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THE ARKANES - W.A.R.

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Artist THE ARKANES
Title W.A.R.
Label SPV
Leserbewertung
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7.0/10 (1 Bewertungen)

Willkommen in Großbritannien, dem Land, aus dem eine ganze Menge der größten Rockbands aller Zeiten kommen. Juckt es euch nicht auch in den Fingern, dort hinzufliegen, nur um auf ein paar richtig gute Live-Gigs zu gehen? Und was unsere Eltern in der 60ern und 70ern erleben durften – warum sollten wir heute darauf verzichten? Jedenfalls, wenn man den Bandnamen „THE ARKANES“ hört, meint man eigentlich, es mit einer lang bekannten, weltberühmten Gruppe zu tun zu haben. Weit gefehlt. THE ARKANES aus Liverpool, England sind blutjunge Newcomer (2007 gegründet), die gerade mal ihr erstes Album mit Plattenvertrag veröffentlicht haben. Dessen Titel lautet W.A.R. und der Name ist Programm, denn die ARKANES heizen ordentlich ein. Das bedeutet Krieg für all die alteingesessenen Rock-Dinosaurier.

Sie kommen aus England und das merkt man. Grauer, etwas verregneter Stil, was die Optik angeht, aber stolz den Union-Jack im Logo tragend, einfacher aber moderner, cooler Klamottenstil, echte Gefühle ebenso wie große politische Themen in den Lyrics und dann eben dieser unverkennbare Sound – THE ARKANES werden zu Recht mit Bands wie LED ZEPPELIN verglichen. Nur packen sie in die meisten ihrer Songs noch mehr Energie. Mit hundert prozentiger Sicherheit sind THE ARKANES eine aufregende Live-Band. Bei denen kommt noch echter Garagenrock-Flair auf, mit ein bisschen neuer Technik gemixt, was ihnen das gewisse moderne Etwas verleiht.

Wie zur Zeit der 60er und 70er Jahre, als der Hard Rock beliebt wurde, thematisieren THE ARKANES unseren heutigen Zeitgeist mit dem feinen Gespür der Betroffenen. Ihr Album scheint ein Konzept zu haben. Radioaktivität, Gasmasken, Schutzbrillen, Helme, alles in grau und grün und weiß und schwarz. Da herrscht Chaos, was das Booklet angeht. Keine Namen, kaum Fotos, kurze, formlose Danksagungen, nicht mal Songtitel oder Nummern, die Texte zum Teil ohne Absätze in charismatischen Großbuchstaben quer über die Seite verteilt. Anarchie. Und irgendwie auch doch wieder nicht. „W.A.R.“ ist im Grunde Jugend als Musik. Was die vier Jungs da spielen, könnte genauso gut Mainstream sein, der auf jedem Radiosender läuft wie ein alternativer Geheimtipp – genau wie Jugendliche so konform wie rebellisch sein können.

Ihre Fragen an die Welt sind groß, da geht es um Kulturpessimismus und Gewalt, nur um dann wieder in die ganz kleinen persönlichen Gedanken abzutauchen. Mal ist ein bisschen Punk dabei („Guilt Trip“), mal kommt ein Song überraschend sanft daher, ganz ähnlich wie „Sweet Child of Mine“ von GUNS N‘ ROSES („Paper Planes“), mal werden Filmscores angedeutet. „Vampyre“ erinnert stark an den MUSE-Soundtrack des Vampirstreifens „Twilight“. Sogar als fast-noch-ein-Mädchen muss ich gestehen, dass die Songs von MUSE noch mit das Beste an der gesamten Twilight-Saga waren! Solange sich THE ARKANES also darauf beschränken, was ihre Vampir-Thematik betrifft, ist alles bestens. Und obwohl die meisten Nummern auf „W.A.R.“ nur so richtig reinhauen, wenn die Amplifier voll aufgedreht sind, würde ich „Skeletons“ am liebsten nur unplugged hören. Das muss den ARKANES direkt aus der Seele gekommen sein. Und das trifft eigentlich für das gesamte Album zu. So apokalyptisch „W.A.R.“ gestylt ist, so belebend wird es für die Karriere der jungen Engländer sein.

Letztlich kommt es darauf an, was die vier selbst aus ihrem Werk machen, wie sie es und sich selbst verkaufen. Mit Konzerten, Videos („Sharpshooter“) und Downloads hatten sie bereits beachtliche Erfolge, nun müssen THE ARKANES das mit den Studioalben wiederholen. Ich bin gespannt, wie sie sich schlagen werden. Auf jeden Fall kann ich konstatieren: Allererste Sahne! Das sind wirkliche Talente, die mal frischen Wind in die alternde Rockwelt bringen. Very good and very British.

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