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SUBWAY TO SALLY - Live (2-DVD)

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Artist SUBWAY TO SALLY
Title Live (2-DVD)
Homepage SUBWAY TO SALLY
Label MOTOR MUSIC/ UNIVERSAL
Leserbewertung
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9.0/10 (2 Bewertungen)

Jede halbwegs bekannte Band sieht sich heutzutage genötigt, ihre Fans auch visuell zu befriedigen. Nicht immer mag das berechtigt sein, wer aber so eine Erfolgsstory wie SUBWAY TO SALLY hinter sich hat, besitzt definitiv das nötige Material und Charisma. Wenn schon, denn schon, dachten sich die Potsdamer und machten gleich eine feine Doppel-DVD daraus, die keine Wünsche offen lässt.

Auf DVD 1 das Kernstück der Veröffentlichung: Ein Konzert der erfolgreichen Engelskrieger-Tour (wir berichteten aus Herford), aufgenommen am 11.4.2003 in der Columbiahalle Berlin vor einem fanatischen Heimpublikum. 120 Minuten STS pur, mit dynamischer Kameraarbeit und natürlich in 5.1 Surround Sound. Die Setlist (s.u.) war logischerweise mit der in Herford fast identisch, mit Betonung der Songs vom aktuellen Album. Eric klingt nahezu perfekt, wie ich auch persönlich feststellen durfte, wenngleich es hier und da ein paar Overdubs zu geben scheint, was ja üblich ist. Leider sind Bild und Ton manchmal auch ziemlich asynchron, eigentlich unerklärlich. Neben der enormen Spielfreude fällt auch die gut gelungene Symbiose der im Vergleich zu früher deutlich härteren Gitarren und Frau Schmitts Violine aus. Im Grunde eine Metal Show aber dennoch nicht mit konventionellen Bands dieser Sparte zu vergleichen, dafür sorgen einfach schon die Geschichte der Band sowie die vielen gefühlvollen Balladen. Fish lässt es sich jedenfalls nicht nehmen, über die Köpfe der begeisterten Fans zu gleiten und so noch intensiver mit ihnen Kontakt aufzunehmen (oder war es jemand anders?). Egal ob Klassiker wie „Henkersbraut“, „Ohne Liebe“ und „Falscher Heiland“ oder neue Stampfer wie „Knochenschiff“ zum Besten gegeben wurden, das Auditorium hatte eine passende Antwort (Feuerzeuge, Tanzbewegungen, Partner-an-sich-kuscheln…). Das ganze übrigens im Vollbild-Format 1.33:1

Die zweite DVD bietet noch einmal knapp 2 Stunden Innen- und Außenansichten der Band, insgesamt sehr unterhaltsam. Aber der Reihe nach: „History“ beleuchtet die Anfänge der Band, wie man sich in den 80ern kennen lernte und dann mit einem uralten VW-Bus durch die Lande tingelte. Manchmal trat man nur vor einer Hand voll Zuschauer auf, was allerdings anderen Kapellen auch schon zuteil wurde. Jedenfalls erklärt sich daraus, die noch heute bestehende Tour-Besessenheit des Septetts. „Making of Engelskrieger“ konzentriert sich auf die Entstehung des letzten Albums, welches doch eine kleine Kurskorrektur hin zu metallischeren Strukturen vornahm. Ein wichtiger Grund hierfür waren die weltpolitischen Geschehnisse 2001/ 2002 sowie eine leichte Abkehr von den Mittelaltertexten. Wie sagt es die Band doch selbst am besten? Man kann nicht über Selbstzerstörung schreiben und dazu dann ein Kinderlied komponieren. Der Aufnahme ging ein Aufenthalt auf einem Bauernhof im Wendland voraus, wo man die Kräfte vorab bündelte und den ländlichen Charme (?!) genoss. Danach reiste man nach Dänemark, um mit dem neuen Produzenten „Ralph Quick“ das Material auf das digitale Speichermedium zu bannen. Ralph wird von allen Bandmitgliedern sehr gelobt, seine Detailversessenheit, sein Hang zur Perfektion und vor allem die Betonung des glasklaren Gitarrensounds bedeuteten einen großen Fortschritt für STS. Daneben gab es auch das erste mal einen Vocal Coach für Eric, zufällig Quicks Freundin, die dafür sorgte, dass der charismatische Sänger seine Live-Energie endlich auch vollständig auf CD umsetzen konnte.
„Making of Columbiahalle“ beschreibt Konzeption und Durchführung des Konzerts von DVD 1, wobei besonders betont wird, dass die Kameras keinerlei Behinderung der Bühnenfreiheit bedeuteten. Ein sehr netter Menüpunkt ist „Open Air“, hier werden Aufnahmen vom „With Full Force“ und dem „Wacken Open Air“ gezeigt, wo die Band vor einem Metal Publikum abräumen konnte. Zwischen erheiternd und unterhaltsam sind die Aussagen einiger Fans angesiedelt, die STS natürlich kollektiv abfeiern. Auch 4 Videoclips aus unterschiedlichen Epochen wurden mit auf den Silberling gepackt: Von „Where is Lucky“ (noch in Englisch ohne Fish als Sänger mit Heimvideo-Charme!) bis zum aktuellen „Unsterblich“ erfährt man so auch etwas über die Entwicklung der Potsdamer. Für einen Cineasten wie mich ist natürlich die größte Überraschung das Auftauchen von Kultregisseur Jess Franco am Ende des Clips von „Grabrede“, zumindest bin ich mir ziemlich sicher, dass er das ist. Schließlich erklärt Gitarrist Ingo Hampf unter „Songwriting“ anhand des Stücks „Die Rose im Wasser“ wie eine STS-Komposition typischerweise entsteht, das hört sich dann eher nach Systematik denn spontanem „Jammen“ an.

So, das war es dann auch und ein ganzer Nachmittag verging wie im Flug, wo ich selbst noch nicht einmal der eingefleischteste Anhänger von SUBWAY TO SALLY bin. Im Kopf entsteht das Bild einer Formation, die ehrgeizig und zielgerichtet vorgeht, aber dennoch nicht den Kontakt zu den Fans verloren hat und jedes Konzert immer noch als stimulierenden Akt begreift!

Tracklist DVD 1:
[1] Geist des Kriegers
[2] Unsterblich
[3] Knochenschiff
[4] Mephisto
[5] Die Schlacht
[6] 2000 Meilen unterm Meer
[7] Narben
[8] Minne
[9] Kleine Schwester
[10] Kleid aus Rosen
[11] Henkersbraut
[12] Das Opfer
[13] Wolfstraum
[14] Herrin des Feuers
[15] Liebeszauber
[16] Ohne Liebe
[17] Falscher Heiland
[18] Veitstanz
[19] Kruzifix
[20] Wenn Engel hassen
[21] Abendland
[22] Julia und die Räuber
[23] Arche

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