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SONNE HAGAL - :Jordansfrost:

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Artist SONNE HAGAL
Title :Jordansfrost:
Homepage SONNE HAGAL
Label LUFTSCHUTZ ENTERTAINMENT/ TESCO
Leserbewertung
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9.0/10 (3 Bewertungen)

Mit SONNE HAGAL hat vor kurzem eine der dienstältesten deutschen Dark- bzw. Neofolkbands nach längerer Wartezeit endlich ihr neues Studioalbum veröffentlicht. Obwohl die Brandenburger schon auf insgesamt zehn vorangehende Releases zurückblicken können (zuletzt in 2005 die MCD „Nidar“), markiert „Jordansfrost“ nach „Helfahrt“ aus dem Jahre 2002 doch erst ihr zweites Vollzeitwerk. Es kann nur gemutmaßt werden, wie sehr die gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Andreas Ritter (FORSETI), der seit jeher ein enger Intimus der Hagalisten gewesen ist, sich auf den Entstehungsprozess von „Jordansfrost“ ausgewirkt und zu den eingetretenen zeitlichen Divergenzen geführt hat. So hat man sich zwangsläufig auf die Suche nach Alternativen machen müssen, wodurch in besonderem Maße möglicherweise aber die Anzahl der nun mitwirkenden Gäste begünstigt worden ist, deren Auflistung sich fast wie ein who-is-who der Szene liest. Obwohl man dabei natürlich theoretisch Gefahr läuft, Opfer der Redensart „Viele Köche verderben den Brei“ zu werden, lässt sich nach dem Hören von „Jordansfrost“ jedoch eindeutig konstatieren, dass hier eher die Musketier-Maxime „Einer für alle und alle für einen“ zutreffend ist.

So facettenreich wie die Schar der beteiligten Künstler gestaltet sich auch das musikalische Programm. Anstelle sich auf eine bestimmte Ausrichtung bei ihrer Interpretation heimischer Folklore limitieren zu lassen, nutzt man bei SONNE HAGAL die komplette Bandbreite der Möglichkeiten. Die einzelnen Stücke sind dabei recht zurückhaltend, jedenfalls stets unaufdringlich instrumentiert. Den Beginn macht mit „Flackerndes Feuer“ zunächst ein traditionell mit Akustikklampfe und Melodica (eingespielt von Henryk Vogel/ DARKWOOD) Lagerfeuerstimmung verbreitendes Stück. Experimenteller ist da schon „Midsummernight“, bei dem neben der Gitarre ein kraftvoller Bass, vereinzelte Trommeln sowie eine klagende Violine zum Einsatz kommen und auf düstere Weise Kämpfertum proklamieren. Nachdem bei „Vengeance“ eher altertümliche und fast balladeske Töne erklingen, verbreitet „Das letzte Lied“ mit seiner zerbrechlichen Art und dem gefühlvollen Gesang eine schöne, beinahe intime Atmosphäre. Sicherlich ein Höhepunkt des Albums. Dem steht „Hidden Flame“ in nichts nach: Eine extrem songorientierte, lebendige Komposition mit verhältnismäßig höherem Tempo, die ansatzweise als DarkWave-Düsterrock durchgehen könnte und durch melodischen Gesang sowie wunderbar stimmungsvolle Trompetenklänge abgerundet wird.

Während „Rokh“ und „Herr Gilbhardt“ ein wenig mehr wieder die mystisch-experimentellere und beizeiten elektronische Seite von SONNE HAGAL widerspiegeln, keimen bei „Ragnarök“ schnell Reminiszenzen an :OF THE WAND AND THE MOON: auf. Dies muss aber nicht weiter verwundern, schließlich hat hier Kim Larsen höchstselbst die Vocals und das altbewährte Glockenspiel übernommen. Ein weiteres Highlight des Albums, hymnisch und mit Ohrwurmcharakter. Klassischer wirkt dagegen das folgende „Who has seen the wind?“ mit purem Neofolk, der niemandem weh tut, bevor danach mit der Adaption des Volksliedes „Flandern in Not“ das „Totentanzlied“ doch etwas aus dem Rahmen fällt. Unüberhörbar ist hier anhand des Gesangs von Markus Wolff und dem Akkordeonspiel seines Kompagnons Tyrsson der Einfluss von WALDTEUFEL. „The hawk“, eine Fremdkomposition von Andreas Arndt/ SONNENTAU und intoniert von Joshua und Kathryn Gentzke (LUX INTERNA), sowie „Over the stone“ beschließen sodann mit bedächtigen, ruhig-verträumten Klängen den bunten Liederreigen.

Insgesamt stellt „Jordansfrost“ trotz seiner Vielfalt einen homogenen Rahmen auf und hinterlässt einen gereiften Eindruck. Qualitativ ist SONNE HAGAL damit der Sprung dicht zu den Vorreitern DARKWOOD und FORSETI gelungen und auch rein optisch kann sich das Digipak mit eingearbeitetem Artwork (drei verschiedene sind im Umlauf) sehen lassen. Für alle, die bei soviel Ästhetik Pipi in den Augen bekommen, sei abschließend noch der Hinweis auf die MySpace-Seite der Band erlaubt, auf der man sich in einem klaren Statement übrigens jeglicher politisch-radikaler Ambitionen entsagt. Deutlicher geht’s wohl kaum…

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