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SUPERNICHTS - Fixpunkte & Bojen

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Artist SUPERNICHTS
Title Fixpunkte & Bojen
Homepage SUPERNICHTS
Label IMPACT
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Muss ich eine Band ernst nehmen, deren Mitglieder Ende 30 sind und sich Achim Arschloch (Schlagzeug), Frank Franksen (Gitarre), Harry Krishner (Gesang) und Jim Pansen (Bass) nennen? Ich glaube nicht, schon gar nicht, wenn die Herrschaften Punk machen, der sich mit den Skurrilitäten des Alltags beschäftigt. Vermutlich nehmen SUPERNICHTS, die seit 1993 aktiv sind, sich selbst auch gar nicht so ernst – zumindest hoffe ich das.

„Fixpunkte & Bojen“ ist die achte Veröffentlichung der Kölner, die 18 neue Songs an den Start bringt, welche mit wenigen Akkorden auskommen und textlich z.B. aufarbeitet, dass man sich besser nicht mit Toyota-Fahrern anfreundet oder die USA kein ideales Reiseland sind. In knappen 40 Minuten handelt das Quartett so ziemlich jedes gesellschaftliches Problem ab. In „Müde Durst Revolution“ ist dies fehlendes Geld für Bier, zu viel Zeit dominiert „Zwischen Kiel und Falsterbro“. In Anspielung auf das Berliner Hip Hop Label Aggro Berlin (u.a. ist SIDO dort unter Vertrag) beschreibt „Aggro Ehrenfeld“ die neue Gangstergeneration, die SPD wählt, Abitur hat und DEPECHE MODE hört. „Fett, faul, chronisch unschuldig“ klingt nach einer Aufforderung, nicht immer zu jammern, sondern den Arsch hochzubekommen. Was passieren kann, wenn der Tag so richtig mies läuft, besingen SUPERNICHTS in „Cäsar plant das 2. Quartal“ und was in der Jungen Union tatsächlich abgeht, ist seit „If The Kids Are United“ kein Geheimnis mehr. Nach der Generation Golf kommt jetzt die „Generation Pissflitsche“. Ich muss gestehen, bislang war mir dieser wohl im Ruhrgebiet angesiedelte Begriff nicht geläufig, aber jetzt weiß ich, dass sich dahinter nichts nett gemeintes verbirgt. Zu ihrem Bankberater haben SUPERNICHTS wohl auch kein gutes Verhältnis, deute ich den Text von „Kapitalismus nein danke“ richtig. Dann wollen wir mal hoffen, dass der Wunsch „Ich will nicht so enden wie die ganzen RAMONES“ für die Kapelle in Erfüllung geht. So was ähnliches wie Melancholie kommt bei „Sechs Leben“ und „Keine Hochzeit ohne Braut“ auf, dann erklären die Jungs in „Die Drei-Phasen-Theorie“ kurz und knapp die verschiedenen Ebenen einer Liebesbeziehung. Ein bisschen Achtziger-Feeling kommt bei „Für immer und ewig Vorstadtgirl“ auf, während „Abitur 2004“ offenbart, dass man doch irgendwann zu alt für manche(s) ist. Solange die SUPERNICHTS beim Bier lästern können, brauchen sie wohl auch keine andere Freizeitbeschäftigung, auf jeden Fall sprechen sie sich in „Freizeit Freizeit Kill Kill“ vehement dagegen aus. Die finale Abrechnung erfolgt dann mit „Le Mittelfinger“, dem endgültigen Scheißegal-Song.

Nicht alles, was SUPERNICHTS von sich geben, ist gänzlich ohne Verstand, das kann man nun wirklich nicht behaupten, aber irgendwie wehren sie sich ganz entschieden dagegen, erwachsen zu werden. Es scheint, dass sie umso aufsässiger werden, je mehr sich alte Freunde, Kollegen und Altersgenossen in ein behütetes familiäres Umfeld zurückziehen. Das Ergebnis ist Punkrock zwischen BLACK FLAG und BLÄCK FÖÖÖSS, Pogozone und Kuschelecke, Handschütteln und Arschlecken. Ich kann die Jungs ja verstehen, hätte mir aber ein bisschen mehr musikalische Abwechslung gewünscht.

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