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SULPHUR AEON - Gateway To The Antisphere

Artist SULPHUR AEON
Title Gateway To The Antisphere
Homepage SULPHUR AEON
Label IMPERIUM PRODUCTIONS
Leserbewertung

Schon das Demo „Sulphur Psalms“(2010) und die Single „Deep Deep Down they Sleep“(2012) liessen mehr als nur erahnen, dass mit SULPHUR AEON eine absolute Überfliegertruppe in Sachen blasphemischer Death Metal aus den dunkelsten Schlünden der Unterwelt emporgekommen war. Diesen Eindruck übertraf man mit dem in allen Belangen die volle Punktzahl verdienenden Debut „Swallowed by the Ocean´s Tide“(2013), mit welchem man sogleich komplett in einer eigenen Liga spielte und sich keinesfalls vor ähnlich agierenden Meistern wie MORBID ANGEL, BEHEMOTH oder NILE verstecken musste. Zudem entzieht man sich mit absoluter Gelassenheit der normalen Metal-Maschinerie und flankierte den Release nur mit einer handvoll ausgesuchter Konzerte, was auch in Zukunft so bleiben wird. Man könnte sicherlich an jedem Blumentopf zocken bei der vorhandenen Qualität, tut man aber ganz bewusst nicht.

Ebenso bleibt man seinem Label Imperium Productions weiterhin treu (seit dem Demo), obwohl man sicherlich bei wesentlich größeren Labels unterschreiben könnte. Tut man aber nicht. Die beiden Bandgründer T.(guitars/bass) und M.(vocals) sowie Drummer D. wissen ganz genau, was sie wollen und dazu gehört es sicherlich nicht, die Band um jeden Preis größer zu machen. Hut ab! Das trägt nur weiter zur Einzigartigkeit (und positiven Eigensinnigkeit) dieser Ausnahmecombo bei, hier greift jedes Detail ins Andere. Und das bei dem vorliegenden Zweitwerk noch perfektionierter als beim Debut. Angefangen beim äußerst stimmigen Artwork (Hammer-Gatefold Doppel-Vinyl, yeah!) und den reichhaltigen, individuellen Bookletillustrationen, den Texten, bis hin zu den detaillierten Songs. Das bedrohliche, mit Flüstertext und Meeresrauschen beginnende, sehr dunkle Intro „…to Drown this World“ führt 2 Minuten lang perfekt in die Scheibe ein. Klingt zuerst wie ein düster-atmosphärischer Soundscape aus „Krieg der Welten“, steigert sich dann mit doomig-walzender Instrumentierung und beschwörenden Gesängen, bevor er wieder seichter mit Meeresrauschen ausklingt und direkt in den Opener „Devotion to the Cosmic Chaos“ übergeht. Der startet mit diesen, der Band eigenen, unglaublich-melodisch-atmosphärischen Klampfen und recht langsam, ballert dann aber im Blastspeed los, als gäb´s kein Morgen. Neben aller irren Raserei und blackmetallischem Geriffe läuft aber immer das melodische Begleitriff mit, bevor im Mittelteil mächtig gewalzt wird. Sehr schnelle, meist treibende Granate mit mörderischem Walzengroove und höchst Abwechslungsreich. Was auch für den extrem tief-derben Gesang von M. gilt, der aber immer mal wieder mit Schreien oder Backings variiert wird. Das alles kann man eigentlich nicht geiler Basteln in diesem Genre! Noch geiler werden die extrem Gänsehaut-melodischen Klampfen im folgenden Klopper „Titans“, der in der Mitte erneut mit einem extrem walzenden BOLT THROWER-Part glänzt, bevor atmosphärisch runtergebremst wird, nur um dann nochmal mit blackigen Klampfen nach vorne zu preschen. Höllisch. Das Geschwindigkeitstechnisch genaue Gegenteil folgt mit dem Übersong „Calls from Below“, der wie eine doomige Planierraupe über einen hinwegrollt, was ein mörderischer GROOVE! In der Mitte wird mal eben ein bischen gerast, bevor man ihn langsam ausrollen lässt. Erneut mit fiesem BOLT THROWER-Gewalze ausgestattet ist „Abysshex“, welches dann in MORBID ANGEL-Gerase wechselt…und wieder zurück. Freilich hören sich die 3 Herren hier nicht nach den obigen Bands an, man hat selbige lediglich im Hinterkopf als Anhaltspunkt. SULPHUR AEON schrauben schon ihren ganz eigenen Sound zusammen! Und das mit einer technischen Brillianz, die sich hinter z.B.MORBID ANGEL null verstecken muß. Der Titeltrack „Diluvial Ascension-Gateway to the Antisphere“ lässt´s zu Beginn auch erstmal böse-gemächlicher angehen, blastet Euch dann vom Hocker (mit begleitenden blackigen Atmo-Klampfen!) und ist überhaupt der Wahn in Tüten! Vor allem der fast schon KATATONIA-mäßige Melodik-Part im letzten Drittel sitzt im Ohr, das hat T.irgendwie im Blut.

Geht gleich so gänsehautig weiter mit dem ein wenig PARADISE LOST-artig beginnenden „He is the Gate“, das dann aber losrappelt wie sonstwas. Neben aller gebotenen Raserei und Brutalität wird aber eben nie der melodische Aspekt außer Acht gelassen und jederzeit für Abwechsung gesorgt. Gerne auch mal mit Soundscapes. Wie zu Beginn vom mit schräg-schwarzen Klampfen eingeleiteten „Seventy Steps“, welches erneut tonnenschwer walzend alles niedermacht. Auch hier baut man aber wieder vollkommen passig einen Prügelpart ein, geht in treibenden Death Metal über und brilliert mit dissonant klingenden Riffs sowie beschwörend-choralen backings. Famos. Famos knüppelt dann „Onwards…towards Kadath!“ vom Leder und es ist ein weiteres Mal mehr als erstaunlich, wo T.all diese Riffs herzaubert! Der Mann schreibt schliesslich alle Songs alleine und spielt im Studio sämtliche Saiteninstrumente ein, noch dazu in dieser enormen Bandbreite und Qualität! Der melancholische Mittelpart erinnert ein wenig an DISBELIEF, geht aber umgehend in Walzengroove über, bevor´s wieder abgeht. Ein recht straighter Song insgesamt. Nochmal KATATONIA klingen zu Beginn von „Into the Courts of Azathoth“ an, bevor man aber auch nur ansatzweise denkt, hier einen Schnarcher vorgesetzt zu bekommen, wird losgebügelt. Mit dem knapp über zweiminütigen Outrosong „Conclusion…“ wird man instrumental-melodisch-atmosphärisch (sehr schön:die Weltall/Alien-artigen, bösen Windgeräusche am Ende)aus der Scheibe geleitet und geplättet zurückgelassen.

Dieses Opus Magnum gleicht einem schwarzen Loch und entwickelt eine Anziehungskraft wie selbige, man kann sich dem einfach nicht enziehen. Der Sound ist im Vergleich zum Debut etwas klarer, aufgeräumter und zum Glück nicht auf perfekt gebügelt. Extrem Metal-Werk des Jahres? Aber sowas von! Wichtigste und brillianteste “neue” Combo in dem Sektor (auch international!)? Keine Widerrede! Gänzlich Neues machen natürlich auch SULPHUR AEON nicht, aber sie kreieren ihren ganz eigenen Sound und das ist gerade bei der grassierenden Okkult-/ Retro(auch im Death Metal!)-/ Pop-und Kirmes-Metal-Kacke mehr als beachtenswert. Ich hoffe, dass uns von dieser begandeten Band noch etliche solche Meisterwerke ins Haus stehen und sie dabei ihren Weg unbeirrt fortsetzen. Kaufen? Was ´ne Frage…

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