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THE DRESDEN DOLLS - No, Virginia

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Artist THE DRESDEN DOLLS
Title No, Virginia
Homepage THE DRESDEN DOLLS
Label ROADRUNNER RECORDS
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

„Brechtian Punk Cabaret“ nennen die DRESDEN DOLLS ihre Musik. Brecht, das steht für Verfremdung und Dialektik, da denk ich auch an Kurt Weill und die Dreigroschenoper. Punk heißt für mich Rotz und Auflehnung, schnell, hart, laut. Und Cabaret? Theater, Kleinkunst, Performance, aber auch Begriffe wie lasziv oder frivol kommen mir in den Sinn. Und bevor ich überhaupt einen Ton der DRESDEN DOLLS gehört habe, geht eine Schublade auf: In der liegen ANIMAL ALPHA, ADORA DIANA und auch Frau Trost von den COBRA KILLERS. Dann erst höre ich in „No, Virginia“ rein… und bin erst einmal enttäuscht.

Die CD bekam ihren Namen in Anlehnung an den 2006er Output „Yes, Virginia“ und versteht sich nicht als reguläres, neues Studioalbum, sondern eher als kleine Werkschau bisher weitestgehend unveröffentlichter Stücke, die im Zuge von „Yes, Virginia“ entstanden plus 5 brandneuer Sachen. Das erklärt vielleicht schon mal, warum ich irgendwie keinen roten Faden oder so etwas wie eine Dramaturgie entdecken kann. Sängerin Amanda Palmer, die ja auf eine klassische Gesangsausbildung zurückgreifen kann, bringt die fürs Genre passende spröd-herbe Theatralik mit, die jedoch etwas untertourig bleibt. Ich hatte etwas Schrägeres, Aufmüpfigeres erwartet, aber Titel wie „The Mouse and the Model“ sind letztlich Popmusik, was Frau Palmer auch selbst eingesteht: „Vielleicht habe ich früher unbewusst davor zurück geschreckt, meine poppigere Seite auszuleben! Heute fühle ich mich mit einem neuen Ich eigentlich ganz wohl…“. Nachdem ich meine Erwartungshaltung über Bord geworden hatte, gab es dann aber doch noch einiges Interessantes zu entdecken: „Ultima Esperanza“ zum Beispiel, sicher einer der besten Titel des Albums, ich würde ihn mir jedoch von THE JESUS AND MARY CHAIN wünschen. Die waren in den Endachtzigern am erfolgreichsten und aus dieser Zeit stammt auch die Coverversion „Pretty in pink“, Titelsong des gleichnamigen Films, der auch zu meiner Sozialisation gehört, im Original von THE PSYCHODELIC FURS. Auch „The Kill“ weiß in seiner Dramatik zu gefallen, während ich die über 7 Minuten lange Liebeserklärung an die Heimat „Boston“ eher einschläfernd finde.

Wenngleich hier und da mal etwas Durchgeknalltes aufblitzt („Lonesome organist rapes page-tuner“), so bleibt dieses Album insgesamt sehr zart und stellenweise zu wenig charismatisch, um mich in seinen Bann zu ziehen. Also nicht direkt vergleichbar mit den Vorgängern, so dass Fans des Duos Amanda Palmer/ Brian Viglione besser mal reinhören sollten, sofern sie das Album nicht bloß der Vollständigkeit halber kaufen wollen.

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