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THE DEAD WEATHER - Sea of Cowards

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Artist THE DEAD WEATHER
Title Sea of Cowards
Homepage THE DEAD WEATHER
Label THIRD MAN RECORDS
Leserbewertung
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Faulheit kann man Jack White (THE WHITE STRIPES/ THE RACONTEURS), Alison Mosshart (THE KILLS), Jack Lawrence (THE RACONTEURS/ THE GREENHORNES) und Dean Fertita (QUEENS OF THE STONE AGE) ja nun wirklich nicht vorwerfen. Als hätten sie nicht allesamt schon mit ihren Kapellen genug zu tun, treffen sich die Vier im letzten Jahr in Whites Third-Man-Records-Headquarter in Nashville/ Tennessee und hauen mal eben das grandiose „Horehound“ raus. Für den Nachfolger „Sea of Cowards“ ließ sich das umtriebige Quartett dann auch kein Jahr Zeit und wartete noch nicht einmal ab, bis man mit der „Horehound“-Tour durch war. Was für eine Schlagzahl! In solchen Fällen kommen ja leicht Bedenken auf, das Ergebnis könne mit der heißen Nadel gestrickt sein, aber bei THE DEAD WEATHER liegt anscheinend schlicht und ergreifend die Würze in der Kürze.

Und das sowohl in Hinblick auf die Verweildauer im Studio als auch die Länge des Albums, das mit 36 Minuten Spielzeit nicht eben abendfüllend ist. Aber auf die Länge kommt es ja bekanntermaßen nicht an, vielmehr ist entscheidend, wie man die vorhandenen Mittel einsetzt und da haben White & Mosshart und Konsorten wieder ganze Arbeit geleistet. Wobei der Silberling ein bisschen so klingt, als wäre man Zeuge einer nächtlichen Bluessession im DEAD-WEATHER-Proberaum geworden. So kitzelt der Opener „Blue Blood Blues“ mit fetten Bassfolgen den Magen und jammt mit ausdrucksstarken Sechssaitern um die Wette, während Miss Mosshart und Mister White sich am Mikro gegenseitig um den Verstand bringen. Daran schließt sich „Hustle And Cuss“ ebenso nahtlos wie unbemerkt an, um schlussendlich an „The Difference Between Us“ abzugeben. Hier wird der Sound noch eine Spur frickeliger, was jedoch noch steigerungsfähig ist, wie „I’m Mad“ beweist. Nomen ist hier eindeutig Omen und wie es scheint, wurde einfach mal ausprobiert, welche Funktionen die ganzen Regler, Knöpfe und Schalter eigentlich an den Instrumenten und der Aufnahmetechnik haben. Wahllos agierte hier allerdings niemand, vielmehr verfügt das auf den ersten Blick konfuse Durcheinander sehr wohl über ein geniales System, das den Song zu einer kleinen Retro-Perle macht. Mit der Single-Auskopplung „Die By The Drop“ geht der Vierer mit knackigen Sex-Appeal auf Nummer Sicher und nimmt den schnellsten Weg in die Hirnwindungen, ehe „I Can’t Hear You“ erneut mit hypnotischem, weiblichen Kreischgesang und Langäxten aufwartet, die sich bisweilen fast so anhören wie der menschliche Part der musikalischen Darbietung. Es ist wohl nicht nur so, dass sich Hund und Herrchen mit der Zeit immer ähnlicher werden. Ein langsamer Kriecher mit Gänsehaut-Garantie! „Gasoline“ und „Looking At The Invisible Man“ hatte der Bandleader möglicherweise noch von irgendwelchen WHITE-STRIPE-Songwritings in petto. Die Handschrift ist zumindest sehr ähnlich – und nicht von Nachteil! „No Horse“ gibt wieder mehr Gas und schafft sogar das Kunststückchen, zwischen dem ganzen staubtrockenen, psychedelischen Sixties- und Seventies-Gerocke eine Prise Soul unterzubringen. Wie nicht anders zu erwarten, jedoch nicht in einer liebreizenden Darreichungsform, sondern eher mit dem Vorschlaghammer serviert. „Jawbreaker“ stromert derweil rhythmusbetont und mit flotter Gelassenheit aus den Boxen, bevor „Old Mary“ auf der Zielgeraden noch einmal alle bewusstseinserweiternden Schrammel-Register zieht.

Im Vergleich zum Debüt „Horehound“ präsentiert sich „Sea of Cowards“ eine Spur abwechslungsreicher und sogar noch eine Idee energiegeladener. Die Bandmitglieder sind offensichtlich nicht nur eine absolute Supergroup, vielmehr sind sie auch zu einer schlagkräftigen Einheit zusammengewachsen, die keineswegs auf Kuschelkurs ist, sondern auf angenehm ruppige Weise den Geist des schmutzigen Rock’N’Rolls beschwört und am Leben hält.

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