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THE ACID - Liminal

VN:F [1.9.22_1171]
Artist THE ACID
Title Liminal
Homepage THE ACID
Label INFECTIOUS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (1 Bewertungen)

Die Kunst des effektvollen Weglassens: Sich als Künstler vorzunehmen, den Hörer durch Bombast, Lautstärke und Effekt umzublasen, ist ein verhältnismäßig berechenbares Unterfangen. Man muss vor allem wissen, an welcher Stelle sich der Stöpsel befindet, um den Schlauch anzudocken, der das Produkt auf die gewünschte Größe aufbläst. Und dann möge die Materialschlacht beginnen. THE ACID machen genau das Gegenteil.

Wenn sich ein erfahrener DJ, ein Professor für Musiktechnologie und ein australischer Singer/Songwriter für ein Projekt zusammentun, wird selbstredend ebenfalls kaum etwas dem Zufall überlassen. Auch die elf Stücke auf „Liminal“ wurden exakt geplant, durchdacht und vermessen. Adam Freeland, Steve Nalepa und RY X gehen mit der Ausgestaltung ihres Debütalbums allerdings dermaßen sparsam vor, dass man sich als Hörer fragt, wie ihre Musik mit so wenig Mitteln überhaupt funktioniert. Vielmehr, warum ihre Musik so gut funktioniert. Denn obwohl die Sounds auf den ersten Blick so klar und übersichtlich angeordnet sind wie das Berliner U-Bahnnetz, wird in den gut 50 Minuten eine urbane Mystik transportiert, die einen sofort aufnimmt, in einen anderen Daseinszustand versetzt und erst am Ende der Platte wieder ins normale Leben entlässt.

„Liminal“ lässt sich am besten anhand seiner Wirkungen beschreiben. Und die sind merkwürdig antagonistisch. Bereits „Animal“ macht als erstes Stück gleich deutlich, dass die Gesetze der Alltagsroutine in den folgenden Minuten komplett ausgehebelt werden sollen: Knistern, Stimme, Hall, Geräusch, Stille. Diese Komponenten versetzen den Hörer unmittelbar in einen sedativen Zustand, in dem gleichzeitig alle Sinne hochkonzentriert arbeiten. Durch das Weglassen von Überflüssigem liegt der Fokus umso mehr auf dem Vorhandenen. „Veda“ fühlt sich an wie das nächtliche Pulsieren einer Stadtautobahn, „Creeper“ ist nichts anderes als eine Reduktion aus Beat und Stimme. „Clean“ ist vielleicht das zentrale Stück auf „Liminal“: Hier werden Ambientgeräusche, Vocals und Beats miteinander zu einem rhythmischen Fluss verwoben, an dessen Ufern düstere Szenarien langsam vorbeiziehen.

Es gibt wenig Platten, die gleichermaßen so intim wie kühl klingen. Man stelle sich vor, die späten RADIOHEAD nehmen zusammen mit THE XX eine Ambientplatte auf. „Liminal“ ist ein effektvoll effektloses Spektakel von einem Album, dem es gelingt den Hörer augenblicklich aus seinem Ist-Zustand herauszuziehen, ohne ihn einzulullen. Von welcher Platte lässt sich das sonst schon behaupten?

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