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THE DILLINGER ESCAPE PLAN - Ire Works

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Artist THE DILLINGER ESCAPE PLAN
Title Ire Works
Homepage THE DILLINGER ESCAPE PLAN
Label RELAPSE RECORDS
Leserbewertung
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9.5/10 (2 Bewertungen)

Anscheinend sind THE DILLINGER ESCAPE PLAN nun zu den Großen des Rock Business aufgestiegen, denn was die Sicherheitsmaßnahmen zur Veröffentlichung angeht, gilt es neue ungeahnte Herausforderungen zu bewältigen. So steht dem geneigten Rezensenten kein physischer Tonträger zur Verfügung. Stattdessen ist er mit seiner Mail Adresse dafür in der Kreide, dass die Songs nicht in die unendlichen Weiten des Internets entfleuchen und muss sich die Tracks via Stream über einen eigens installierten Player zu Gemüte führen. Wo das noch alles enden soll, weiß nur der allmächtige Musikgott… Bei fast 250.000 verkauften Exemplaren des letzten Albums „Miss Machine“ hat Relapse wohl Muffensausen bekommen. Ob solche Maßnahmen bei Bands nötig sind, die sowieso eine loyale Fanbase haben, habe ich nicht zu entscheiden.

Aber kommen wir nach dem Vorgeplänkel zum wichtigsten: dem neuen Kopfverdreher der einzig wahren TDEP. Die 1999 erschienene LP „Calculating Infinity“ hat wohl unter allen aufgeschlossenen Hörern einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst, denn nie waren Genie und Wahnsinn einen solch wunderbaren Pakt eingegangen. TDEP verbanden Math-Core mit live gespielten Break-Beats und einer wahnsinnigen Energie, die vor allem live für kaputte Brillen und blaue Flecken sorgte. Es folgten einige Splits mit unter anderen NORA und DROWNINGMAN, bis dann eine EP mit Tausendsassa Mike Patton erschien, die mir persönlich nicht soviel gab. Nachdem ich die Band darauf hin fast abschreiben wollte, blies mich „Miss Machine“ dann doch ziemlich um. Innerhalb dieser Zeit hatte die Band mit vielen Rückschlägen zu kämpfen. Nachdem zum Schluss auch noch Drummer Chris Pennie zu COHEED AND CAMBRIA abwanderte, ist Gitarrist Ben Weinman nun das letzte Gründungsmitglied der Band. Dieser nimmt die Umstände aber gelassen und äußert sich dementsprechend süffisant: „I mean, does sex ever really get better with your wife or girlfriend? No! Even if she all of a sudden starts dressing like Wonder Woman and flies onto your cock after swinging in on a chandelier, it’s still her.” Ohne Worte.

Um es vorweg zu nehmen: Viel hat sich trotzdem nicht verändert im Sound-Universum der Ausnahme-Musiker. Nur wie zu erwarten war sind die vertrackten Parts noch vertrackter und die neuerdings melodischen Ausflüge noch eingängiger. Fängt die Platte noch mit den Standard 75 Tempowechseln innerhalb einer Minute an, gibt es mit „Black Bubblegum“ den ersten Ausreißer in Pop-Gefilde. Cleaner Gesang trifft auf Eunuchen-Background Vocals mit unverschämt eingängigem Refrain. Schon mal ein klarer Gewinner, auch wenn der Song auf der PEEPING TOM hätte sein können. „Milk Lizard“ überrascht mit coolen Bläsereinsätzen und lockerem Groove: könnte ein richtiger Kracher auf jeder alternativen Tanzfläche werden! „Dead as history“ ist ein faszinierender Bastard aus Elektronik, Melodie und treibenden Fast-Crossover-Beats. Auf „Horse Hunter“ gehen geniale Jazz-Ausflüge eine unheilige Liaison mit Knochenbrecher-Parts und tranceartigem Gesang ein. Der letzte Song „Mouth of Ghosts“ ist dann völlig entrückter Free-Jazz mit orientalischem JANE`S ADDICTION Flair, der einmal mehr deutlich macht mit was für Musikern man es hier zu tun hat. Ich persönlich würde ja gerne mehr von dieser Seite der Band hören. Der Rest von „Ire Works“ ist solide TDEP-Kost mit einigen Spielereien zwischen den eigentlichen Songs. Nach 38 Minuten ist Schluss, da wäre vielleicht noch ein bisschen mehr drin gewesen.

Ihren Status wird die Band mit ihrer neuen Platte weiter ausbauen, keine Frage. Ob neue Fans dazu gewonnen werden bleibt aber ungewiss. Mich hat die Band auf jeden Fall wieder einmal überzeugt!

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