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SPILLSBURY - Auf zum Atem

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Artist SPILLSBURY
Title Auf zum Atem
Homepage SPILLSBURY
Label RABOISEN RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.7/10 (15 Bewertungen)

Ein Experiment: Ich werde versuchen, diese Rezi genauso rauszurotzen wie das Duo Meißner/ Asche seinen neuesten Longplayer. 10 Stücke, 32 Minuten, in Ton gegossene Verzweiflung. Die letzten Monate können nicht besonders gut gelaufen sein für SPILLSBURY, ansonsten wäre man kaum an dem Punkt angelangt, sein ganz persönliches „schwarzes Album“ zu kreieren. Der Vorgänger mit dem simplen Titel „2“ erfuhr teils heftige, teils unberechtigte Kritik und meistens beides gleichzeitig. Statt endgültiger Durchbruch die Rückkehr in den Underground. Die Frische des Debüts habe gefehlt, zu kopflastig, zu wenig Speed und Punk. Das hat man sich ohrenscheinlich zu Herzen genommen und ballert das Gros der neuen Kompositionen hingebungsvoll flott durch die Lautsprecher. Dazu Zoes hektisch-atemloser Gesang und fertig ist die Electro Punk Revolution. Ok, so einfach ist es dann doch wieder nicht. Wir schreiben 2008 und in diesem Genre wurde schon so ziemlich alles gesagt.

Der Opener „Hubschrauber“ kritisiert den Überwachungsstaat, ansonsten widmet man sich lieber den ganz privaten Dämonen. Egal, ob man nun das Leben als „Grau“ empfindet (der einzige allein getextete Song von Frau Meißner), man am liebsten nur „Mitten in der Nacht“ auf die Strasse geht oder sich im „Sturzflug“ befindet. Viel negativer hätte man die Lyrics kaum verfassen können – Man fragt sich wirklich, wie junge Leute schon so sehr der Misanthropie huldigen können. „Es ist egal“ mit der zum Mitsingen einladenden Zeile „Das letzte was ich tu in meinem Leben ist sterben“ (gute Beobachtung übrigens) gehört sicher zu den Highlights der Scheibe, doch ein bittersüßer Nachgeschmack bleibt natürlich. Auffällig, dass Tobias bei den Strophen von „Bitte Bitte Bitte“ die Stimmführung übernommen hat, leider fehlt der richtig knackige Refrain dazu. „Lass mich“ oder „Sturzflug“ bügeln dieses Manko locker weg. Wortkaskaden, Stakkato Melodien, treibende Synthies und flirrende Gitarren (wahlweise Adjektive vertauschen).

Man kehrt somit musikalisch ein wenig zu den Wurzeln zurück, neben der Trostlosig- macht sich auch eine gewisse Rastlosigkeit breit. Schade aber, dass so gut wie nie Lösungsansätze angeboten werden. Man suhlt sich eher im ureigensten Weltschmerz, was diese CD auch irgendwie zum Pendant zur „Neuen Linken“ werden lässt. Doch nicht falsch verstehen: Musikalisch ist hier sehr viel sehr treibend, sehr mitreißend, sehr pogoesk. Da ist man auf die Live-Umsetzung gespannt und freut sich schlussendlich, wenn junge Leute ihre Depressionen auf diese Art und Weise kanalisieren. Dem kommerziellen Erfolg verweigert man sich bei unserer Spaßgesellschaft natürlich völlig mit so einer Einstellung. Dafür Respekt!

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