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SOTAJUMALA - Death Metal Finland

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Artist SOTAJUMALA
Title Death Metal Finland
Homepage SOTAJUMALA
Label WOODCUT RECORDS
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

SOTAJUMALA haben das, was Marketingmanager lieben: Ein klar erkennbares Konzept. Ein naheliegendes und dennoch unverwechselbares zudem. Denn obwohl man eigentlich annehmen sollte, dass es schon eine Band gibt, die auf Finnisch gebrüllten Death Metal mit Texten rund um das Thema Krieg verbindet, will einem spontan einfach keine einfallen. Auch das Artwork spricht eine eindeutige Sprache, verbindet EPs und LPs auf intelligente Weise und lässt das Sammlerherz schneller schlagen. Gleiches gilt natürlich für Kollegen wie ENDSTILLE, doch verzichten die Finnen auf auch nur die Andeutung eines Politikums. Keine Verwendung von Nazisymbolik, kein Bezug zur Aktualität.

Eine kleine Spielwiese ist „Death Metal Finland“ somit, eine ungefährliche Projektionsfläche für die eigentlich kranken Gewaltfantasien ihrer Urheber. Man könnte sogar behaupten, dieses Album entspreche in gewisser Weise PlayStation Games wie „Doom“ oder – auch wenn das jetzt etwas umstrittener sein dürfte – „Manhunter“, erlaubt es doch Musikern sowie Hörern, ihre latenten und in der realen Welt nicht auslebbaren Aggressionen innerhalb der legalen Grenzen abzubauen. Dabei sind die ersten Titel fast schon zu clever und gewitzt, um als reine Vorlage zum Headbangen zu dienen. „Meidän Maa“ (Mein Vaterland) ist ein spektakulärer Opener mit brillantem Solo und einem in verwirrenden Metren feuernden Schlagzeug, „Elämön Vihollinen“ eine kurios inszenierte musikalische Hydraulik mit Schiffschaukel-Hymnik. Das mulmige, doch faszinierende Gefühl der Verfremdung wurde zum einen durch Schichtung der einzelnen Instrumentenspuren erreicht, bei der man das Gefühl hat, man höre die Saiteninstrumente wie durch Pergamentpapier. Zum anderen entschied man sich für einen offenen Sound mit sehr hoch und sicherlich in den abstrusesten Tonarten gestimmten Gitarren – General Azagthoths Strategieleitfaden haben diese Söldner jedenfalls eins zu eins verinnerlicht. Die perfekt realisierte Referenz an MORBID ANGEL kulminiert in dem tonnenschweren Metallbrocken „Kuolleet“, was „Die Toten“ bedeutet, obwohl „Kanonenkugel“ der trefflichere Titel gewesen wäre. Denn wie eine solche schlägt dieses präzise Projektil mitten im Ohr ein, entlädt stampfende Drums, ein heulendes Solo und Arpeggiobässe direkt aus dem Blade-Runner Soundtrack. Erst danach rollt der Hochgeschwindigkeitszug ein, bei dem einen die Baskenmütze samt den letzten verbliebenen Haaren vom Kopf gepustet wird. Den zweiten Teil des Albums bestimmt nun die Double Bass. Obwohl auch hier auf einprägsame Riffs nicht verzichtet wird, geht in den rasendschnellen Nummern das ursprüngliche und eigentümliche Flair doch etwas verloren. Im Grunde genommen bekommt man mit „Death Metal Finland“ statt einer langen zwei kurze Scheiben serviert, die sich feindlich gegenüber stehen.

Erst das abschließende „Pommitus“ verfügt dann wieder über diese erhebenden Momente, die einem die Kehle abschnüren, ohne dass man genau wüsste, warum. Trotz einer gewissen inneren Inkohärenz mit Sicherheit eines der stärksten Debüts dieses Jahres und darüber hinaus eine musikalische Allianz, welche das Zeug zur Weltmacht hat. Mit oder ohne Marketingmanager überzeugen SOTAJUMALA auf voller Linie.

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