| Artist | SPIRAL DRIVE & LORD FASCINATOR |
| Title | Reise |
| Homepage | SPIRAL DRIVE & LORD FASCINATOR |
| Label | STONEFREE RECORDS |
| Leserbewertung |
Genauso einen roten Golf, wie den auf dem Cover von „Reise“ abgebildeten, hatte ich auch. Mein erstes Auto, Baujahr 1978, wurde mir leider nach ein paar Monaten auf dem Parkplatz meiner Stammdisse von ein paar randalierenden Rockern zu Schrott gefahren. Was am Montag drauf in meiner Autowerkstatt im Übrigen zu einer Standpauke des Chefs führte, die Stifte mögen sich vom Hyde Park fernhalten, in dem Laden gäbe nur Ärger. Die nächste Karre wurde auch wieder ein roter Golf, diesmal Baujahr 1980, war aber leider nicht so gut wie der erste; schauen wir doch mal, von welcher Güte der Sound ist, den SPIRAL DRIVE gemeinsam mit LORD FASCINATOR in einer fünftägigen Studiosession auf die Beine gestellt haben. Konkret waren es die Herren Raphaël Neikes (SPIRAL DRIVE) und Johnny Mackay (LORD FASCINATOR), die sich 2024 für dieses Projekt zusammengetan haben, nachdem sie bereits zuvor gemeinsame Sache gemacht haben (z.B. bei flirrenden „13th Eye“ vom 2022er SPIRAL-DRIVE-Album „Visions in Bloom“).
Freuen darf man sich auf Kraut- und Psych-Rock, der ausgerechnet in Mannheim, der Geburtsstadt des Automobils (1886 rollte hier der Benz Patent Motorwagen Nummer 1 erstmals über die Straßen), aufgenommen wurde. Die ursprüngliche Idee war, einen Soundtrack für Autofahrten zu machen, daraus entwickelte sich jedoch ein psychedelischen Roadtrip von den Straßen bis zu den Sternen, auf dem die fünf Fortbewegungsmittel Auto, Rad, Zug, Flug und Raum genutzt wurden. Wenn man bedenkt, dass in Mannheim Karl von Drais 1817 das erste Zweirad gebaut hat, konnte für es für die fünf Songs auf „Reise“ wohl auch gar keinen anderen Aufnahmeort geben – mal abgesehen davon, dass dort auch der Österreicher Raphaël Neikes lebt, während der gebürtige Australier Johnny Mackay in New York ansässig ist.
Wollte man eine Tour unternehmen, die der Laufzeit von „Reise“ entspricht, dürfte der zeitliche Rahmen 33 Minuten nicht überschreiten. Für längere Trips gibt es die Repeat-Taste und mitunter findet die Reise ja auch nur im Kopf statt und es braucht womöglich auch gar nicht mehr als eine halbe Stunde, um am gedanklichen Zielort anzukommen. Auf die Ohren gibt es bei SPIRAL DRIVE & LORD FASCINATOR einen eindrucksvollen Mix aus Kraut- und Psych-Rock, der gelegentlich auch Abstecher in Dreampop- und NDW-Gefilde unternimmt. KRAFTWERKs „Autobahn“ drängt sich dem Hörer dabei nicht nur angesichts des „Reise“-Zusammenhangs auf. Für „Flug“ konnte zudem Jan Fride Wolbrandt von KRAAN fürs Schlagzeug gewonnen werden; besser lässt sich der Brückenschlag zwischen Seventies-Krautrock und zeitgenössischer Psychedelik vermutlich gar nicht bewältigen. Wobei auch Loren Humphrey (u.a. Live-Drummer bei FLORENCE AND THE MACHINE und TAME IMPALA) bei den übrigen vier Tracks eine gute Figur hinter der Schießbude abgibt.
Die „Reise“ begann am 19. Juni mit der Veröffentlichung der ersten Single „Auto“ und dem dazugehörigen Musikvideo, gefolgt von einem exklusiven Pre-Release-Auftritt mit LORD FASCINATOR am 21. Juni in Wien. Das Album „Reise“ erschien schließlich am 17. Juli, wobei weitere Singles Monat für Monat veröffentlicht werden, während sich das Album nach und nach enthüllt und im Oktober sein Endziel erreicht. Zuletzt rollte am 21. August der „Zug“ ein.

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