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TESLA - Simplicity

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Artist TESLA
Title Simplicity
Homepage TESLA
Label FRONTIERS RECORDS
Leserbewertung
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Wer sagt, dass man für eine Reise durch die Zeit eine Maschine braucht? Erfinder und Elektriker Nikola Tesla vielleicht? Mag sein. Die Band, die sich nach ihm benannt hat, teilt diese Meinung nicht. Für das Quintett TESLA reicht dafür die eigene Musik. Nach langer Pause ist „Simplicity“ das erste gemeinsame Album der Rocker aus Sacramento. Das wurde dafür umso ungeduldiger erwartet und an allen Ecken beworben. „Simplicity“ reimt sich auf „Technology“, stellt aber so ziemlich das Gegenteil dar. Davon und von dem abgeschiedenen Anwesen Tom Zutauts, auf dem es kein Internet gäbe und das daher bestens für wochenlange Aufnahmesessions geeignet wäre, erzählte TESLAs Gitarrist Frank Hannon der Rock it! Bei der Band hat sich privat einiges getan (Sänger Jeff Keith zum Beispiel wurde Vater), mittlerweile ist die Ruhezeit aber vorbei und TESLA hat sich auf Tour begeben.

Das Album an sich ist lang, knapp über eine Stunde. Ob wirklich jede einzelne Minute davon nötig war? – Nicht zwangsweise, aber irgendwo auch schon. TESLA erzählen uns auf „Simplicity“ Geschichten von einer Zeit, die Menschen meiner Generation gar nicht mehr kennen. Der Grundton schreit danach, endlich zurück zu können in eine Ära, die einfacher, schlichter, simpler war. Früher war sicher nicht alles besser, unkomplizierter aber bestimmt. „MP3“ heißt der erste Titel, und MP3-Dateien gab es zur Gründung von TESLA vor 30 Jahren schon mal gar nicht. Der Song ist auch keineswegs eine Ode an diese Neuerfindung, eher ein wehmütiger Wunsch, die Dinger wieder loszuwerden und zurückzukehren zu Aufnahmen, bei denen die Nadel am Anfang noch gekratzt hat (achtet dazu mal genau auf das Intro). Kurz gefasst: Die Band nimmt uns mit auf eine Zeitreise (s.o.). Auf den insgesamt 15 Songs fließen musikalische Eindrücke aller Jahrzehnte ein, so ziemlich von den 60ern bis heute. Das swingt und groovt und kracht und scheppert und rockt und rauscht so an einem vorbei.

TESLA haben es tatsächlich geschafft, trotz der Länge ihres siebten Studioalbums immer wieder Überraschungen einfließen zu lassen. So freue ich mich jedes Mal, wenn ein Stück mit einem basslastigen Intro beginnt und nicht mit den üblichen Gitarrenriffs, wie zum Beispiel bei „Sympathy“. Oder wenn Jeff wieder seine Vokale in die Länge zieht, vibrieren lässt, ausleiert. Er krächzt und kräht den einen Teil nur, um dann an andere Stelle wieder klar und deutlich zu singen. Immer und immer wieder unterstützt oder echot ihn der Chor von hinten, klingt dabei sauberer als der Leadsänger selbst. Doch genau das macht TESLA aus. Was die fünf da spielen, ist unkompliziert (für den Hörer, für Instrumentalisten eventuell schon, da kenne ich mich nicht so aus…); irgendeine Melodie bleibt immer im Kopf hängen und das Ganze fördert die Kreativität. War jedenfalls bei mir so gewesen, die „Simplicity“ lauschte und dabei sofort in die eigenen Träume, Gedanken, Erinnerungen und sonstigen Kram abdriftete. Die Wehmütigkeit überträgt sich eben. Egal. Ein bisschen in sich selbst reinhorchen, hat noch niemandem geschadet.

Wovon erzählen TESLA da genau? Alles gemischt. Es sind Geschichten aus der eigenen Jungend mit wilden Partys und Alkohol („Break Of Dawn“), es sind nachdenkliche Lieder übers unglückliche Verliebtsein („Other Than Me“), es geht um den ewigen Fluss des Lebens („Life Is A River“) oder die Mühe, die Mann sich gibt um ein gutes Leben zu führen („Honestly“) – nichts Menschliches wird ausgelassen. Aber alles hat diese in warmes Licht getauchte Nachdenklichkeit, egal wie heavy die Riffs auch sein mögen. Dann fängt auch noch eine apokalyptische Zeitbombe an zu ticken („Time Bomb“), die aber, aus welchem Grund auch immer, am Ende des grandiosen Songs nicht explodiert. Wollen TESLA uns noch Zeit geben? Zum Weitermachen, nach vorne preschen? Oder zum Umkehren?

Sie selbst tragen schon allein durch das Design des neuen Albums ihren Teil zur Rückkehr zur Einfachheit ihren Teil bei. Schwarz, weiß, eckig, ohne jegliche Extras, nur das Logo und ein Schachbretthintergrund – so präsentiert sich „Simplicity“, sogar die aktuellen T-Shirts sehen so aus. Damit fällt die Scheibe trotz, oder gerade wegen ihres Minimalismus‘ ins Auge. Hannon gab übrigens des Weiteren zu, man habe auf das Zusammenbasteln von Tönen am Computer verzichtet – abgesehen von „Sympathie“. Hier gibt es einen kleinen Loop, der per Klick eingespielt wurde. Man bemüht sich also in jeder Hinsicht um Authentizität, kann diese aber nicht zu 100% halten. Nimmt TESLA aber niemand übel, denn immerhin leben die fünf genauso in unserer heutigen Zeit wie alle anderen auch. Wahre Verdrossenheit oder Wut ist das auch nicht, was da auf dem Album rüberkommt. Nur ein bisschen Nostalgie. Abschiede wie in „So Divine…“ gab es zu jeder Zeit, wird es immer geben und nostalgisch werden sie auch immer sein. Die Gitarren und der Sänger sind in diesem Song nebenbei überragend. Na, eigentlich sind es alle. „So Divine…“ fiel mir in der Tracklist besonders positiv auf.

Der 15. Song ist übrigens kein neuer, sondern noch einmal „Burnout To Fade“, nur diesmal in der sachteren Demo-Version. Dazu würde sogar schon ein Lagerfeuer passen…. das dann noch mehr Wehmut entfachen würde mit seiner romantisch-zerstörerischen Eigenschaft, den Sternen oder zerfetzten Wolkenschleiern darüber, die man kaum sieht…. man merkt, es fängt schon wieder an. Das Gefühl von „Simplicity“ geht in den Hörer über. Auch dann noch, wenn ich drüber schreibe. Lasst das Album, wenn ihr es euch anhört, auf jeden Fall bis zum Ende durchlaufen! Für den buchstäblichen „Fade-Out“ lohnt es sich.

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