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THE DEATH SET - Michel Poiccard

VN:F [1.9.22_1171]
Artist THE DEATH SET
Title Michel Poiccard
Homepage THE DEATH SET
Label COUNTER RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.5/10 (2 Bewertungen)

Dass es diese Platte überhaupt gibt, ist nicht selbstverständlich. Denn nachdem Johnny Siera und Beau Velasco, der Kern von THE DEATH SET, ihren ersten Longplayer „Worldwide“ zusammen rausgebracht hatten und mit den Arbeiten an ihrem Nachfolger beginnen wollten, starb Velasco 2009 an einer Überdosis. Die Band war zerbrochen und Johnny kann bis heute noch nicht darüber sprechen. Doch anstatt die Kapelle aufzulösen, entschied er sich mit den beiden anderen Bandmitgliedern Daniel Walker und Jahphet Landis weiterzumachen und Velascos Leben mit einem neuen Album zu ehren.

Sie holten ihren langjährigen Partner XXXchange (SPANK ROCK, KELE, THE KILLS) ins Boot und schufen „Michel Poiccard“. Ein Album, das nichts von dem „Punk Spazz“-Charme des Vorgängers einbüßt, aber beachtlich an Tiefe gewonnen hat. THE DEATH SET kollaborierten mit DIPLO, der eine Keyboard-Line auf „Yo David Chase! You P.O.V. Shot Me In The Head“ beisteuerte und SPANK ROCK, die bei „7pm Woke Up An Hour Ago“ zu Gast waren. Insgesamt klingen die 17 Tracks so, als seien durchaus ein paar Drogen bei der Entstehung der Songs im Spiel gewesen. Da verwundert es auch nicht, dass „Chew It Like A Gun Gum“ von riesigen Exstasy-Gelagen handelt und auch Beau Velasco ist posthum mit von der Partie, denn von ihm stammen die eröffnenden Worte auf „I Wanna Take This Tape And Blow Up Ya Fuckin Stereo“, mit denen es direkt zur ersten Single „Slap Slap Slap Pound Up Down Snap“ geht, die ein wenig an die BEASTIE BOYS erinnert. Daneben wird mit viel Tempo dazu aufgefordert, an das Gute im Menschen zu glauben („We Are Going Anywhere Man“) und natürlich ist auch eine Hommage an den Mann vertreten, der dem Silberling seinen Namen leiht: „Michel Poiccard Prefers The Old (She Yearns For The Devil)“. Übrigens die Hauptfigur aus dem 1960er Jean-Luc-Godard-Film „Außer Atem“ mit Jean-Paul Belmondo in der Rolle des Michel Poiccard. „Can You Seen Streight?“ erzählt von zerschmetterten Equipment und wütenden Promotern – und das auf wirklich einnehmende musikalische Weise, während im schrammeligen Punk-Duktus Analverkehr-Vorlieben thematisiert werden („I Like The Wrong Way“). Wahrlich ein weites Feld, dem sich die Punk-Elektroniker auf ihrem neuesten Werk annehmen. Dank moderner Technik darf Beau Velasco bei „Is That A French Dog?“ noch mal mit dabei, bevor seine Kollegen „I Miss You Beau Velasco“ zu Protokoll geben. Hier ist der Sound mal nicht komplett durchgeknallt, sondern durchaus eingängig und ernsthaft. Zum Schluss stellen THE DEATH SET auf ähnliche Weise die Frage „Is It The End Again?“.

Wohl nicht, denn auch ohne die direkte Mitarbeit von Beau Velasco ist THE DEATH END eine Langrille gelungen, der dieselbe manische Ritalin- und Sunny-D-induzierte Energie der bisherigen Veröffentlichungen inne ist. Zweifellos schwebt über allem lakonisch der Geist von Mister Velasco, der sicherlich seinen Spaß an „Michel Poiccard“ hätte oder hat – vielleicht gibt’s ja auch Musik, da wo er sich jetzt rumtreibt.

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