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SUNRISE AVENUE - Popgasm

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Artist SUNRISE AVENUE
Title Popgasm
Homepage SUNRISE AVENUE
Label EMI
Leserbewertung
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8.0/10 (30 Bewertungen)

Lange haben ihre Fans auf das zweite Album gewartet. Die finnischen Überflieger SUNRISE AVENUE haben sich aber auch wirklich Zeit gelassen. Ihr Debüt „On the Way to Wonderland“ erreichte sogar Platinstaus. Einfach ist es sicher für keine Band, mit der nächsten Scheibe an solch einen Erfolg anzuknüpfen. Als Vorbote schickten SUNRISE AVENUE zunächst mal die Single „The Whole Story“ ins Rennen, die noch keinen richtigen Aufschluss geben konnte.

Ihr zweites Werk trägt nun den kreativen Namen „Popgasm“. Samu Haber selbst verspricht „80% Rock – 70% Pop“. Heißt soviel wie – das Album bietet mehr als nur 100%. Ob das stimmt bzw. überhaupt stimmen kann? Hören wir es uns doch mal genauer an. Vierzehn Tracks insgesamt. Den Anfang macht „Dream like a Child“. Eine weiche, sehr melodische Pop-Komposition, in der vielleicht die Gitarren etwas zu kurz kommen. Als Opener nicht besonders gut geeignet, auch wenn der Song selbst sehr angenehm im Ohr bleibt. Weiter geht es mit der bereits erwähnten ersten Auskopplung. Der Song startet sehr ruhig, Samu Habers Stimme klingt beachtlich gut. Hebt man beim ersten Hören vielleicht kurz die Augenbrauen und fragt sich, wo der Rock geblieben ist, wird man im Refrain sofort mitgerissen. Typisch für SUNRISE AVENUE-Refrains ist die Melodie fein abgestimmt und fügt sich ohne Stolpern an die Strophe an. Ein wirklich gelungener Titel, die Popelemente sind deutlich zu hören und dennoch wirkt das Stück nicht zu weich gespült. Bei Track Drei geht die Sonne auf, zumindest dem Namen nach. „Rising Sun“ macht diesem aber auch musikalisch alle Ehre. Wieder startet man recht langsam und bedenklich, der Aufbau gleicht tatsächlich in gewisser Weise einem Sonnenaufgang. Der große Renner ist das Lied allerdings nicht, da hat das Album einiges mehr zu bieten. Bevor es härter wird, steht noch die Ballade „Welcome to my life“ auf dem Programm. Vielleicht ein literarisches „auf die Couch legen“ von Herrn Haber? Der Text scheint ihm direkt aus der Seele zu sprechen. Vom Keyboard gespielte Geigen untermalen die sanfte Melodie, die gestützt von dumpfen Drums und sanften E-Gitarrenelementen eine in sich stimmige Komposition formen. Schön klingt auch die Stimme von Riku Rajamaa, dem neuen Gitarristen im Background, die sich perfekt mit der von Haber arrangiert. Etwas düsterer kommt „Not again“ anschließend um die Ecke. Hier findet sich dann der Anhaltspunkt für die versprochenen „80 Prozent Rock“. Eben ein sehr schöner Pop-Rock Song mit interessanten E-Gitarrenriffs. An sechster Stelle wartet „Bad“. Keine herausragende Leistung. Aber es kann nicht alles jedermanns Geschmack treffen. Das Lied wirkt irgendwie unfertig. Textlich auch nicht sonderlich kreativ gereimt, ist dies hier mein ganz persönliches Schlusslicht. „Monk Bay“ ähnelt „Welcome to my life“, wenn auch in einer etwas kräftigeren Variante. Auch textlich interessant, wer sich gerne mit Interpretationen befasst, findet sicher Gefallen an der verwendeten „Lyrik“. Wer es bis hierher geschafft hat, den erwartet an achter Stelle „Bye, Bye (one night kind)“ und ab hier wird es wirklich spannend. Der Song erzählt von einem Mädchen, das nicht sofort mit jedem Typen mitgeht, um sich zu „amüsieren“. Einschlagender Refrain, der sofort ins Ohr geht und garantiert dort immer wieder seine Runden dreht. In der Strophe haben sich die Jungs mal etwas Neues einfallen lassen. Haber verzichtet auf reinen Gesang und widmet sich eher einem „melodischen Sprechen“. Klingt gut und macht ganz einfach Spaß. Produzent Jukka Backlund ließ es sich nicht nehmen, einige nette Effekte einzubauen, die dem Track die gewisse Würze mit auf den Weg geben. „Kiss ’n’ run“, ebenfalls sehr poppig, überzeugt genau wie seine Vorgänger durch den Refrain. Positiv aus der Art geschlagen ist „6-0“. Von Gitarren keine Spur – nur Orchester. Auch hier ein schöner Refrain. Wer allerdings lieber die Rockschiene fährt, dem wird es hier bestimmt schnell langweilig. Kommen wir zu meinem absoluten Favoriten. „Birds and Bees“. Zum Text brauche ich nicht viel sagen, es dreht sich nämlich tatsächlich nur um „Bienchen und Blümchen“. Herr Haber erlaubt sich, die Strophe wieder eher zu sprechen, der Refrain reißt aber vom Hocker. Da haben sie scheinbar auch den Rest vom versprochenen Rock versteckt. Schöne Drumfills verstärkt durch quietschende E-Gitarren und als Sahnehäubchen ein paar Trompeten. Der Titel schlägt einfach aus der Art, aber ich habe definitiv einen Narren daran gefressen. „Sail away with me“ ist mir etwas zu traurig. Nett gemacht, aber auch kein Überflieger. „My girl is mine“ stellt wieder eine gelungene Mischung aus Pop und Rock dar. Irgendwie erinnert es mich ein wenig an die BLOODHOUND GANG, zumindest manche Effekte. Sorgt für Abwechslung. Zum Abschluss noch mal eine Schnulze. „Something Sweet“ erinnert an „Heal me“ vom letzten Album und rundet den „Popgasm“ ordentlich ab.

Als Fazit lässt sich sagen: SUNRISE AVENUE konnten auf jeden Fall ihr Level halten, betrachtet man den vorherigen Output. Die Band hat sich auch ein Stück weiterentwickelt und viel Neues ausprobiert. Mut zum anders sein gezeigt und ein gutes, rundes Endprodukt abgeliefert. Pop/ Rock-Fans werden die Scheibe schnell in ihr Herz schließen. Negativ aufgefallen ist mir allerdings, dass das Album bei mehrmaligem Hören eine nicht allzu hohe Haltbarkeit aufweist. Will sagen, der eine oder andere Part langweilt. Vieles ähnelt sich, was den eingefleischten „Nicht-Fan“ schnell zum Gähnen bringen wird. Für sich gesehen sind die Kompositionen allerdings immer hörbar und könnten sicher auch wieder hohe Chartplatzierungen erreichen.

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