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TEMPLES - Sun Structures

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Artist TEMPLES
Title Sun Structures
Homepage TEMPLES
Label HEAVENLY RECORDINGS/ PIAS
Leserbewertung
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Was für ein Debüt. Vor zwei Jahren erst entstanden TEMPLES aus dem Heimstudio-Projekt von Sänger James Edward Bagshaw und Bassmann Thomas Edison Warmley, und jetzt ist mit „Sun Structures“ ein Album draußen, das so gereift und vollkommen klingt, als könnten die Briten schon auf eine wesentlich längere Bandgeschichte zurückblicken. Vor allem haben sie bei der Produktion genau den richtigen Sound getroffen, warm und beinahe analog, der ihre aufwändig konstruierten Songs ideal in Szene setzt.

Vielleicht ist es zwangsläufig, dass sie sich dafür stilistisch an einer Zeit orientieren, in der Melodien noch aus mehr als drei Noten bestehen durften und Rhythmus nicht allein nach seiner Tanzbarkeit beurteilt wurde. TEMPLES nehmen die Melodieverliebtheit der Britpop-Jahre und filtern sie durch die stilistische Vielfalt der Sechziger, um topaktuell im Hier und Jetzt zu landen: Das muss man ihnen erst mal nachmachen. Sie nutzen KULA SHAKER und THE VERVE als Trittsteine, um am anderen Ufer der großen Pop-Rock-Wasserscheide in England’s green and pleasant land mit SYD BARRETT und DUSTY SPRINGFIELD ein psychedelisches Picknick zu veranstalten. Und gerade das macht „Sun Structures“ große Qualität aus: TEMPLES nehmen die eher verkopfte Psychedelik und unterfüttern sie mit der Dramatik und dem Gefühl der Pop-Diven jener Zeit. Das dafür wohl schönste Beispiel, „The Golden Throne“ punktet zudem mit einer Melodie, die mit verschwenderisch vielen unerwarteten Wendungen ausgestattet wurde und herrlich mit den Erwartungen des Hörers spielt, Harmonien aufbaut, deren zwangsläufige Auflösung man zu erahnen glaubt und die dann doch eine ganz andere Richtung nehmen.

Und bevor man es sich versieht, hat man sich auch schon verführen lassen und ist TEMPLES in ein Labyrinth aus vertrackten Melodien und wabernden Klangwänden gefolgt, um sich von Hall und Echo einlullen zu lassen und dem Fool On The Hill zu folgen, der irgendwo hinter den knarzigen Fuzz-Gitarren, ironisch süßen Harfen, Retro-Orgeln und schrägen Tape-Loops seine Flöte spielt. Bagshaw ist kein überragender, aber fähiger Gitarrist und auch kein außergewöhnlicher Sänger, hat aber eine ausgesprochen mannschaftsdienliche, souveräne Stimme, die er ganz in den Dienst der Songs stellt. TEMPLES sind nicht die Band für Egotrips; sie wollen musikalische Landschaften malen. Ihre Vergangenheit als Studioprojekt ist angesichts der vielen liebevollen Soundspielereien unüberhörbar, aber auch nie Selbstzweck: Die Stars bei TEMPLES sind die Songs, und die reichen von ruppig rhythmisch wie „A Question Isn’t Answered“ bis zu verträumt melancholisch wie „Fragment’s Light“ oder sehnsuchtsvoll hypnotisch wie „Move With The Season“.

TEMPLES ist mit diesem ersten Album ein wirklich großer Wurf gelungen, der sich bei allen Reminiszenzen an vergangene Jahrzehnte nie auf den Retrofaktor beschränkt, sondern einen ganz eigenen Weg einschlägt; kein Wunder, dass sich Johnny Marr und Noel Gallagher schon als große TEMPLES-Fans geoutet haben. Wer dieses Album stilecht genießen möchte, dem sei das Vinyl-Doppelalbum im schönen Triptychon-Cover empfohlen, bei dem als einziger kleiner Makel die große Schrift auf der Rückseite verrät, dass beim Design Rücksicht auf die hässlichen kleinen Silberscheiben im Plastiksarg genommen wurde. Macht nichts: Die Musik kommt schließlich egal auf welchem Tonträger ohne Kompromisse aus.

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