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SUN OF THE SLEEPLESS/ NACHTMAHR - Split CD

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Artist SUN OF THE SLEEPLESS/ NACHTMAHR
Title Split CD
Homepage SUN OF THE SLEEPLESS/ NACHTMAHR
Label LUPUS LOUNGE
Leserbewertung
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Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, ehe sich die Mächte des Bösen auch die elegische Elektronik unterwerfen und sich ihre Kräfte zu eigen machen würden. Die Ankündigung verschiedener Projekte, in denen das Archaisch-Alchemistische des Black Metal durch die Beimischung von futuristischen Spurenelementen aufgepeppt und stärker gemacht werden sollte, ließ einen gespannt warten, wer denn nun als erster mit einem fertigen Album auf den Plan treten würde und wie sich das Resultat anhören möge. Jetzt, wo diese 6 + 3 Tracks erschienen sind (die zum Teil Bearbeitungen alter Songs darstellen), besteht endlich Gewissheit. Die Antwort auf den ersten Teil der Frage: SUN OF THE SLEEPLESS (aus Osnabrück) UND NACHTMAHR, bei beiden mischt ein gewisser Herr Schwadorf – Ex-EMPYRIUM – mit. Die Lösung des zweiten Rätsels: Faszinierend.

Auf „A Wolf in Sheep’s Skin clad“, dem Opener und mit drei Minuten kürzesten Stück, nähern sich SOTS der Angelegenheit noch eher verhalten und im üblichen Rahmen: Die tief wallenden Nebel düsterer Synthesizerflächen dienen lediglich als Kulisse, hinter der sich die Finsternis aufplustert, nur um aus diesem Schutz unversehens hervorzuspringen und den in Sicherheit gewiegten Hörer in einen spontanen Zustand traumatischen Schocks zu versetzen. Nach der selben Logik funktionieren bekanntlich die Intros vieler Grind- und Death Metal Scheiben und man kann dies auch als eine Art symbolischen Akt verstehen, als ein Zeichen, das einem signalisiert, das die physische Realität nun ausgeschaltet wird und etwas neues beginnt. „Romanze zur Nacht“ ist düsterer melodischer Black, dessen spannungsgeladene Strophen sich in einem melancholisch-harmonischen Refrain entladen, doch bereits beim BURZUM-Cover „Dunkelheit“ treten unter den schwer schlagenden Flügeln der Gitarren und des monoton stampfenden Schlagzeugs zarte Keyboardtupfer zu Tage. Ab dem himmlischen Instrumental „Neunter November“ stehen Keyboards und traditionelles Instrumentarium dann gleichberechtigt nebeneinander, treiben Beats aus dem Rechner Kompositionen vorwärts, in denen elegische Atmosphären unter der Wucht grober Saitengewalt zersplittern, sich Berge aus Klang aus dem Nichts entwickeln und wieder zu Staub zerfallen. „Ohne Winter kein Sommer“ spricht eine kraftlose Stimme, ehe ihre Formanten in das Kalt-Klirrende einer Maschine umschlagen und das gravitätisch-hymnische dieser scheinbar ziellosen, eher depressiven denn deprimierten Trauermärsche gemahnt immer wieder an THE CURE: Ein Weitermachen, ohne Weiterwollen, eine ganz große Geste, doch ohne Gefühle. Als sei einem das Herz eingeschlafen. NACHTMAHR beenden diese nihilistische Rundreise mit drei namenlosen und etwas konventionelleren Tracks.

Nein, gute Laune macht diese Split wahrhaftig nicht, und dennoch hebt es einen heraus aus einem trüben Tränenmeer in hoch entlegene Regionen, deren spröde Schönheit man höchstens erahnen konnte. Da wird einem bewusst, dass man ganz lange auf so etwas gewartet hat und dass diese Ehe aus Krassheit und Künstlichkeit keine der Gegensätze ist, sondern eine, in welcher die Partner die ausgetrockneten Rinnsale des Anderen aufzufüllen vermögen. Die neue Frage, die sich hieraus natürlich ergibt: Wann folgt eine Fortsetzung?

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