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THE ACACIA STRAIN - Wormwood

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Artist THE ACACIA STRAIN
Title Wormwood
Homepage THE ACACIA STRAIN
Label PROSTHETIC
Leserbewertung
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8.8/10 (4 Bewertungen)

Über ein Jahr ist es nun her, als mich THE ACACIA STRAIN bei der Rezension zu ihrer Scheibe „Continent“ mit einem Zitat von Frontmann Vincent Bennett in eine Zwickmühle brachten, in dem er sagte: „Die Minute, in der du versuchst, es zu definieren, ist exakt der Moment, in dem es all seine tatsächliche Bedeutung verliert.“ Er bezog sich dabei auf den Versuch, die Musik der Band zu beschreiben und ließ mich somit ein wenig mit meinem Gewissen kämpfen: „Wie beschreibe ich nun die 11 Kompositionen des Albums, ohne dabei ihre Bedeutung zu zerstören?“ Ich bat am Ende des Reviews um ein wenig Bedenkzeit für diese schwerwiegende Entscheidung, doch nun habe ich die Schnauze voll davon, mein Gewissen zu zermartern: Mr. Bennett, hiermit beschreibe ich „Continent“ als gelungen. So! Jetzt ist es raus! Und wo ich schon mal dabei bin aufmüpfig zu sein, mache ich auch kein Halt vor ihrer neuen Scheibe „Wormwood“, die jetzt an der Reihe ist!

Diese Entscheidung hat dabei weniger damit zu tun, dass ich mutiger geworden bin, als vielmehr mit der Einsicht, dass THE ACACIA STRAIN auf „Wormwood“ so unfassbar schlecht gelaunt und böse klingen, dass es auf meine Ignoranz das Zitat betreffend überhaupt nicht mehr ankommt. Mit „Beast“ startet nämlich ein fast 48 Minuten langer Höllentrip für zartbesaitete Kuschelrock-Freunde. Mit verzerrtem Sprach-Intro und noch (!) tiefer gestimmteren Gitarren als auf „Continent“ walzen die Jungs aus Chicopee, Massachusetts, los und lassen nichts zurück als eine Spur der Zerstörung. Wie ernst man es dabei meint, erkennt man auch daran, dass man direkt für diesen Opener mal eben HATEBREEDs Hasskappe Jamey Jasta mit ins Boot holt, der mit ultra-röhrigem „Gesang“ den Chorus der unaufhaltsam schleppenden Komposition bereichert. Doch auch ohne derartige Unterstützung machen TAS keine Gefangenen, was das folgende „The Hills Have Eyes“ beweist. Und ähnlich wie im gleichnamigen Horror-Spektakel bekommt man es bei der Laune vom eigentlich so sympathisch erscheinendem Vincent Bennett mit der blanken Angst zu tun. „I can’t take your fucking faces. Cut one head off, two grow in its place. The laughter and self worth, walking garbage all alone on the earth“ ist längst nicht das Fieseste, was man da kund tut, wird aber genau wie alles andere auf dem Album mit absoluter Verachtung und wirklich sehr starkem Organ aus den Boxen gejagt. Das, was dabei die Vorgänger-Silberlinge schon auszeichnete, wird heuer perfektioniert: die Textpassagen, so tief geschoutet oder gegrowlt sie auch sein mögen, bleiben allergrößtenteils verständlich und schrauben sich unweigerlich ins Hirn. Hinzu kommt die Fähigkeit der Truppe, Instrumental eine entsprechende Atmosphäre zu schaffen, die auf dem „Continent“ zwar noch apokalyptischer war, nun aber bestens dazu geeignet ist, sich Herrn Bennett anzuschließen und sich ebenfalls in Wut und Hass hinein zu steigern. Bei „Terminated“ verhält sich das auch schon fast so wie bei einem Ivan Moody, der ja ebenfalls ein Meister der Gefühls- bzw. Wutausbrüche ist, jedoch aber natürlich mit seiner Band 5 FINGER DEATH PUNCH in musikalisch weniger extremen Gefilden treibt als diese Deathcore-Kapelle. Auf technischer Seite bieten TAS diesmal nicht gerade ein Feuerwerk, liefern aber dennoch groovende und treibende Passagen ab und bieten nette Stakkatos und brachiale Breaks wie im (dort mit nettem Effekt eingeleiteten) Sprengkopf namens „Ramirez“. Man konzentriert sich somit hauptsächlich auf den Aggressionsabbau oder verstörende Strukturen (man höre das mürbe machende „Tactical Nude“ am Ende der Scheibe) statt auf spielerische Feinheiten, was das Liedgut nicht sonderlich abwechslungsreich rüber kommen lässt, durch seine fesselnde Darstellung jedoch trotzdem nicht langweilt (wenn man sich darauf einlässt). Um das ganze dennoch etwas mehr Facettenreichtum zu bescheren – und geteiltes Leid in diesem Fall ja doppelte Freude bedeutet – ist der bereits erwähnte Jamey Jasta nicht der einzige Gast auf „Wormwood“. Der Groovegranate „Nightman“ leiht Bruce LePage von den 100 DEMONS phasenweise seine Stimme, während es den Knaller „Jonestown“ neben der reinen „Bennett-Version“ auch als Feature mit Kyle Chard gibt, der in seinem Part unter anderem sogar passender Weise auch den Namen seiner Band BORN LOW shouten darf.

Somit liefern THE ACACIA STRAIN mit „Wormwood“ und dessen zwölf Kompositionen ein wirklich starkes Album ab, dass sie dazu auch noch zu den wohl mies gelauntesten Bands unserer Zeit gehören lässt – zumindest was die Stimmung ihrer Songs angeht. Jene werfen zwar nicht unbedingt mit den klassischen Genre-Merkmalen wie Breakdown-Hagel oder Highspeed-Technikprotzerei um sich, konzentrieren aber typische Elemente zu hassgetränkten Deathcore-Nummern in passender Atmosphäre. Wer die Jungs vorher schon mochte, kommt an dieser Scheibe also nicht vorbei, während alle, die mit extremerer Musik etwas anfangen können ruhig mal reinhören sollten. Und ich für meinen Teil kann jetzt mit dem Versuch, „es zu definieren“, leben. Denn auch selbst wenn es jetzt der Moment ist, „in dem es all seine tatsächliche Bedeutung verliert“, dann weiß ich doch, dass Herr Bennett auf diesem Album jemand anderes noch viiiieeeel böser ist als mir.

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