Band Filter

TECH-9 - Nine Lives

VN:F [1.9.22_1171]
Artist TECH-9
Title Nine Lives
Homepage TECH-9
Label I SCREAM RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Nach dem für mich ganz persönlich – und mit großer Sicherheit für viele Alternativmusikgourmets – Migräne und Dauerblähungen verursachenden Konsum eines holländischen Produkts (nein, kein Marihuana, liebe Leut’!) mit Namen RAZORBLADE fühle ich mich derzeit schon etwas gesundeter und erquickter… Grund für die Genesung: „Nine Lives“ von TECH-9, einem niederländischen Urgestein, das schon sein 25-jähriges Jubiläum hinter sich hat. Der hier zelebrierte Punk ist zwar auch nicht gerade vielschichtiger (aber sollte Punkrock das überhaupt sein? Wohl eher nicht.) oder anarchoindividualistischer im Sinne von Max Stirner, aber hier pogt die Katze wenigstens im Sack und der Löwe brüllt auch ganz gut durch die Haustür!

Die legeren und munter performten Songs sind simpel, schmucklos, ohne Zierde und ungekünstelt direkt am Loshüpfen. Man sitzt einfach vor der Anlage, schunkelt ein bisschen mit und genießt antiaggressive und frohgemute Zwei-Akkorde-Musik, welche nicht mehr sein will, als sie in ihrem Kern ist. Hin und wieder wird die Prozedur zwar durch kleinere lieb gemeinte Dilettantensoli und nicht weiter durchkomponierte Melodien aufgebrochen, aber im Großen und Ganzen ist das hier nur ein weiterer Beleg für die Effektivität der alten Schule. So muss Punk klingen! Und nicht anders! Natürlich hört sich solch ein Urteil kollektivistisch und diktatorisch an, Maßregelungen bei in und an und für sich autonomer Musik zu unternehmen, aber wohin hätte der Punk den in der Vergangenheit denn gehen sollen? Sollten Punkgitarristen versuchen Steve Vai, John Petrucci oder Zack Wylde nachzueifern oder sich avantgardistisches Zeug auf die Fahne zu schreiben? Bloß nicht! Schreckliche Vorstellung, trotz Crossover-Thrash-Geschichten und New School Hardcore. Gerade die Schlichtheit wurde ja seinerzeit dafür benutzt die Ärmlichkeit der Musizierenden zu symbolisieren. Richtige Instrumente konnte sich damals so oder so kaum einer leisten und die Notwendigkeit dafür sah man auch nicht. In Holland wird das sicherlich anders als in Amerika oder England zugegangen sein, aber die reichste Bonzenanhäufung war definitiv keine Punkband zu ihren Kinderschuhzeiten – in keinem „Staat“. Antimaterialismus, Fuck-Off-Attitüde und eine Taktlosigkeit in Bezug auf das Milieu der eingebildeten (im wahrsten Sinne des Wortes) Reichen, Schönen und (Ein-)Gebildeten ist für diese Musik nach wie vor bezeichnendes Hauptkriterium.

Egal, welches Stück man nimmt, ob den Eröffnungsschlag ‚To Live Is To Die‘ oder irgendeinen anderen Track auf der Platte – alle teilen sie dieselbe haudegenhafte Schnörkel- und Anspruchslosigkeit. Abgerundet wird dann das Release noch durch Coverversionen von unter anderem GENERATION X, RAMONES und den SEX PISTOLS, allesamt gelungen. Vielleicht ist das ja schlussendlich der große Unterschied zu den eingangs erwähnten Landskollegen/ Landeiern: TECH-9 sind Punker, RAZORBLADE Skinheads. Der fundamentale Unterschied ist meist der, dass den heutigen Punks die grobschlächtige, stolz auf ihr Ungebildetsein proletenhafte Art abhanden geht – im krassen Gegensatz zur Glatzenschar. Genau das wird’s wohl sein.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu TECH-9