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STILLSTE STUND - Blendwerk Antikunst

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Artist STILLSTE STUND
Title Blendwerk Antikunst
Homepage STILLSTE STUND
Label ALICE IN.../ DARK DIMENSIONS
Leserbewertung
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6.0/10 (5 Bewertungen)

Das Label lobt „Blendwerk Antikunst“ als das „Meisterwerk“ von Mastermind Oliver Uckermann und seiner Sängerin Birgit Strunz, zusammen bekannt als STILLSTE STUND. Ohne Frage geht der vierte Longplayer des Electro-Romantic-Duos nach „Ein Mensch, ein Ding“, „Ursprung Paradoxon“ und „Biestblut“ recht widerstandslos ins Ohr und, bei anfälligen Personen, passagenweise auch in den Tanznerv. Der Titel „Meisterwerk“ scheint mir dennoch etwas vorschnell verliehen – weil Uckermann, nach allen Ansätzen des vorliegenden Albums zu schließen, als Songschreiber und Arrangeur über ein weitaus größeres Potential verfügt, als hier ausgeschöpft wird. Bei künftigen Veröffentlichungen wird Selbstkasteiung notwendig sein, denn fast alle Songs leiden unter einem völlig unnötigen Makel: ihrer Länge. Weniger ist meistens mehr; und diese Lieder verschießen ihr Pulver oft durch überflüssige Wiederholungen und Variationen von Themen und Rhythmen.

Das beginnt schon bei dem Opener „Untertage“. Mit wirksam-theatralischem Vibrato in der Düsterkehle bietet uns Uckermann damit einen eingängigen Clubtrack, gewürzt mit subtilem, szene- und gesellschaftskritischem Text („Leider ist nicht alles tief, was schwarz ist“ – diese Erkenntnis sollte sich wirklich verbreiten), musikalisch niedlich-nostalgisch im 90er-EBM-Stil. Doch ein richtiger Schluss scheint Uckermann hier nicht eingefallen zu sein, „Untertage“ plätschert irgendwie uninspiriert aus. Beim zweiten Stück, „Apocalyptic Noon“, einem der drei englischsprachigen Tracks, darf dann Strunz ans Mikro. Die Atmosphäre wird sphärischer, die Songstruktur anspruchsvoller. Beim Ende bietet sich das gleiche Bild: Ein intelligenter Song, aber unsinnig in die Länge gezerrt. Schön gespenstisch walzt danach „Alice II (nie allein mit dir)“ daher, erinnert stark an GOETHES ERBEN. Das Stück demonstriert eindrucksvoll die Vielseitigkeit von STILLSTE STUND und ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass Electro und klassischer Gothic sich musikalisch (und personell sowieso) schon lange nicht mehr als feindliche Lager gegenüberstehen müssen. Klaut die Peace-Zeichen eurer Großeltern und taucht sie in Patchouli! Track 4, „Kein Mittel gegen dieses Gift“, sorgt dann wieder für eine handfeste Electro-Anbindung des Albums und, dank des gelegentlich auftauchenden, infernalischen Fiepens bei ausreichender Lautstärke für einen soliden Tinnitus. Bei „Darksomely“, an fünfter Stelle, wird es wieder englisch. MESH lässt grüßen. Trotzdem ein eher schwacher, wenig nachdrücklicher Song, wie auch das eher meditative „Anake“, Stück 6. Gut als Einschlafbegleitmusik geeignet. Eine ganz andere Preisklasse findet sich auf Platz 7: „Die Teufelsbuhle“ tut zunächst harmlos, macht aber süchtig. Musikalisch äußerst abwechslungsreich, keine Sekunde langweilig, hypnotisch im Refrain. Das ist einer der Höhepunkte von „Blendwerk Antikunst“ und das einzige Stück auf dem Album, das nicht zu lang ist. „Secludia X“ ist weitgehend instrumental, lediglich mit einem gewisperten Intro. Ganz gewiss ist das ein Stück für Gourmets. Leider bin ich keiner. Und auch für die Verdauung der kontrastierenden Hektik von „Obsessed with purple“ auf der 9 fehlt mir ein entscheidendes Enzym – Tanzflächenfreunde und „Living dolls“ werden dieses Stück allerdings lieben. Wesentlich lieber ist mir „Geistunter (Psychoclonehardcorechrist)“, Track 10, wegen seines gnadenlos rockenden, aggressiven Tonfalls – das Stück gehört von Rechts wegen in jede gut sortierte DJ-Liste. Nachdem Song 10 also Lust auf mehr gemacht hat, steht auf der 11 das namensgebende Stück „Blendwerk Antikunst“. Hier hat man sich leider übernommen. Der poppige, großangelegte Refrain leistet sich einen fürchterlich zusammengezwungenen Reim, der auch noch betont wird: „Komm, sieh mir in die Augen/ Wie konnten sie nur alles rauben“. Und was soll dieses pseudo-akustische Electro-Bongo-Solo im hinteren Teil? Die Buschtrommeln schlagen klar und deutlich: weitere Kommentare sind hier überflüssig.

Mit „Lass uns der Regen sein“ geht „Blendwerk Antikunst“ LACRIMOSA-esk zu Ende und weckt insgesamt zumindest einige Hoffnung auf die kommenden Veröffentlichungen von STILLSTE STUND.

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