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THE CASSIDY SCENARIO - Withstanding Voracity

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Artist THE CASSIDY SCENARIO
Title Withstanding Voracity
Homepage THE CASSIDY SCENARIO
Label LET IT BURN RECORDS
Leserbewertung
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7.0/10 (4 Bewertungen)

Was macht man, wenn man im Laden vor einem Regal steht und sich bei der Vielzahl von unterschiedlichen Vertretern der gleichen Produktart nicht so recht für jenes gute Stück entscheiden kann, welches einen dann zur Kasse begleiten darf? Richtig, man nimmt das, bei dem die Verpackung am meisten zusagt. Gleiches kann natürlich auch für CDs gelten, getreu dem Motto: „Ist das Cover geil, wird es der Inhalt auch schon sein“. In diesem Fall würde der eine oder andere sicher nicht um THE CASSIDY SCENARIO herum kommen. Die Österreicher gönnten ihrer ersten Langrille nämlich einen verdammt schicken Look, der unverkennbar der kreativen Ader von Dan Mumford (u.a. THE BLACK DAHLIA MURDER, TRIVIUM, ABORTED) entsprungen ist – das möchte ich hier zu Anfang einfach mal als Freund seiner Arbeiten würdigen. Doch ob die Genialität, die DRAUF ist, auch wirklich DRIN ist, verrät einem erst die Hörprobe.

Und die lässt einen zuallererst mal feststellen, dass da, wo jetzt wiederum THE CASSIDY SCENARIO drauf steht, vor allem doch früher einmal ESTATE drin war. Diese lösten sich ja (wie manch einer vielleicht noch weiß) im Jahr 2007 auf, um nun nach einer kleinen Umbesetzung mit neuem Namen und ohne den Ballast vergangener Tage mit „Withstanding Voracity“ elf frische Klangwerke auf die Welt loszulassen. Schlug man mit der alten Identität eher noch grob (!) in die ScrEaMO-Kerbe, entdeckte man nun eine neue Leidenschaft im Bereich des melodischen Hardcores. Die Riffs sitzen präziser, die Shouts sind bissiger und das Drumming giftiger – man merkt dem Quintett den wiedergewonnen Spaß an der Sache an, den man zum Ende von ESTATE fast schon vermissen musste. Doch so sehr man es den Jungs auch gönnt, nun ihrer immer wieder betonten Liebe zur Musik in diesem Stile nachzukommen, so schade ist es auch, dass man den neu gewonnenen Schwung nicht in mehr Kreativität und Eigenständigkeit beim Songwriting hat einfließen lassen. Denn leider findet die Formation in ihrem Booklet selber die richtigen Worte: „(…) We might also not be the the next big thing, not even a band to definitely watch out for. There are dozens of bands out there who ostensibly do exactly what we do. (…)“. In der Tat gibt es recht viele Formationen, die sich in dem in der Einleitung erwähntem Regal des Genres tummeln, und so findet man auch in den fast 36 Minuten Gesamtspielzeit reichlich Material, das einen an MODERN LIFE IS WAR, COMEBACK KID oder auch THIS IS HELL erinnert. Es fehlt das Unverkennbare. Das, womit man herausstechen kann. Etwas, an dem man direkt hängen bleibt. Denn leider beißt sich keine der elf Kompositionen so wirklich fest: Weder der Clean-Gesang bei beispielsweise „Suspire Life“ noch die krachenden Breaks wie in „Chasing Memories Or Delusions“ entpuppen sich als Anker für die Aufmerksamkeit. So rauscht „Withstanding Voracity“ ehe man sich versieht an einem vorbei, ohne dass man den Punkt zum Aufspringen gefunden hat. Ein weiterer Grund dafür sind auch die oft durch die Gitarren ziemlich einfarbig aufgetragenen Melodie-Bögen, die leider nicht mit der Vielfalt eines Regenbogens auftrumpfen. Dabei ist die abgelieferte Arbeit wirklich gut: Das Riffing ist sauber und klar und fällt vor allem dann besonders positiv auf, wenn es wie bei „Reunion with yourself“ ins Punkige abdriftet, das Schlagzeug weiß mit Druck und mitunter auch ordentlichem Groove zu glänzen und das Shouting, ab und an von Crew-Gesängen unterstützt, ist ebenfalls äußerst gelungen. Vielleicht flutscht das ganze einfach zu gut.

Deshalb ist „Withstanding Voracity“ allen Liebhabern von melodischem Hardcore auch zu empfehlen, denn die musikalische Leistung ist absolut souverän und ehrlich. THE CASSIDY SCENARIO l(i)eben wirklich das, was sie da tun – und das merkt man dem gut produziertem Liedgut auch an. Leider deckt sich ihre Liebe mit bereits Bekannten aus dem Genre etwas zu sehr, so dass man sich die Kreativität eines Dan Mumford nicht nur beim Cover, sondern auch beim Songwriting gewünscht hätte. Also, wenn ihr demnächst beim Plattenhändler eures Vertrauens vor dem Melodic Hardcore Regal steht: Haltet nach dem schicken Artwork Ausschau und hört gegebenenfalls erst einmal rein. Wer aber ohnehin ein Fan des Genres ist, kann damit diesem Silberling beruhigt direkt zur Kasse spurten. Und dann heißt es: CD in den Player und Booklet mit schickem Rahmen in die Vitrine!

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