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THE DARKNESS - Hot Cakes

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Artist THE DARKNESS
Title Hot Cakes
Homepage THE DARKNESS
Label CANARY DWARF/ PIAS RECORDINGS
Leserbewertung
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9.3/10 (26 Bewertungen)

Ein riskantes Unterfangen, dieses Comeback von THE DARKNESS. Denn wie lustig ist ein Witz, wenn man ihn zum dritten Mal erzählt? Die Briten hatten schon beim ersten Album 2003 deutlich heraushängen lassen, dass sie das mit dem Glam Metal nicht so richtig ernst meinen, sondern vor allem Spaß dran hatten, das Genre ordentlich zu überspitzen. Was sie jetzt, sieben Jahre nach Album Nummer Zwo und nach einer längeren Auszeit, auch noch machen. Das fängt schon mit dem Cover an: Leicht bekleidete Mädels räkeln sich lasziv und mit Sirup begossen auf ein paar überdimensionalen Pancakes, während es in bester Cock-Rock-Manier lüstern vom weißen Band-Schriftzug tropft. Womit schon vorm ersten Ton klar wäre: Nein, die meinen das immer noch nicht ernst.

Das bestätigt sich beim Reinhören. Eine knappe Stunde lang bedienen sich THE DARKNESS lustig bei QUEEN, AC/DC, WHITESNAKE und den anderen üblichen Verdächtigen des melodischen Macho-Metals. Dazu kommt das vertraute Quengel-Falsett von Justin Hawkins, das dann auch dafür sorgt, dass dieser Mix aus vertrauten Sounds doch eine gewisse Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert bekommt. Der Rest ist schnörkellos gespielter Rock, handwerklich ordentliche Arbeit, aber eben nicht übertrieben kreativ. Eigentlich alles eher Anzeichen für eine Platte, die keiner braucht, ich mit meiner Abneigung gegen hohe Stimmen schon mal gar nicht. Wieso habe ich dann aber schon wieder auf die Play-Taste gedrückt?

Vielleicht, weil „Hot Cakes“, wenn man sich mal von allen intellektuellen Überlegungen wie Political Correctness oder Innovationsanspruch frei macht, auch in der dritten Auflage noch immer unverschämt viel Spaß macht. Klar ist das alles nur geklaut, aber der mehrstimmige Harmoniegesang war schon bei QUEEN genial, und so was geht immer. AC/DC-Riffs sind auch nie verkehrt, ebenso wenig wie ein ordentlich stampfender Rocksound Marke T. REX. Der größte Trumpf von THE DARKNESS ist aber nach wie vor, dass sie die peinlichen Gesten des Glam-Metal mit ihrer überzogenen Interpretation so herrlich ad absurdum führen, dass man die großartige, unbändige Energie dieses Genres endlich mal genießen kann, ohne sich zu schämen. Die Songs, die Hawkins und Co. verfasst haben, sind auch nicht übel, allen voran das knackige „Everybody Have A Good Time“, die dramatische 70er-Hymne „Living Each Day Blind“ und das herrlich selbstironische „Every Inch Of You“. Und vor der respektlosen Art, mit der THE DARKNESS „Street Spirit (Fade Out)“ von RADIOHEAD von allem Selbstmitleid befreien und mit Hardrock-Energie aufladen, muss man tatsächlich den Hut ziehen.

Die Demoversionen am Schluss des Albums zeigen dann doch, dass THE DARKNESS nicht so ganz überzeugen können, wenn sie einmal nicht auf die Persiflagen-Tube drücken – dazu sind die Gitarrensoli dann einfach zu blass, der Sound zu beliebig. Daran ändert auch ein hochkarätiger Gaststar wie Ian Anderson nichts – „Cannonball“ hat zwar durchaus vielversprechende Anlagen, hätte neben der Querflöte auch ein bisschen mehr Wumms bei der Produktion gebraucht. Das macht die vorhergegangenen Rockkracher aber keinen Ton schlechter. Und die sind einfach ein Spaß für ideologisch unverbaute Köpfe, die zum Headbangen und zum Lachen nicht in den Keller gehen.

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