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STAKEOUT - Wes Kind ich ess, des Fahrrad ich klau

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Artist STAKEOUT
Title Wes Kind ich ess, des Fahrrad ich klau
Homepage STAKEOUT
Label FAM/ AL!VE
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„Jeder braucht den Sommerregen, was wäre ohne ihn das Leben“ Wem – wie mir – solche Zeilen deutscher Popreimkultur einen Peinlichkeitsschauer über den Rücken jagen, der sollte es vielleicht mal mit STAKEOUT aus Berlin versuchen. Seit 2001 als ÄRZTE im Praktischen Jahr in Sachen Fun-Punk-Pop-Alternative-Rock unterwegs verdanke ich ihrem aktuellen Output eine Spontanheilung von meiner Aversion gegen deutsche Texte. Dank intelligentem Nonsens durchsetzt von genialer Tiefgründigkeit wird ihre Lachtherapie in 16 Sitzungen (auf ihrem mittlerweile fünftem Album vereint) nie langweilig. Das Quartett in klassischer Rockbesetzung mit 2 Gitarren schrumpfte jäh, als ich diese Rezi schrieb, durch den Ausstieg von Gitarrist Alex P. zum Trio (Alex W. Drums, Daniel Bass/ Gesang, Thomas Gitarre/ Gesang). Hoffentlich tut dies dem eingespielten Harmonie- und Wechselgesang keinen Abbruch. Da das Attribut „Beste Band der Welt“ ja schon an die Doktorväter vergeben ist, kontert man hier mit augenzwinkernder Bescheidenheit und dem Slogan „Es gibt schlimmere Bands“ – wie wahr. Das ominös betitelte Album „Wes Kind ich ess, des Fahrrad ich klau“ stellt quasi eine Werkschau von STAKEOUT dar, etliche Titel sind schon in anderer Variante erschienen oder durch unzählige Live-Auftritte gereift.

Mit ureigener Zurückhaltung schildert der Opener „Nr.2 Hit“, wie STAKEOUT die Charts mit grenzwertigen Aktionen zu erstürmen hoffen. Anschließend gibt es reichlich Stoff zwischen Sozialkritik, krudem Nonsens und Herz-Schmerz. „Stillstaatsvertreter“ gehört in die erste Kiste. Das Leben und besonders die politische Bühne sind halt oft Realsatire – zu der man am besten pogen sollte. „König“ ist ein richtiger STAKEOUT-Klassiker und Live-Liebling, zu Recht, steht doch jeder Mal fassungslos vor der Dummheit anderer Leute. Auch hier geht’s mit Mitgröhlgarantie straight nach vorne, zwischendurch gibt es flockige Reggae-Klänge zum Verschnaufen. Nicht nur beim Bandnamen ließen sich die Jungs durch den gleichnamigen Film inspirieren auch „Otto N. schlägt zurück“ schildert in „Falling Down“-Manier wie Herr Normalverbraucher beschließt, nun mal ein paar Dinge selbst in die Hand zu nehmen – eine echte Granate mit leichtem Metal-Anflug. „Zuviel Auswahl“ übt Kritik am Überfluss, natürlich nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern nahe liegenden Beispielen (Wein, Frauen). In der Abteilung Herz-Schmerz schildert „Egal, was“ die altbekannte Geschichte eines von der Angebeteten Verschmähten – laut HP für und wegen Nicole Kidman geschrieben – aha ;-)). „Klar“ ist eine „echte“ Ballade, in der die Jungs mal ehrliche Gefühle zeigen. „Girlfriend“ gehört auch schon lange ins Repertoire und wird auf Englisch intoniert. Doch STAKEOUT haben der Welt noch anderes wichtiges zu sagen, als da wären:

Die „Ballade von der Vernichtung der westlichen Welt durch Geschirrspülmittelvergiftung“ – danke für die Warnung, das Reggae-Stückchen „Insekten haben keine Lobby (und das zu Recht)“ mit jeder Menge handgemachter Geräusche. Dem kann ich mich mit meiner Mückenstichallergie nur anschließen. Weiterhin zu den abgedrehten Sachen gehört „Die goldene Fontäne“, geschmacklos klasse wird hier über die Vorzüge des morgendlichen Mittelstrahls aufgeklärt. „Solide Morbide“ schießt jedoch im 6/8-Takt den Vogel ab: „Bei einer Messe, hab ich nen Hamster verspeist und zwar lebend, von hinten, damit er mir nicht in die Speiseröhre beißt“. Sehr einfallsreicher Klamauk mit dem man (zum Glück?) nicht auf dem Index für jugendgefährdende Schriften landet.

Spaßig-melodischer Geradeaus-Rock-Punk mit spritzigen Tempi- und Rhythmuswechseln, immer mit Selbstironie passend daneben, dabei musikalisch wie inhaltlich einfallsreich und auf Top-Niveau – da sollte man ruhig mal die Assistenzärzte an den OP-Tisch lassen. Und wer sich den Bandnamen nicht merken kann, dem sei dann abschließend der Hiddentrack ans Herz gelegt.

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