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TEXAS - The Conversation

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Artist TEXAS
Title The Conversation
Label PIAS RECORDINGS
Leserbewertung
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4.0/10 (2 Bewertungen)

Och, guck mal, ne neue Best of von TEXAS… wie? Augenblick mal, stimmt ja gar nicht. Da steht ja nicht „The Collection“, sondern „The Conversation“. Ach so, dann ist das also ein neues Album von TEXAS. Okay … ähm … WAS? Ein neues Album von TEXAS? Nach acht Jahren Sendepause? Nach zwei Solo-Alben der ebenso talentierten wie hübschen Sharleen Spiteri (von denen das erste „Melody“ ja wenigstens noch ein wenig Beachtung fand, während der Nachfolger „The Movie Songbook“ weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Handel kam)?

Okay, dann wollen wir mal. Hmm, ja, klingt wie TEXAS. Solide, melodisch, rockig. Also genau das, was man von der Band erwarten darf, die 1989 mit der Hitsingle „I Don’t Want a Lover“ debütierte und jahrelang gut gemachte Musik auf CD bannte, bis sie von 1997 an mit dem Song „Say What You Want“ ein paar Jahre lang mit guten Chartnotierungen belohnt wurde – bis sich die schnell gelangweilte Käuferschaft neuen Interpreten zuzuwenden begann.
TEXAS legten eine Pause ein, die durch eine schwere Erkrankung von Bandmitglied Ally McErlaine länger als geplant ausfiel, Sharleen Spiteri legte die erwähnten Solo-Alben vor, und schließlich erwachte das Projekt TEXAS wieder zum Leben, bis Anfang des Jahres endlich ein neues Album angekündigt wurde.

Herausgekommen ist dabei eine Ansammlung von Songs, die durchaus das Etikett „Best of“ tragen könnte, denn mir ist schon lange keine CD mehr in den Player gefallen, die sich aus so vielen potenziellen Singles zusammensetzt wie „The Conversation“. Es ist zwar nichts Revolutionäres, was die Band da aufgenommen hat, dafür bleibt sie aber ihrem Stil treu und verbiegt sich nicht, nur um irgendwem zu gefallen. Was das Liedgut angeht, haben TEXAS wirklich alles richtig gemacht, aber in Sachen Marketing ist durchaus Kritik angebracht. Der Titelsong ist zwar ein Track, den man sofort dieser Band zuordnet, allerdings kommt er schon ein bisschen sperrig daher, was nach so vielen Jahren Pause wohl nicht die klügste Entscheidung gewesen sein kann. Schließlich muss doch für unser „geliebtes“ Formatradio (das private ebenso wie leider auch das öffentlich-rechtliche) alles möglichst glatt gebügelt und poliert sein, um dem Hörer möglichst leicht ins Ohr zu gehen, und genau das schafft „The Conversation“ nicht. Da hätte es schon das wesentlich windschlüpfrigere aber deswegen nicht schlechtere „Detroit City“ sein müssen, um sich wieder ins Gespräch zu bringen.

Das andere Problem ist wie oben erwähnt der Titel. Bei einem flüchtigen Blick nimmt man „The Co“ und „tion“ wahr, und im Geiste füllt man die Lücke in der Form aus, dass man „The Collection“ liest, also genau den Titel, der sich auf zigtausend Best of-Alben von genauso vielen Bands und Interpreten findet. Einmal falsch hingesehen ist der Schaden schon angerichtet. Aber das ist noch nicht alles, denn der dritte Stolperstein ist das Foto von Sharleen Spiteri auf dem Cover. Nein, nein, sie soll sich auch nicht wie BRITNEY SPEARS oder LADY GAGA oder irgendeine andere uninteressante „Künstlerin“ halbnackt auf dem Cover räkeln, aber ihr ziemlich deprimierter (und deprimierender) Dackelblick wirkt wie ein flehender Ruf im Sinne von: „Ach, kauft doch bitte diese CD. Bitte, bitte, bitte. Sonst muss ich bitterlich weinen.“ Da hat sie sich in früheren Zeiten schon sinnlicher und erotischer präsentiert, ohne tatsächlich irgendwas zu zeigen. Nur so wie jetzt … na, ich weiß nicht, ob das wirklich eine kluge Entscheidung war.

Fazit bleibt: ein musikalisch gelungenes Comeback-Album, aber denkbar schlecht betitelt und verpackt, und leider auch ohne jede Garantie, an einstige Charterfolge anknüpfen zu können…

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