Band Filter

SUPERHEAVY - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist SUPERHEAVY
Title s/t
Homepage SUPERHEAVY
Label A&M/ UNIVERSAL
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
6.3/10 (4 Bewertungen)

Über dieses Projekt wurde schon reichlich viel geschrieben, bevor vor einigen Wochen mit „Miracle Worker“ die erste Single erschien, aber das ist wohl auch unvermeidlich, wenn sich Größen wie Mick Jagger, Dave Stewart, Damian Marley, A.R. Rahman und Joss Stone zu einer Band zusammenfinden. Wobei vielleicht erst einmal abzuwarten sein wird, ob es sich nicht eher um ein Projekt handelt, das sich für einen netten Jam ins Studio begibt, statt um eine Band, die langfristig etwas bewegen will. Aber das soll auch erst mal egal sein: Hören wir doch einfach mal, was sich auf diesem ersten Album so tut.

„Miracle Worker“ machte vorab schon einmal klar, dass Reggae eine Rolle spielen würde – kein Wunder natürlich, mit Damian Marley an Bord, mal davon abgesehen, dass Dave Stewart die Idee zum Projekt wohl auch in seinem Haus auf Jamaika kam. Aber der Grundgedanke, den Stewart bei der Gründung von SUPERHEAVY verfolgte, war in erster Linie die Verquickung ganz verschiedener musikalischer Backgrounds. Und so bringt Marley zwar den Reggae-Touch mit ein, aber die beiden ersten Songs auf diesem Album, „Superheavy“ und „Unbelievable“ lassen A.R. Rahman viel stärker zum Zug kommen, der in seiner indischen Heimat vor allem durch seine Soundtracks zu vielen Hindi-Filmen bekannt geworden ist. Mick Jagger und Joss Stone bringen den Rock’n’Roll mit, und Stewart kümmert sich um die Verquickung des Ganzen. Und während dem Wörtchen „Supergroup“ ja ein leicht schaler Beigeschmack anhaftet – von wegen große Erwartungen, große Kohle und eher geringes Innovationspotential – ist das, was es hier zu hören gibt, tatsächlich überraschend erfreulich ausgefallen.

Die Stärke dieser Platte liegt dabei nicht beim Songwriting – die Titel sind allesamt sehr ordentlich, wie bei der Besetzung auch nicht anders zu erwarten, aber kompositorisch keine Überflieger. Es ist tatsächlich die Umsetzung, das Aufeinanderprallen der amerikanisch geprägten Rockkultur, indischer Musik und jamaikanischem Reggae, aus der sich die Spannung ergibt – mal davon abgesehen, dass es wirklich so klingt, als sei den Herrschaften erfrischend wurscht, was andere von ihnen halten, solange sie mit anderen Kreativen hier zusammen etwas ausprobieren können. Will heißen: „SuperHeavy“ klingt erstaunlich frisch für eine Platte alter Säcke, zu denen man ja zumindest Jagger, Stewart und Rahman rechnen muss. Und das ist nicht allein dem kraftvollen, großartigen Gesang von Joss Stone zu verdanken, der bestens mit dem typisch zickigen, nöligen Stil Mick Jaggers harmoniert, wenngleich ihre Stimme sicherlich für einen Großteil der Höhepunkte auf dieser Platte sorgt.

Besonders knackig sind dabei jene Songs, bei denen Marley als MC und Rhythmusgeber zum Zug kommt, und am gelungensten vermischen sich die verschiedenen Einflüsse bei „Satyameva Jayathe“, bei dem orientalische Gesangsmuster auf Geige, Rockgitarren, Marleys Sprechgesang und die Rockröhren von Stone und Jagger treffen und die Basis bei aller Exotik dann doch ein deutlich konventionelles Rockmuster ist. So gründlich gelingt der Mix nicht immer; bei den meisten Songs dominiert dann doch eine der Richtungen, und die anderen steuern ein paar exotische Tupfer bei. „Never Gonna Change“ hätte beispielsweise auch auf einem STONES-Album der frühen Jahre drauf sein können, sieht man mal von dem eher gefälligen Klavierarrangement ab, aber Jagger nimmt sich insgesamt mehr zurück, als man im Vorfeld hätte befürchten können (das ist auch gut so, denn bei einigen Songs wie „One Day One Night“ nervt sein überzogener, gequetschter Gesang doch ziemlich). Schön ist dafür zu hören, wie ihn Joss Stone bei „Energy“ fordert: Sie steigt mit soviel Power und Emotion in den Titel ein, dass Jagger sich ordentlich strecken muss, um mithalten zu können.

Und so präsentiert sich das Kräfteverhältnis der versammelten Giganten insgesamt recht ausgewogen, und auf den zwölf Tracks gibt es für Musikfans, die nicht auf ein Genre festgelegt sind und offene Ohren haben, allerlei zu entdecken. Mal ganz davon abgesehen, dass der lockere Groove von Songs wie „Beautiful People“ vielleicht zumindest akustisch noch ein bisschen den Sommer verlängert. Schönes Ding.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu SUPERHEAVY