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THE DEVIL WEARS PRADA - Dead Throne

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Artist THE DEVIL WEARS PRADA
Title Dead Throne
Homepage THE DEVIL WEARS PRADA
Label ROADRUNNER
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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9.2/10 (5 Bewertungen)

2009 haben THE DEVIL WEARS PRADA mit ihrem Album „With Roots Above And Branches Below“ das für mich persönlich stärkste Album des Jahres aus den Lenden gefeuert und gleichzeitig dem totgesagtem „Emocore“-Genre neues Leben eingehaucht. Und wo das Beleben von Toten gerade so gut geklappt hat, hat man dem Ganzen im letzten Jahr eine eigene EP namens „Zombie“ gewidmet, um damit seinen Anspruch auf den Genre-Thron noch mal extrem gekonnt zu untermauern. Spinnt man diesen Faden mit den Schlagwörtern „Tod“ und „Thron“ nun weiter, kommen die bekennenden Christen aus Dayton, Ohio, ja schon fast folgerichtig mit einem Longplayer um die Ecke, den man „Dead Throne“ betitelt hat.

Passend zum Namen begrüßt einen das 13-Track starke Schaffenswerk stellvertretend durch den Titelsong als Mehr-Oder-Weniger-Intro mit einer düsteren, beklemmenden Atmosphäre. Keine Frage: das Sextett hat durch den Ausflug ins Zombieland gefallen an Gruselstimmung gefunden und lässt die Rezipienten nun in seinem Angstschweiß da stehen. Da die Jungs aber keine Unmenschen sind, lassen sie einen nicht völlig unbewaffnet zurück, sondern hinterlassen ein prall gefülltes Arsenal an Breakdowns, Crewshout- und Mitsing-Parts. Spätestens beim zweiten Stück kann man da dann auch aus dem Vollen schöpfen: „Untidaled“ kommt als eng gestrickter, hart gewebter und schön verzierter Mischfetzen aus dem Material von „With Roots Above And Branches Below“ und der „Zombie“ EP um die Ecke. Angepisst wie ein Untoten-Jäger ohne Munition wütet der Sechser los, schmettert brettharte Riffs und fiese Wechselshouts aus den Boxen, lässt aber an ausgewählten Stellen herrlichste Saiten- oder Gesangs-Melodien durch den Raum wabern. Während Gitarrist Jeremy DePoyster an dieser Stelle mit seinen Cleanvocals schon ein wenig in Richtung BULLET FOR MY VALENTINE schlägt, wirkt Mike Hranica stimmlich im Vergleich zu den vorangegangen Veröffentlichungen leider wieder etwas schwächer auf der Brust. Zwar klappt der Wechsel zwischen gekreischtem und tiefem Shouting nach wie vor gut und ausgeglichen, doch hat man ihn in der Vergangenheit schon stärker gehört.

Immer noch stark, doch spürbar weniger hört man wiederum den bereits erwähnten Herrn DePoyster. Die Klargesangspassagen wurden aufs ganze Album gesehen deutlich reduziert. Dies gilt aber zum Glück nur für die Quantität, nicht für die Qualität. So besticht dieser sogleich auch wieder im folgenden Klangwerk „Mammoth“ mit hohem Ohrwurmfaktor – und ist damit genau in der richtigen Komposition angekommen. Ziemlich groovig und relativ eingängig kommt diese daher, was nach dem SUICIDE SILENCEschen Opening dem ziemlich metalcorelastigen Riffing geschuldet ist. Sehr nett, dieses Teil. Am ehesten an diese „Stressfreiheit“ anknüpfen kann da noch das im Vorfeld schon bekannte „Born To Loose“. Hier wird neben den donnernden Drums und der schönen Gitarren-Arbeit vor allem James Baneys Keyboard wieder zu Höhenflügen animiert. Nie zu aufdringlich, dennoch im richtigen Moment präsent, sorgt es dafür, dass man es hier mit einem Hit für die Tanzflächen der Szeneclubs zu tun hat. Das übrige Liedgut präsentiert sich dann interessanter Weise längst nicht so eingängig wie bei der letzten LP, bei der man phasenweise neben dem Moshpit-Futter auch verträumte Parts hatte, in welche man sich dank Melodie und Gefühl hineinfallen und davontragen lassen konnte. Dies ist auf „Dead Throne“ eher weniger der Fall, mehr noch hat man hier das Gefühl, aufgewühlt zu werden, sich anzuspannen und (von Zombies?) gehetzt zu fühlen. TDWP schlagen hier absolut gekonnt in eine andere Richtung um und kreieren Klangwerke mit ganz besonderen Reizen. Statt sich mit Melodiebögen durch die Gehörgänge zu schlängeln, schnappt man sich hier lieber den Presslufthammer und bricht sich den Weg zum geistigen „Gefällt mir“-Button auf die raue Gangart frei; wobei man die Melodien bereitwillig im Schlepptau hat. „R.I.T“ beispielsweise ist einer dieser Songs, der irgendwo zerfahren und hektisch wirkt, bei dem verschiedene Rhythmen und Klänge wie dunkle Schatten aus den verschiedensten Richtungen auftauchen und verschwinden und bei dem man immer das Gefühl hat, dass einem etwas im Nacken sitzt. Und doch wirkt er nicht unstrukturiert, sondern zündet in den richtigen Momenten – was man allerdings auch vielleicht nicht unbedingt bei den ersten Hördurchgängen erkennt. Man bewegt sich ein wenig weg von der „Emocore“-Nachrede und macht einen kleinen aber feinen Schritt in die Richtung atmosphärischer Deathcore, schielt sogar ein klein wenig hin zum „Mathcore“, ohne allerdings Anstalten zu machen, voll und ganz in eine der beiden Schubladen fallen zu wollen. „Forever Decay“ ist ein weiterer Song, der mit seinen teils hektischen Keyboardtönen und vor allem dem theatralischem Klargesang-Part teilweise etwas verstört, doch kommt dann auch wieder einer dieser Breakdowns, bei dem man all diese Anspannung einfach nur herausmoshen will. Wer dann doch wieder etwas durchatmen muss, der findet Gelegenheit in Form von „Kansas“. Statt einer Ballade wie einst „Louder Than Thunder“ hat man hier ein bärenstarkes Instrumental mit einem phantastischem Sprachsample platziert, das durch und durch überzeugt.

Durch und durch überzeugen können auch die fast 40 Minuten Gesamtspielzeit von „Dead Throne“. Auch wenn man mehr Hördurchgänge benötigt als noch beim Langspiel-Vorgänger haben THE DEVIL WEARS PRADA mit ihrem 4. Album wieder einen absoluten Volltreffer gelandet. Ist man erstmal in diesen düsteren Atmosphären-Abgrund abgetaucht, entdeckt man tolle, vielfältige Saitenarbeit und abwechslungsreiche Drumsektionen an fast jeder Ecke, während auch die Lyrics, ob geschrien oder gesungen, im Ohr bleiben und auch live ganz sicher zünden werden. Kompositionen wie „Vengeance“, „Pretenders“ oder die genannten „Born To Loose“ und „Mammoth“ sind nur die Speerspitze einer Riege an vielschichtigen Songs, von denen keiner so wirklich schwach abfällt. Die Produktion ist ausgesprochen gut gelungen, allerdings bin ich ja ohnehin ein großer Freund von Adam Dutkiewicz als Produzent (und auch als Musiker). Alle Elemente der Klangwerke kommen zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Maße zur Geltung, sei es das großartige spitze Riffing beim Knaller „Holdfast“ oder die nichts Gutes verheißenden Tastentöne in „R.I.T“. Dank dieser Scheibe dürfte fürs Erste wohl niemand am (Toten-)Thron der Jungs sägen – auf dass sie dort lange gesund und munter sitzen und musizieren mögen!

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