Band Filter

SPERLING - Zweifel

VN:F [1.9.22_1171]
Artist SPERLING
Title Zweifel
Homepage SPERLING
Label UNCLE M MUSIC
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (1 Bewertungen)

Hierzulande kennt man den Sperling auch als Spatz und ich bin mir sicher, dass es im Hunsrück einige Exemplare des kleinen Singvogels gibt, der auch im Winter in unseren dann ungemütlichen Gefilden bleibt. Ob sich die fünf Jungs von SPERLING ihre Band so genannt haben? Zumindest verweisen sie auf den Piepmatz; von zwitschernder Leichtigkeit ist die Musik des Quintetts aus dem erwähnten Mittelgebirge allerdings relativ weit entfernt. Stattdessen gibt es an FJØRT und HEISSKALT erinnernden Hardcore, der auf Rap-Gesang trifft, für den auch CASPER verantwortlich sein könnte. Komplettiert wird das Ganze überraschenderweise von einem Cello.

„Zweifel“ ist das Langspieldebüt und gleich der Opener „Eintagsfliege“ widersetzt sich textlich wie musikalisch dem Formatradio-Einheitspop. Das nachfolgende „Bleib“ beschäftigt sich mit eindringlichen Cello-Klängen und mitreißend-krachenden Melodien mit einer Trennung, ehe „Stille“ den Titel Lügen straft und mit „Toter Winkel“ die Emotionen hochkochen. Im „Baumhaus“ wird dieser Zustand perfektioniert, bevor „Fuchur“ (der Glücksdrache aus „Die unendliche Geschichte“) verspielt daherkommt und „Relikt“ eine härtere Gangart anschlägt. „Laut“ ist die aktuelle Single des Fünfers, die mit vertrackten, impulsiver werdenden Klängen nachdenklich stimmt. Mit dem Fokus auf dem elegischen Streichinstrument übernimmt „Mond“, während „Tanz“ energiegeladen nach vorn drängt und sich mit dem Titeltrack „Zweifel“ die Stimmung verändert. Es geht um das ernste Thema Selbstmord, das in der SPERLING-Darreichungsform schmerzlich unter die Haut geht. Für ihr „Schlaflied“ greifen die Herren zur Akustikgitarre und beweisen überzeugend, dass sie sich auch auf leisere Töne verstehen.

SPERLING erzählen Geschichten vom Alleinsein, von Depressionen und dem Tod, vom Umgang mit Ängsten und Zweifeln. Es geht um Liebe und das tiefe Loch, in das man danach fällt. Gitarre und Cello wechseln sich gekonnt ab in getragenen Tonfolgen, harten Soundwänden und schwebenden, bittersüßen Melodien an roughen Vocals. So kommt es zu aufeinanderprallenden, brachialen Stimmungskontrasten, die den permanenten Zweifel begleiten – womit der Erstling seinen Namen wahrlich verdient hat. Musikalisch nicht unbedingt unbekannte Gefilde, aber mit einer eigenen Note versehen, sodass „Zweifel“ auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig wird.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu SPERLING