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SUPERSTRINGS - Sound of Slow

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Artist SUPERSTRINGS
Title Sound of Slow
Homepage SUPERSTRINGS
Label MAN HIGH
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Carolin Heiss und Marc-Sidney Müller schreiben Songs für die Augen. Genauer gesagt befasst sich das Münchner Duo vor allem mit Soundtracks für Kinofilme und TV-Produktionen, ein Umstand, der sich auch auf ihre Musik für ihr Bandprojekt SUPERSTRINGS auswirkt. Ihr zweites Album „Sound of Slow“ lässt Bilder vor dem geistigen Auge entstehen, bewirkt Stimmungswechsel und macht – nebenbei gehört – den Alltag ein ganzes Stück weit dramatischer. Dabei halten sich ihre Songs trotz aller Ambitionen eher im Hintergrund auf und preschen nur an manchen Stellen nach vorne. Etwas mehr Sexappeal hätte der physischen Präsenz von „Sound of Slow“ gutgetan. Auf den ersten Blick wirkt das Artwork der Platte wie ein nerdiges Jazz- oder Klassikprojekt, das sich vor allem in den Köpfen von Kennern abspielen soll. Ein bisschen ist es das auch, denn hier sind zweifellos Perfektionisten am Werk, die sich am Sound anderer, wegweisender Perfektionisten orientieren: Mit „Greater“ zeichnet die Band das düster-erhabene Frühwerk von GOLDFRAPP nach, „Bonjour Mon Amour“ verbindet DE-PHAZZs jazzigen Trip Hop mit PORTISHEADS späteren elektronischen Exkursen in die Welt des Krautrock und mit „Where Are We Going Today“ folgen die beiden der sanft-melancholischen Wärme von MASSIVE ATTACKs „Teardrop“, bevor sich der Song krachend aufbäumt und als psychedelisch rockendes ARCHIVE-Stück verglüht. Bei allem Eklektizismus sind SUPERSTRINGS Songs zu jeder Zeit stark genug, sich von den jeweiligen Einflüssen zu lösen und zumindest andere Abzweigungen zu nehmen. Ecken und Kanten gibt es vor allem in Form von Geräuschen und durch das selbstvergessene Ausschreiten der Musiker. Mit „Duet“ lässt sich die Band beispielsweise tief auf den Meeresboden sinken und lauscht minutenlang verzerrten Walgesängen, vertrackten Beats und psychedelischen Halleffekten.

Der fehlende optische Wow-Effekt des Albumcovers wird mit der Onlinepräsenz von SUPERSTRINGS nachgeholt. Videos und Homepage lassen ein weiteres Mal erkennen, wie wichtig das Zusammenspiel von Musik und Bild für das Projekt ist. Alles ist hochästhetisch gestaltet und fügt sich nahtlos zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk zusammen. Wenn eine Platte wie „Sound of Slow“ gleich zwei Livetracks beinhaltet, kann das durchaus zu einer Mogelpackung werden – zumal die Trackliste mit acht Stücken recht kurz geraten ist. In diesem Falle sind beide Stücke als absolute Bereicherung zu betrachten, denn die Liveversion von „Who’s Gonna Save My Soul“ erweitert den Song um zwei bis drei zusätzliche Dimensionen und schießt den Hörer gegen Ende des Albums endgültig in andere, wabernde Sphären. Und auch das abschließende Cover von KATE BUSHs „Running Up That Hill“ ergibt absolut Sinn, wenngleich die Erwartungen an dieser Stelle eine Spur zu sehr erfüllt werden. Und das ist auch das einzige Manko dieser ansonsten wunderschönen, atmosphärischen Platte: Sie setzt zu sehr auf Wohlklang und hüllt den Hörer permanent in eine plüschig warme Decke aus elektronisch-jazzigen Sounds. Heiss und Müller dürften die Grenzen des Universums gerne noch etwas mehr ausloten und ihre Stücke mit unbekannten, extraterrestrischen Tönen auskleiden. So bleibt es eine eher kleine, wenn auch sehr geschmackvoll inszenierte Runde durch unser Sonnensystem.

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