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TANZWUT - Weiße Nächte

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Artist TANZWUT
Title Weiße Nächte
Homepage TANZWUT
Label TEUFEL RECORDS/ SOULFOOD
Leserbewertung
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7.6/10 (12 Bewertungen)

Nach längerer Pause melden TANZWUT sich zurück – mit neuer Besetzung, aber nicht mit neuem Sound. Von der Truppe, die Tanzwut anno 1999 ins Leben rief, ist nur noch Sänger Teufel an Bord, der aber seine neuen Mitstreiter offenbar stur danach ausgesucht hat, ob sie am althergebrachten Mix aus Mittelalter und Metal mit einem Hauch Elektro festhalten wollen. Warum auch nicht – Dudelsack-Härte hat schließlich immer noch Konjunktur, wenngleich frühere Vorreiter dieses Genres wie IN EXTREMO inzwischen zunehmend andere Wege gehen. TANZWUT hingegen bedienen auf „Weiße Nächte“ noch sauber alle klassischen Klischees, die mit dem Mittelaltermetal einhergehen.

Also gibt es auf „Weiße Nächte“ reichlich Texte über Spielmänner, Königinnen, Pestweiber und Teufel, und es wird geliebt, getanzt, gesoffen und gestorben, so wie man sich das Mittelalter eben vorstellt. Wobei man sich angesichts von Zeilen wie „Weiße Nächte, komm schenk mir ein, weiße Nächte im goldenen Schein, weiße Nächte und schöne Frau’n“ schon fragt, ob es hier einen Unterschied zum guten alten deutschen Schlager gäbe, wenn sich Teufel nicht so martialisch anhören und gebärden würde. Und wenn TANZWUT sich musikalisch nicht wie gehabt reichlich bei RAMMSTEIN und MARILYN MANSON bedienten, natürlich. Dazu wird schön laut gedudelt, und die obligatorische Adaption eines Volkslieds in einer fremden Sprache – hier „La filha dau ladre“ – darf auch nicht fehlen.

Keine Frage: „Weiße Nächte“ rockt, zumal die Melodien mitreißend und insgesamt sehr ordentlich sind und mehr als einer der Songs echte Ohrwurmqualitäten hat. Aber hatten wir das alles nicht schon mal? Einmal, zweimal, viele Male? Von TANZWUT selbst, aber auch vom Dutzend anderer Spielmannstruppen, die durch deutsche Lande ziehen? Irgendeine neue, frische Idee hätte hier nicht geschadet. So wird das Album natürlich keinen Mittelalter-Fan vergrätzen – Songs wie „Folge deinem Herzen“ oder „Du bist nicht Gott“ sind enorm einprägsam und werden sich live garantiert bewähren, mit „Bei dir“ ist eine schöne, einfühlsame Ballade dabei, „Rückgratreißer“ bedient die härtere Fraktion und „Königin der Nacht“ verschmilzt harte Strophen mit einem packenden Refrain. TANZWUT haben solide Arbeit abgeliefert – aber nichts, was über wohlvertrautes Mittelmaß hinausgeht. Eine Nummer-Sicher-Platte eben.

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