Band Filter

SUIDAKRA - Crogàcht

VN:F [1.9.22_1171]
Artist SUIDAKRA
Title Crogàcht
Homepage SUIDAKRA
Label WACKEN RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.0/10 (7 Bewertungen)

Ei, ei! Inbrünstige Begeisterungsrufe und seelisches Schlachtgezeter – Da muss sich der kosmomusikalisch rezipierende Metalhead aber ganz schön warm anziehen! Der „Fruror Teutonicus“ ist zurück. Unter neuem Namen, mit einer geballten Ladung mächtigster, erbarmungslosester und beherzt-klangmäßiger keltisch-metallischer Schwertschwingerei! Auf seinem silbrig-schwarz gefärbten Panzer lesen wir den Namen SUIDAKRA, bereit den römischen Imperialismus (der in diesem Fall als historische Symbolisierung für das Mainstream-Etablissement herhalten muss) des Schwermetalls zu überfallen – mit frisch geschmiedeten, glühend heißen Waffen der besonderen Art… Das, was SUIDAKRA da auf ihrem neuen, festlich-heidnisch anmutenden Longplayer förmlich zelebrieren, ist Spaß, pure Heiterkeit und verblüffende Ode an die Freude. Beim Hören fühlt man sich gewissermaßen daran erinnert, wie es damals war, dem ENSIFERUM-Debüt (nach einschlägiger Meinung der heidnischen Gefolgschaft als eines der besten Folk-Metal-Alben überhaupt deklariert – zu Recht) das allererste Mal zu lauschen, ja es zu inkorporieren, es zu einer im Hirn verankerten Körperschaft werden zu lassen. Es lief einem eiskalt über den Rücken und der Tränen konnte man sich an vielerlei Stellen kaum erwehren. Man fühlte sich direkt in diese der urbanisierten Zivilisation doch so fremde mystische Vergangenheit hineinkatapultiert: Wie man sich klammheimlich emotional entblößt und nackt fühlte, so fühlte man sich irgendwie auch in Bezug auf den Pathos der der Album inhärenten Thematik. Die Musik fühlte sich großartig und bewegend an. Und genauso – oder so ähnlich – ist auch „Crògacht“ von SUIDAKRA.

Man hört an der ein oder anderen Stelle sicherlich den kompositorischen Klimax und auch noch andere Einflüsse der oben erwähnten ENSIFERUM heraus, aber welche Band aus dem Pagan- und Folk-Metal-Bereich ist nicht von diesem finnischen Biest inspiriert? Von diesem Standpunkt aus betrachet, erweist sich demnach eine vergleichende Überstellung als nahezu überflüssig; also lassen wir das. Konzentrieren wir uns vielmehr auf die Aufzählung der gekonnt miteinander verknüpften Elemente. SUIDAKRA bleiben auch auf „Crogacht“ dem Klanggewand treu, für das sie bekannt sind. Statt konformistisch zu agieren und sich irgendwelchen oberflächlichen Trends anzupassen, bleiben sie linientreu und ziehen konsequent ihr eigenes Ding durch. So erwartet uns auch dieses Mal eine Mischung aus schnellem Melodic Death Metal, keltischer Folksmusik und noch weiteren folkloristischen Elementen. Es finden sich ständige – manchmal harte, manchmal weiche – Schnitte zwischen groß gespannten Melodiebögen, ins Schwarze treffenden Bangerriffs und ergreifenden Blastaggressionen. Insgesamt wirkt nicht die kleinste Kleinigkeit falsch platziert oder unnötig. Die Songs bleiben hängen und entfalten hymnischen Mitgröhl- und Ohrwurmcharakter bereits nach kürzester Zeit, als Beispiel seien „Isle Of Skye“ oder „Scàthach“ angeführt. Im Gegensatz zum Vorgänger von 2006 mit dem Namen „Caledonia“ konzentriert sich die Band nicht mehr länger auf langatmige, möglichst weit verzweigte Songstrukturen, sondern verlagert den Schwerpunkt auf das Minimum und Wesentliche, ohne dabei minimalistisch zu sein. Das Material ist gediegener, stabiler und brennbarer. Eine alle Hüllen von sich abstreifende, pulverisierende Explosion dürfte selbst beim Ungläubigen live bei der Überzeugungskraft dieser Bombe entstehen, denn sie ist eine Tretmine: einmal drauf getreten und schon geht die Post ab! Sowohl die Integration althergebrachter Instrumente wie die eines Dudelsacks (wieder einmal gespielt von Axel Römer) oder eines Banjos, als auch ein sechszehn Mann starker Chor und der Zusatz von epischen Orchestrierungen verleihen der Scheibe einen nicht unbedingt einzigartigen, aber nichtsdestotrotz würzig-herben und kernigen Charakter. Geschossen und gekämpft, was das Zeug hält wird bei „Conlaoch“, „Shattering Swords“, „Guilded Oars“ und „Baile’s Strand“. Gnadenlos. Da muss sich der werte Konzertgänger wirklich allen Ernstes überlegen, ob er nicht Schwert, Schild, Pfeil und Bogen zu Hause lässt, weil er dadurch zu sehr Band und Publikum gefährden könnte; es könnte nämlich sein, dass er im psychologischen Flow (voller Selbstvergessenheit und Trunkenheit) wild um sich schlägt und wahllos Pfeile gen Bühne hinauf schießt. Vorsicht ist geboten!

Aber… bei dem himmlisch schönen, balladesken und glasklaren Frauengesang auf „Feasts Of War“ dürfte der mit allen Wassern gewaschene „Kopfschüttelkrieger“ wieder zur Ruhe kommen und sich ein Nickerchen inmitten der Schlachtreihen genehmigen, um von den sagenumwobenen Tagen der alten Kelten zu träumen…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

SUIDAKRA - Weitere Rezensionen

Mehr zu SUIDAKRA