man deutlich, dass sich die Band musikalisch und auch textlich weiterentwickelt hat. Was dabei geblieben ist, ist der kraftvolle Gesang von Dirk „Dicken“ Jora. Mit „Sie wollen wieder schießen dürfen“ ist der Song mit auf der Scheibe, der schon letztes Jahr als Single ausgekoppelt worden ist und der musikalisch in die gleiche Richtung geht, wie die ersten beiden Stücke. Aber dann beweist die Band, dass sie auch anders kann. Mit dem Lied „Patrioten“, welches mit der „Schandmal-Rede“ des AFD-Politikers Björn „Bernd“ Höcke beginnt, lässt SLIME etwas HipHop mit in das Album einfließen. Unterstützt werden sie dabei von den Rappern Swiss und Pablo Charlemoine von IRIE RÉVOLTÉS.

Da ich hier jetzt nicht auf jeden Song im Einzelnen eingehen möchte, sei so viel gesagt, dass „Hier und Jetzt“ musikalisch wesentlich abwechslungsreicher ist, als sämtliche Alben zuvor, was der Band aber auch schon kurz nach der Veröffentlichung erste kritische Worte einbrachte. Man liest zum Beispiel, dass es manchen zu poppig wäre, weil es auch Reggae-Einflüsse und sogar eine „angebliche“ Ballade gibt. Leider verstehen manche Leute einfach nicht, dass sich eine Band musikalisch auch weiterentwickelt und dass ein Stück, nur, weil es etwas langsamer als gewohnt rüberkommt, noch lange keine Ballade ist. Da kommt meines Erachtens der Text wesentlich besser zur Geltung. Zudem hat die Band auch früher schon Stücke gebracht, die musikalisch etwas ruhiger waren, damit die Texte besser zur Geltung kommen.

Die Dinge, die mich persönlich eher stören, sind 2 Refrains („Ernie und Bernd in Guantanamo“ sowie „Die Geschichte des Andreas T“), die ich ein wenig zu oberflächlich für die jeweiligen Themen finde. Auch, dass die Texte bei „Der siebte Kontinent“ Und „Bekenntnis zu einem Paradoxon“ etwas schlecht zu verstehen sind und der Gesang leicht übersteuert wirkt, was eher an der Abmischung liegt, ist schade.

Genauso wie auch früher schon, wird es Leute geben, die das Album nicht mögen, auch aus den Reihen der Punks und linken Szene. Andere wiederum werden „Hier und Jetzt“ kräftig abfeiern und meiner Meinung nach hat dieses Album auch nichts Anderes verdient. Ich jedenfalls freue mich jetzt schon, die neuen Songs hoffentlich bald wieder live zu erleben.

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