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SUN TEMPLE CIRCUS - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist SUN TEMPLE CIRCUS
Title s/t
Homepage SUN TEMPLE CIRCUS
Label TRIBAL STOMP RECORDS/ CARGO RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.7/10 (3 Bewertungen)

Zeitgeist, du hast jetzt mal Pause. Jetzt ist Zeit für ausufernde Sitar-Improvisationen, psychedelische Gitarren, für hypnotische Rhythmen und träumerischen Gesang, für Songmonster, die sich einen Dreck um Aktualität oder Trends scheren. Hinter SUN TEMPLE CIRCUS stecken federführend die altgedienten Psychedelic- und Krautrock-Recken Harry Payuta und Tom Redecker, die beide bereits in Redeckers ELECTRIC-FAMILY-Projekt miteinander arbeiteten, sich aber eine Weile aus den Augen verloren hatten, um im letzten Jahr spontan wieder für einige Live-Auftritte zusammen zu kommen. Sie holten noch ein paar Freunde aus dem ELECTRIC-FAMILY-Kosmos dazu (Jochen Schoberth von ARTWORK oder Marlon Klein von den DISSIDENTEN) und machten sich daran, Klassiker aus dem eigenen Repertoire beim Jammen neu zu interpretieren.

Und so beginnt dieses Psychedelic-Fest mit „Out Of India“ von Payutas jüngstem Album, auf dem der Sitarspezialist seine Stärken ausspielen kann: Eingefasst von schwebenden Keyboards, wabernden Electrosounds und allerlei akustischer Perkussion geht seine Sitar die perfekte Allianz mit Redeckers Gitarre ein, bis nicht mehr zu unterscheiden ist, welcher Saitenmeister gerade am Drücker ist. Ist auch nicht wichtig: Was zählt, ist die gemeinsame Reise. Das ist auch bei „Lighthouse“ von Redeckers PERC-Album „Worldlooker“ nicht anders. Dieser Song ist zwar schon allein durch Redeckers Kraut-Vocals und das Rockschlagzeug viel weiter in der westlichen Musiktradition angesiedelt, wirkt aber trotzdem herrlich hypnotisch.

Auf Seite 2 geht es mit „Et moi, et moi, et moi“ weiter, einem Song des französischen Popstrategen Jacques Dutronc. Hier fließt eine punkige Unterströmung in den Jam, die eine ganz eigenwillige Mesalliance mit den Krautrock-Improvisationen eingeht, die zwischen den rhythmischen Textzeilen liegen. Und Improvisation ist dann wieder der Schwerpunkt von „Sun Madness“, das ein wenig von dem düsteren Drive mitbringt, die Redeckers Alben mit seinem früheren Projekt THE PERC MEETS THE HIDDEN GENTLEMAN prägten.

„Sun Temple Circus“ ist eine Platte geworden, die tatsächlich das Vinylformat braucht, in dem sie auch erscheint: den analogen Zwang zum Zuhören ohne Weiterzappen, denn ihre Wirkung entfaltet sie tatsächlich nur, wenn man ihr die Zeit lässt, sich über eine ganze Plattenseite auszubreiten. Und wenn man sich darauf einlässt, ist die Sogwirkung enorm – ein gelungener Beweis dafür, dass es eben wirklich Platten gibt, die beim Hören genauso viel Intensität und Begeisterung entfachen können, wie die Akteure klar erkennbar beim Einspielen hatten: live und ohne Filter.

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