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THE DESTINY PROGRAM - Gathas

VN:F [1.9.22_1171]
Artist THE DESTINY PROGRAM
Title Gathas
Homepage THE DESTINY PROGRAM
Label BASTARDIZED
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.8/10 (4 Bewertungen)

Mit Album Nummer vier melden sich THE DESTINY PROGRAM nun nach drei Jahren und unter neuem Lebel wieder zurück in der deutschen Metal-Landschaft. Und wenn HEAVEN SHALL BURN, CALIBAN, MAROON & Co mittlerweile den Stempel „Made in Germany“ auch im corigen Metalgenre absolut etabliert haben, sorgen Kollegen wie die ehemaligen DESTINY dafür, dass dieser stets weiter mit Farbe behaftet wird.

Mit „Gathas“ folgt das Quartett aus Husum nämlich weiter diesem Pfad, latscht aber glücklicherweise nicht unmittelbar und dackelhaft darauf herum. THE DESTINY PROGRAM bleiben sich treu und fabrizieren verstärkt weiter eine Mischung aus der Wucht von beispielsweise AS I LAY DYING und dem genialen, tiefgehenden Gefühl von DARKEST HOUR – auf ihre ganz eigene Art und Weise. Damit hat man einen 15 Track starken Silberling erschaffen, der vor allem in der ersten Hälfte wirklich zu überzeugen weiß. Nach dem tollen Quasi-Intro „Spenta Mainyu“ feuert man mit den folgenden „Avesta“ und „Plagiarism commission“ nämlich zwei absolute Knaller ab, die als bloßer Warnschuss schon nicht mehr durchkommen. Mit beeindruckender Wucht und einem unbändigen Drive donnern die schweren Drums und das drückende Riffing auf den Rezipienten ein, tolle Breakdowns und stimmiges Timing formen direkt schon die ersten Highlights des Albums. Geprägt wird das ganze natürlich wieder durch die markanten Shouts von Johannes Formella: diese verzweifelte Note, fast schon ein Jammern, die er seinen angepissten Schreien verleiht, gefällt mir ausserordentlich gut, die perfekte Symbiose für richtig guten Emocore. Doch als diesen mag man TDP nun wirklich nicht bezeichnen, auch wenn der gute Mann mit seinem ebenfalls ordentlichen Cleangesang dort ebenso punkten würde. Nach diesen beiden Dampframmen zu Beginn kommt mit „Through the progressive line“ eine Komposition daher, die den Drive etwas drosselt und die melancholische Seite des Vierers verstärkt nach außen kehrt. Das klare, prägnante Riffing von Sebastian Formella tritt stärker in den Vordergrund, das Tempo wird über weite Strecken gemäßigt – nur Namensvetter Johannes schimpft weiter wie ein Rohrspatz. Nach diesem Prinzip funktioniert meist auch das folgende Liedgut, alles geht vergleichsweise behäbig von statten, man konzentriert sich in Sachen Songwriting fast ausschließlich auf Emotionen und Atmosphäre – und das mit Erfolg. Stücke wie „Trivial commodity“ und „Yasna“ (mit starkem Refrain) strotzen nur so vor Verzweiflung und Depression, dass es einen fast mit runter zieht in den Strudel der Aussichtslosigkeit. Es wirkt fast so, als würden TDP zu Beginn von „Gathas“ noch dagegen ankämpfen, in weiterer Folge gibt man sich dann aber einfach hin. Das Ergebnis sind Klangwerke wie das hilfesuchende Klopfen eines gebrochenen Mannes in seinem dunklen Gefängnis. Als würde man dessen Gedanken folgen, nach Hilfe schreiend, in verzweifelte Wut verfallend, dann doch wieder wimmernd und ebenso sich wieder aufbäumend. Und auf einmal fühlt man sich selber in Ketten gelegt und einsam, steht auf und schreit mit Tränen in den Augen und die Fäuste ballend die Lyrics von „The illicit sound“, als wären es die eigenen. Großes Tennis! Mit „Convention and Predictability“ hat man sogar einen gefühlvollen Herzensbrecher mit fast ausschließlichem Klargesang innerhalb der 57minütigen Achterbahnfahrt, der das ganze in Sachen Varianz noch einmal etwas auflockert. Denn da liegt der wohl einzige wirkliche Kritikpunkt an der Scheibe: in der zweiten Hälfte wirkt bei allem Gefühl und Ausdruck die Struktur der Songs oft zu ähnlich und lässt etwas Monotonie auflodern, wenn man sich eben nicht der herausragend erzeugten Atmosphäre hingeben kann.

Damit ist dann auch klar, das THE DESTINY PROGRAM mit „Gathas“ kein weiteres, simples Metalcore-Album auf den Markt schmeißen. Wer etwas sucht, um sich im Pit auszutoben und drauf los zu posen, der muss sich hier bestenfalls mit „Avesta“ und „Plagiarism commission“ begnügen, die übrigen 13 Kompositionen scheinen für derart Klientel wohl zu langatmig und zerfahren. Für die, die Musik fühlen und spüren möchten, die sich ihr hingeben wollen und das vor allem auch können, für die ist dieser Silberling ganz großes Gefühls-Kino, von Produktions-Genie Tue Madsen wiedereinmal perfekt veredelt, und definitiv ein Highlight!

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