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SUICIDAL ROMANCE - A Kiss to resist

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Artist SUICIDAL ROMANCE
Title A Kiss to resist
Homepage SUICIDAL ROMANCE
Label INFACTED RECORDINGS
Leserbewertung
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5.4/10 (8 Bewertungen)

Die Esten sind ein nettes Volk. Weltoffen, gastfreundlich, hübsche Frauen. Sehr hübsche Frauen. Und eine kleine aber feine Gothic Szene in der Hauptstadt Tallinn, wie ich selber vor Ort feststellen durfte. Natürlich kopiert man diesbezüglich ein wenig den Westen, insbesondere was Optik und Gestus angeht. Dass man aber auch musikalisch durchaus plagiatorisch tätig werden kann, beweisen SUICIDAL ROMANCE, die nach ihrem 2007er Debüt „Love Beyond Reach“ nun ein neues Release vorlegen. Die EP „A Kiss to resist“ bietet immerhin 13 Titel, darunter 5 Non-Alben Tracks, der Rest sind Remixe oder spezielle Versionen/ Edits.

Ich muss gestehen, ich bin schon ein wenig fassungslos, wie schamlos hier bei BLUTENGEL abgekupfert wird. Selbst Chris Pohl ist nun in meinen Augen kein Synonym für Innovation, dennoch geht er seit Jahren geschickt und professionell zu Werke, dafür kann man ihm Respekt zollen. Im fernen Estland scheint er jedenfalls ordentlich Gehör zu finden, denn der flotte Selbstmord-Dreier hat das Vorbild bis ins letzte Detail studiert und ausgeweidet. Dass da nicht allzu viel Gutes bei rauskommen kann, versteht sich von selbst: Recycling funktioniert eben nun mal nicht endlos, irgendwann bleibt ein großer Haufen nichts. Wir hätten da einen gothisch-nachdenklichen Herren und 2 zugegebenermaßen ansehnliche Gruft-Emanzen, die bei ordentlich Nebel und etwaiger Kurzsichtigkeit auf Festival glatt als die Originale durchgehen könnten. Das Album Artwork in schönster Rosette mit der dazugehörigen Pseudo-Laszivität lässt möglicherweise 13 Jährigen THE RASMUS-Fans noch einen erotischen Schauer über den Rücken laufen. Die Stimmen (weiblich wie männlich) imitieren ihre Zwillingsbrüder bzw. Schwestern im Geiste bis ins Detail. Egal ob pseudo-böse geraunzt oder lieblich geflötet wird. Die Texte sind an Einfachheit kaum zu überbieten, bedienen aber dafür jedes Patchouli-Klischee. Mal abgesehen von der poppig-biederen Cover Version des ERASURE Klassikers „Always“. Dazu gibt es Gruftie Schlager von der Stange, von tanzbar im Midtempo bollernd bis hin zu tief dramatisch. Wer hört sich so was allen Ernstes in der Heimanlage an? Im Club kann man dazu ja wenigstens noch all die schwarzen Schönheiten antanzen, wenn diese ihre Wochenendphantasien ausleben. Bei den Remixern finden sich immerhin einige namhafte Gestalten wie SYRIAN, AESTHETIC PERFECTION oder MASSIVE IN MENSCH. Nicht zu vergessen die Landsmänner FORGOTTEN SUNRISE, die mir mit ihrem avantgardistischen Sound in der Vergangenheit schon sehr positiv aufgefallen sind. Viel zu retten ist bei diversen Bearbeitungen von „Our Game“ und „Lose Your Fears“ dann aber auch nicht mehr. Zum Abschluss folgte noch das vom Longplayer bekannte „Call me“ als Akustik-Teil.

Die Vorzüge von „A Kiss to resist“ sind hingegen an einer Hand abzuzählen. Infacted haben nun eine eigene BLUTENGEL-Variante im Stall, die Lauflänge ist für eine EP vorbildlich und SUICIDAL ROMANCE sorgen inmitten der russisch-estnischen Spannungen für ein völkerverbindendes Projekt. Mastermind Ivanov stammt nämlich offensichtlich aus dem großen östlichen Nachbarland, wie fast die Hälfte aller Einwohner Tallinns. Blassrosa Gruselschund zum Abgewöhnen, der im Grunde genommen eine ganze Szene diskreditiert.

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