Band Filter

Request did not return a valid result

SONIC SYNDICATE - We rule the night

VN:F [1.9.22_1171]
Artist SONIC SYNDICATE
Title We rule the night
Homepage SONIC SYNDICATE
Label NUCLEAR BLAST
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.5/10 (6 Bewertungen)

Nach mehrfachen Terminverschiebungen und fast genauso vielen Videoauskopplungen kommen SONIC SYNDICATE nun endlich doch noch mit ihrem neuen Album „We rule the night“ um die Ecke. An sich schon bereits seit einigen Monaten fertig, entschied man sich dann doch dafür, lieber noch die meisten Sommerauftritte wahrzunehmen, um noch mehr Promo zu machen, als es ihr Label ohnehin schon macht. Nach dem Vorboten „Burn This City“, auf dem Nathan J. Biggs als neuer Sänger erstmals aus der Konserve glänzen durfte, legte man vor nicht allzu vielen Wochen mit der Single „Revolution, Baby“ nach, ist aktuell mit einem Video zu „My own life“ präsent und hat mit „Turn it up“ sogar direkt schon den nächsten Streifen im Anschlag. Wenn schon verlängerte Wartezeit, dann versogt das Sextett seine Fans wenigstens bestmöglich mit Programm.

Das hat allerdings auch zur Folge, dass man bereits jetzt fast die komplette erste Hälfte des neuen Silberlings kennt. Als Opener hielt man zwar mit dem soliden „Beauty and the freak“ eine noch unveröffentlichte Komposition zurück und stellt einen relativ typischen SONIC SYNDICATE Song mit Wechselgesang in der Mittelgewichtsklasse an den Anfang. Dann aber folgt direkt schon das bereits erwähnte „Revolution, Baby“. Diesem Stück merkt man die angestrebte Ausrichtung der Band unverhohlen an, weiterhin mit großen Schritten in die Moderne wandern zu wollen. Mit fiesem Schrei donnert man wie eine U-Bahn durch den Gehörtunnel, während man die Strophen fast schon Nu Metal-like vertont. Sänger Nathan und Schreihals Richard spielen schöne Doppelpass-Stafetten, bis Herr Biggs das Ding dann im poppigen Refrain versenkt. Der Engländer hat sich scheinbar bestens in den Reihen der Schweden eingefunden und passt mit seiner tollen Stimme (mit der er auch live absolut überzeugt) prächtig in das breitgefächerte Konzept der Band. Und dieses Konzept profitiert dabei vor allem durch seinen unglaublichen Facettenreichtum, anders ist wohl auch die anschließende Nummer nicht zu erklären. „Turn it up“ (bei dessen Videodreh zum bald erscheinenden Clip sich Bassistin Karen am Kopf verletzte) entpuppt sich als echter Schocker für alteingesessene SONIC SYNDICATE-Fans. Mit einer Einleitung, die beängstigenderweise schon fast an REDNEX „Cotten Eye Joe“ denken lässt, startet das Klangwerk, mit dem sich die Truppe dann wohl endgültig von den starken Anfangstagen eines Albums wie „Eden Fire“ verabschiedet. Entfernte man sich im Verlauf der letzten beiden Album ja schon immer mehr von den Melodic Death Metal-Wurzeln, reißt man nun die Hoffnung der letzten Fans auf eine „Back to the roots“-Attitüde komplett ein und entzündet den verbleibenden Schutthaufen mit poppigen Kitschanfällen. Vier Jahre nach dem Debüt steuert man jetzt ein komplett anderes Publikum an – „Kommerz!“-Rufe hin oder her, man muss es so hinnehmen, wie es ist. Der Song ist, wenn man so will, der „Aprè-Ski-Hit“ unter den Modern Metal-Songs: Mitgröhl-Refrain, simple Keyboarduntermalung, strikt nach Muster und vor allem einprägsam. Trotz Musikern wie den Sjunnesson-Brüdern beileibe kein Technikfeuerwerk, aber ein Garant für die Tanztempel-Playlists. Dem letzten, mit nicht enorm großer Toleranz gesegneten Fan der ersten Stunde macht man (sofern er es bis dahin schafft) mit dem aktuellen Musikkanal-Vertreter „My own life“ mürbe, wobei man sagen muss, dass diese Ballade an sich ein sehr schöner Titel ist. Keineswegs Metal, dafür aber ein herrlicher Schmachtfetzen in Manier der Spät-80er / Früh-90er, zumindest in den Strophen. Was man dem Sechser dabei lassen muss, ist, dass er diese krasse Bandbreite der bis dahin ersten vier Nummern sehr souverän und authentisch umsetzt. „Burn this city“ folgt im Anschluss – und hatte ich bei der Rezi zu der Single-Version noch davon gesprochen, dass der Songs ziemlich poppig ist, muss ich an dieser Stelle feststellen, dass er in Relation zum bisher gehörten noch zu den straightesten zählt. Natürlich ist der Refrain immer noch recht „soft“, doch immerhin geben Richard und seine Brüder an den Gitarren bzw. Kollegen an den restlichen Instrumenten hier mal wieder richtig Gas. Soweit also erstmal der durch „Film, Funk und Fernsehen“ bekannte Teil, so richtig „neu“ wird es dann nun ab „Black and Blue“. Nette Keyboardeinleitung und wummernde Saitenarbeit treffen auf den Klargesang von Nathan und den Shouts von Richard, der anfangs allerdings etwas fehl am Platze wirkt. Immerhin ist er es noch, der mit seinen Schrei-Organ ein wenig die „Härte-Würze“ der Härte mit einstreut. Nette Midtempo-Nummer, die auch noch irgendwo auf „Love and other Disasters“ gepasst hätte. „Miles Apart“ ist wieder ein Beweis für Nathans wandelbare Stimme und eine moderne Ballade mit Akustik- und E-Gitarreneinsatz, die vom Keyboard noch relativ interessant bereichert wird. Auf einem vermeintlichen Metalalbum verwunderlich, auf dieser Scheibe jedoch gar nicht unpassend. Überraschend für mich persönlich dann das nachrückende „Plans are for people“, das mit unerwarteter Tiefe und Atmosphäre startet. Doch noch mal ein Hauch der alten Melodic Death-Tage, herrlich! Nathan mit bedächtigem Gesang, Richard mit präsenten Shouts im stimmigen Wechsel, spannende Bridge und dann der Refrain, der wie ein Wasserfall voller Emotionen auf einen einstürzt. Grandios dabei der kurze Falsett-Ausreißer von Nathan. Karin und Co. unterstützen die Pracht dann mit sauberem und sehr uneigennützigem Einsatz ihrer Werkzeuge, so dass hier noch einmal ein wahrer Überflieger wartet. Ihm folgt „Leave me alone“ in ähnlich tiefgehenden Spuren, allerdings entpuppt sich der Chorus nicht gerade als originell. Immerhin scheppern hier Bass und Drums mit Kraft aus den Boxen und Richard darf zeigen, dass er bei seinem Stimmeinsatz auch ein paar Varianten drauf hat. Die vorletzte Nummer ist in den Strophen dann schon fast wieder SONIC SYNDICATE zu „Only Inhuman“-Zeiten: selbst Mr. Biggs greift hier auf Shouts zurück, was er bei seinen Fähigkeiten noch viel zu wenig macht. Auch wenn der Schreigesang ja der Arbeitsbereich von Richard ist, finden die beiden auch hier die perfekte Ergänzung. Das Keyboard bringt ordentlich Fahrt in die Sache und auf der Riffanzeige leuchtet auch endlich mal wieder „Metal“ auf. Zum Ende hin hat es der Sechser dann doch endlich noch raus, ich hätte nicht mehr dran geglaubt. Auch der abschließende Titelsong schlägt wieder leicht in diese Richtung und zeigt die Truppe mal wieder von ihrer (etwas) dunkleren Seite. Düsteres Gothic-Metal-Riff und fiese Shouts, die sogar im Refrain einen nicht unwesentlichen Platz haben. Kein Witz!

Mit „We rule the night“ setzen SONIC SYNDICATE also weiterhin ihren Weg fort, weg von den melodischen Schwedentod-Wurzeln und hin in eine Modern Metal-Welt mit riesigem Ausblick auf die Radiostationen und Fernsehsender. Über gut 40 Minuten bietet man dabei ein gewaltiges Spektrum an Liedgut an, mit dem man den größten Teil der alten Anhängerschaft allerdings wohl verabschiedet. Durch den ganzen Hype und die pausenlos arbeitende Marketing-Maschinerie hat man in diesem Lager eh für Unsympathie gesorgt, welche man mit den elf Stücken des neuen Werkes wohl nicht gerade zurück gewinnen kann. Aber das ist scheinbar auch nicht das Anliegen des Sextetts. Ex-Sänger Roland Johansson war absolut kein schlechter, doch mit seinem Nachfolger hat man einen Schlüssel erhalten, mit dem man so ziemlich in jedes Schloss passt. Die weitreichenden Fähigkeiten eines Nathan J. Biggs ermöglichen erst ein solch abwechslungsreiches Album und damit die Umsetzung aller möglichen Ideen, die die Truppe bisher möglicherweise nie so umsetzen konnte. Vielleicht hat man genau aus dem Grund auch einen derartigen Rundling geschaffen, bei dem man in keine Schublade, sondern höchstens noch ein einen Schrank gepackt werden kann. Man will sich von allen Seiten der neuen Möglichkeiten zeigen und hat dabei das Glück, dass man trotzdem nicht konzeptlos wirkt. Schade allerdings, dass dabei besonders der Instrumentenfraktion extrem wenig Platz gelassen wird, um eigene Akzente zu setzen. Für aufgeschlossene Freunde modernen Metals oder auch Rocks eine interessante Scheibe, alteingesessene Fans sollten dringend vorher reinhören – und das übrige potentielle Klientel hat sich wohl eh schon abgewendet. Spannend dürfte aber sein, ob SONIC SYNDICATE in Zukunft in einer bestimmten Farbe gemischt aus diversen Töpfen leuchten oder sich weiterhin eher als bunter Regenbogen präsentieren.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

SONIC SYNDICATE - Weitere Rezensionen

Mehr zu SONIC SYNDICATE