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SONNENBRANDT - Gestern

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Artist SONNENBRANDT
Title Gestern
Homepage SONNENBRANDT
Label NLW/ ANNA LOGUE/ HERTZSCHRITTMACHER
Leserbewertung
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5.6/10 (8 Bewertungen)

Endlich ist es soweit. Das adrette Hamburger Trio SONNENBRANDT bringt ein erstes vollständiges Album heraus. Und für jedes einzelne Bandmitglied gibt es auch gleich noch eine eigene Plattenfirma, ist das nichts? Dabei neben dem umtriebigen NLW Label auch das kultige Kernkrach/ Hertzschrittmacher Team aus Warendorf und Co. Herr Brandt, Frau Sonne und Kpt. Korg sind uns im Laufe der Jahre schon auf diversen Veranstaltungen über den Weg gelaufen und ich kann nicht verhehlen, dass sie uns so richtig ans Herz gewachsen sind. Dementsprechend werden sie ja auch als Opener des Electrolution Festivals ordentlich einheizen. Könnte uns wirtschaftlich gesehen also nichts Besseres passieren, als dass die Nordlichter bis dahin kommerziell richtig durchstarten.

Das wird aber wohl zumindest im großen Stil trotz fraglos vorhandenen Könnens nicht geschehen, zu verspielt retro wirken die Kompositionen überwiegend und auch das Cover könnte ein wenig abschrecken. Künstlerisch zwar durchaus interessant, schaut aber eher nach Military Pop/ Neofolk aus. Musikalisch bietet der Longplayer eine Mischung aus alten Klassikern, live-erprobten Stücken, neuen Kompositionen und einigen Bonus-Remixen. „Radio“ und die Quasi Bandhymne „Urlaubsgruss mit Sonnenbrandt“ waren ja bereits auf einer sehr anhörbaren EP aus dem Jahre 2005 enthalten, während der flotte Opener „Herz aus Geld“, das „Diskolied“, „Der lustige Konsument“ und auch das französisch intonierte LIO-Cover „Amoureux Solitaires“ etwa in der Setlist vom Festival der Subkulturellen Töne 2006 standen. Die Live-Feuerprobe wurde ergo schon mit Bravour bestanden und man ertappt sich beim fröhlichen Mitsingen. Auffällig bei dem schon bekannten Material die neue Abmischung, die mit wesentlich mehr Klangtiefe und -qualität zu begeistern weiß, ohne den alten Charme zu verleugnen. Und charmant ist der Hybrid aus NDW und analogem Synthie Pop mit etwas Gitarre und Wechsel-Gesang Mann/ Frau allemal. Die Texte reichen von verspielt albern bis zu hintersinnig verschroben, teilweise werden gar nur reimbare Assoziationen aufgebaut. Zudem sind die Vorbilder unverkennbar, wenn hier mal eine Basslinie von KRAFTWERKs „Das Modell“ eingebaut wird oder dort eine bereits im Titel sichtbare Ode an „Fred von Jupiter“ „versteckt“ wird. Gelegentlich sind mir einzelne Parts zu repetetiv ausgewalzt, sicher als Stilmittel beabsichtigt, wirkt aber ein wenig undynamisch. Auch halten nach meinem Dafürhalten die neuen Stücke mit den Klassikern nicht ganz mit, was aber natürlich auch mit der eigenen Hör-Historie zu tun hat.

Dennoch kann man es locker auch mit der Großkopferten Konkurrenz aufnehmen, was live durch die entfachte Spielfreude noch einmal potenziert wird. Schön auch, dass auf eine sehr schnieke Vinyl Version Wert gelegt wurde, was aber bei den beteiligten Produzenten kein Wunder ist. Genrefreunde, 80er Fans, aber auch Anhänger modernen Mädchen Electro Pops (MIA., KLEE, SPILLSBURY etc.) werden hier sicherlich bestens bedient – gestern, heute und morgen. Wir sehen uns dann in Bielefeld!

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