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SUPERSTRINGS - Speechballoon

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Artist SUPERSTRINGS
Title Speechballoon
Homepage SUPERSTRINGS
Label NO LIMITS/ EDEL
Leserbewertung
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6.9/10 (17 Bewertungen)

Als Rezensent versucht man ja immer eine perfekte Einleitung für das vorliegende CD-Exemplar zu finden. Selten hatte ich eine derart große Auswahl wie bei den SUPERSTRINGS. Gerne möchte ich euch von den filigranen, säuselnden Streichern und dem virtuosen Gitarrenspiel berichten, das den Bandnamen akustische Wirklichkeit werden lässt. Dass dieser aber eher vom Bestreben, einen Lehrstuhl in Physik in Princeton zu bekommen, herrührt, sei hier mal nur am Rande erwähnt. Carolin Heiss und Marc-Sidney Muller besitzen viele Talente, nicht nur physikalische. Sie machen herausragenden Lo-Fi-Pop, welchen man schon auf diversen Soundtracks (u.a. „Olgas Sommer“, „Polly Blue Eyes“, „Hypochonder“) wieder finden konnte. Um die Brücke zu ihrer filmischen Arbeit zu schlagen, haben sie nicht nur Schauspielerin Jasmin Tabatabai als Gastsängerin gewinnen können, sondern können gleichsam ihre Liebe und die Entstehung der Band auf diese Tätigkeit zurückführen. Es gibt wirklich viel zu erzählen über die SUPERSTRINGS – drum will ich euch auch keinesfalls vorenthalten, dass Christoph Fleps (u.a. PLACEBO, TIMO MAAS) an der Entstehung und HM Buffs (u.a. PRINCE, MACEO PARKER, NO DOUBT) feines Gehör an der finalen Abmischung des Albums beteiligt waren. Da verwundert es kaum, dass sich die Formation bereits seit einiger Zeit ganz hoch in der Zuhörerkunst der Musikplattform Garageband.com befindet.

Auch mich konnten sie mit ihrer harmonischen, fließenden Musik überzeugen, die mir manch nachdenkliche Stunde auf der heimischen Couch ungemein erleichtert hat. Carolin Heiss’ feine Stimme wandelt sich von „mädchenhaft zögerlich“ bis hin zu BJÖRKesker Stimmlage, nur um wenig später TORI AMOS ins Gehörgedächtnis zu rufen. Dabei behält sie es sich stets vor, die einzige Gesangsstimme für den perfekt produzierten Downbeatpop zu sein. Dieser erinnert manchmal an ZERO 7, klingt dann nach PORTISHEAD und lässt auch GOLDFRAPP im Gehör widerhallen. Diese Musik zergeht im Ohr wie feinstes Pralinés auf der Zunge, bewegt sich rhythmisch schwebend in sich selbst wie Tai Chi und überträgt dabei zärtliche Emotionen verpackt in einem Dutzend Arrangements. Um dies zu erreichen, verlassen sich die SUPERSTRINGS nicht nur auf Carolins relaxt fließende Stimme oder die sphärischen elektronischen Klänge – nein, es ist eine oftmals jazzige Gitarre, die den zweiten „Gesangspart“ übernimmt und gemeinsam mit den Drums immer wieder eine magnetisch anziehende Liaison eingeht. Dieses sinnliche Vergnügen erreicht seinen Höhepunkt auf „Down“, einem achtminütigen akustischen Emotionsreigen. Ein sanfter, geschwungener Saitenrhythmus legt sich unter Carolins weiches Organ, was dem Liebesduett zusätzliche Tiefe vermittelt. Ein tiefer Ozean von Emotionen entlädt den Gesang in einen stetigen Fluss von sphärischen Klängen. Bei diesem Werk braucht man sich seiner Tränen nicht schämen…

Das Münchner Paar legt mit „Speechballoon“ ein Album vor, welches eindrucksvoll beweist, dass diese Band für deutlich mehr taugt, als nur einzelne Soundtracktitel beizusteuern. Eine leuchtende Perle, die man am liebsten in der eigenen kleinen Schatzschatulle den ganzen Tag mit sich tragen möchte. Wer bereits das akustische Vergnügen mit oben genannten Bands hatte, wird von den SUPERSTRINGS nicht mehr genug bekommen können. Wie singt Carolin Heiss so schön: „I am the lord of all my sins…“ – stimmt so nicht ganz, denn mit „Speechballoon“ ist sie jetzt auch Herr über meine Sinne.

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