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SOILWORK - The Panic Broadcast

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Artist SOILWORK
Title The Panic Broadcast
Homepage SOILWORK
Label NUCLEAR BLAST
Leserbewertung
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8.0/10 (5 Bewertungen)

Der verlorene Sohn ist zurück! Nachdem Songwriter und Produzent Peter Wichers Ende 2005 die schwedischen Vorzeige-Melodic Death Metaller SOILWORK verlassen hatte, beschworen nicht wenige Kritiker einen Krater hervor, den die verbliebenen Mitglieder um Frontmann Björn Strid nicht schließen könnten. Es folgten das 2007er Werk „Sworn To A Great Divide“, bei dem man versuchte, die Härte vergangener Tage („Natural Born Chaos“ von 2002, und früher) und die Massentauglichkeit des bis dato letzten Wichers-Werks „Stabbing the Drama“ zu kombinieren. Einige fanden den Versuch gelungen, andere (darunter auch ich persönlich) wiederum eher weniger – doch einig sind sich wohl alle in einem Punkt: gut, dass er mittlerweile wieder da ist, der Peter. Natürlich wird es dann auch wieder Zeit für eine neue Scheibe, bei welcher er wieder die Zügel in die Hand nimmt und die nun unter dem Titel „The Panic Broadcast“ auf die Jagd geht.

Eröffnet wird sie von „Late For The Kill, Early For The Slaughter“ – und wie! Wie ein schizophrener Bulldozer, der glaubt, gleichzeitig Panzer und Dragster zu sein, donnert der Opener über einen hinweg, dass einem fast Hören und Sehen vergeht! Der Sehverlust wäre zwar schon überaus tragisch, doch für Freunde von verdammt tighter und kompromissloser Drum- und Riffarbeit wäre das Vermissen der Hörfähigkeit an dieser Stelle wohl die denkbar schlimmste Folter (neben einem neuen Album von MODERN TALKING). Definitiv einer der härtesten SOILWORK-Tracks der letzten Jahre, da auch der gute „Speed“ am Mikro schimpft wie ganz Fussball-Frankreich momentan über den Raymond Domenech. Weiter geht es gleich schon mit dem für mich stärksten Titel der Scheibe: „Two Lives Worth Of Reckoning“. Eine absolut typische Komposition der Schweden, die so auch auf „Stabbing the Drama“ ihren Platz gehabt hätte. Rumpelnde Strophenuntermalung und ein clean gesungener Refrain – natürlich nichts besonderes, natürlich schon oft gehört, natürlich auch von SOILWORK; aber hier spielt das Sextett einen ihrer größten Trümpfe aus, und das ist die einmalig starke Stimme des Sängers. Es ist unfassbar, wie viel Tiefe und Gefühl Björn „Speed“ Strid in seinen Klargesang packen kann, wie er einen mitreißt und seine Emotionen vermittelt und überträgt. Das gelingt bei dieser Nummer einmal mehr absolut authentisch. Auch ansonsten versteht es die Nummer durch das nette Einfaden am Anfang, die dezente Keyboarduntermalung von Sven Karlsson und ein schickes Solo zu überzeugen. Beim anschließenden „The Thrill“ zeigen der Peter und sein neuer Kollege Sylvain Coudret dann, dass sie Chemie zwischen ihnen stimmt. Munter rifft man drauf los und lässt die drückende Nummer in einem weiteren Cleangesang-Refrain aufblühen. Was hier jetzt so langsam aufzufallen scheint ist, dass die puren Death Metal-Anteile auf diesem Langspieler wieder etwas reduziert wurden und man stattdessen verstärkt in die Modern Metal-Schublade gegriffen hat. Das betrifft zum einen die Instrumentenfraktion, zum anderen aber auch den eben noch so gelobten „Speed“, der mich in Sachen Shouting doch schon fast enttäuscht. Dass er es kann, das wissen wir alle. Ob böse oder riiiichtig böse – hat er alles schon gezeigt und bewiesen. Doch diesen Beweis bleibt er nicht nur bei diesem Song sondern überwiegend beim ganzen Liedgut des Silberlings schuldig. Viel zu gehemmt und substanzlos klingen an vielen Stellen seine Schreie, die mehr wie Rufe wirken, was wirklich mehr als schade ist. Bei der Knüppelnummer „King Of The Threshold“, bei welcher man mit tollem Keyboardeinsatz an die Zeiten von „Figure Number Five“ & Co. erinnert, blitzt „das riiiichtig Böse“ zwar ab und an mal wieder gefällig auf, doch insgesamt hätte auch diese Nummer noch kräftiger und düsterer ausfallen dürfen. Gar nicht so düster wollen dann Tracks wie das schöne „Let the river flow“ oder „Night comes clean“ sein. Hier gibt man sich dann (natürlich relativ!) poppig und zeigt bei erstgenanntem sogar fast KILLSWITCH ENGAGEhafte Melodie-Züge, dafür aber auch schon mal ein paar kleinere Growls. Beim abschließenden „Enter Dog Of Pavlov“ dürfen vor allem Wichers und seine Kollegen an den Instrumenten bei dem mit 5:36 Minuten längsten der insgesamt zehn Tracks glänzen und weben dabei ein ansprechendes, dichtes Gewand aus eher bedrückenden Klängen. Ein weiterer Titel auf dem Album der in Ansätzen zeigt, was man bei den Nachbarn wie dem eher langweiligen „Epitome“ vermisst.

„The Panic Broadcast“ ist also wieder ein Langspieler geworden, der die Lager spalten wird. Die Hoffnung vieler, Peter Wichers würde sie bei seiner Rückkehr und einem neuen Album wieder vereinen, bleibt damit wohl eher unerfüllt. Das liegt aber nicht etwa daran, dass Herr Wichers nicht dazu fähig wäre, sondern wohl eher daran, dass er und seine Kollegen es nicht unbedingt darauf angelegt haben. SOLWORK sind einzig und allein ihren Erwartungen gefolgt und haben etwas mehr als 48 recht abwechslungsreiche Minuten eingespielt, bei dem man einmal an so ziemlich allen Tugenden der Band „vorbeigeschrammt“ ist. Technisch gibt man sich dabei natürlich keine Blöße, bis auf die thematisierten Shouts von Björn Strid (was sicherlich auch Geschmacksache ist, wie so vieles mittlerweile bei den Schweden) ist hier wieder alles im grünen Bereich. Das Gespann Wichers/ Coudret passt gut und fördert schönes Riffing und tolle Soli zu Tage, schafft es aber wiederum auch nicht komplett über die volle Distanz ihr unbestrittenes Potential voll auszuschöpfen und aufrecht zu erhalten. Ich persönlich liebe SOILWORK von „A Predator’s Portrait“ bis zu „Figure Number Five“, finde „Stabbing The Drama“ für sich alleine genommen sehr ordentlich und freunde mich darum auf „The Panic Broadcast“ vor allem mit Songs wie „Two Lives Worth Of Reckoning“ oder „The Akuma Afterglow“ an – andere Konsumenten werden wiederum ganz andere Titel bevorzugen. Darum kann man hier auch als Rezensent nur deutlich schwerer als in den meisten anderen Fällen sagen, ob die Schweden hier ein gutes oder ein schlechtes Album abgeliefert haben. Es ist definitiv eine Veröffentlichung, die in diversen Foren für hitzige Diskussionen sorgen wird.

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