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THE HUMAN LEAGUE - Dare/ Fascination! (Re-Release) (2-CD)

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Artist THE HUMAN LEAGUE
Title Dare/ Fascination! (Re-Release) (2-CD)
Homepage THE HUMAN LEAGUE
Label VIRGIN
Leserbewertung
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5.4/10 (8 Bewertungen)

Es gibt Alben, die sind so gut aufgebaut, dass man die Reihenfolge der Songs nicht ändern möchte, weil sonst die Atmosphäre nachhaltig gestört wird. „Dare“ von THE HUMAN LEAGUE ist so ein (recht seltener) Fall. „Dare“ ist auch heute noch eines dieser Alben, das man als rundum gelungen bezeichnen kann, und das gilt in erster Linie natürlich für die Auswahl und das Produktionsniveau der einzelnen Tracks, von denen keiner enttäuscht und von denen nicht zwei Songs der gleichen Formel folgen.

Den Anfang macht das minimalistisch arrangierte „The Things That Dreams Are Made Of“, den Abschluss bildet „Don’t You Want Me“, ein Track, den man getrost als einen perfekten Popsong bezeichnen kann. Dazwischen liegen so völlig unterschiedliche Lieder wie „Darkness“, „Do or Die“ oder „The Sound of the Crowd“, jedes davon ein kleines Meisterwerk für sich und selbst in den Fällen singletauglich, die nicht ausgekoppelt worden sind (obwohl man das Album so wie Michael Jacksons „Thriller“ nach dem Erfolg von „Don’t You Want Me“ noch singlemäßig hätte ausschlachten können – hat man aber nicht, und dafür sollte man die Truppe um Frontmann Philip Oakey ruhig einmal loben). Interessant ist dabei, dass Oakey nach der Abspaltung der späteren HEAVEN 17-Gründer Martyn Ware & Ian Craig Marsh zwar dem Synthesizersound treu geblieben ist, aber (mit Ausnahme des Tracks „I Am the Law“) musikalisch in eine ganz andere, pop-orientierte Richtung gegangen ist.
Was sich da Track für Track aneinanderreiht, lässt vor dem geistigen Auge so etwas wie einen prachtvollen Wandteppich entstehen, der in vielen kleinen Bildern eine große Geschichte erzählt. Und genau aus diesem Grund löst die soeben erschienene „2012 Remaster“-Doppel-CD-Veröffentlichung (ja, ich habe lange überlegt, ob ich da nicht noch einen Bindestrich reinpacken kann, hat aber nicht geklappt) gemischte Gefühle aus.

Es wurde natürlich längst Zeit, die B-Seiten und 12″-Versionen aus der „Dare“- und Post-„Dare“-und-Prä-„Hysteria“-Ära (konnte ich mir jetzt nicht verkneifen) auf CD zu veröffentlichen, vor allem die Extended Version von „Mirror Man“ und die Songs der 12″-EP „Fascination!“, die bislang alle etwas heimatlos und zum Teil noch nie in CD-Form erhältlich waren. Für sich betrachtet sind die Singles „Mirror Man“ (im Motown-Stil gehalten und dennoch typisch THE HUMAN LEAGUE Mk. II) und „Fascination!“ (mit seinem Synth-Intro, das immer so klingt, als wurde die Single nicht so ganz genau mit 45 U/min. laufen) eine konsequente Fortsetzung des „Dare“-Sounds, und sie bilden mehr oder weniger das Bindeglied zum viel zu spät erschienenen Nachfolger „Hysteria“ (man bedenke, wir befinden uns hier in den frühen Achtzigern, da brachten Bands noch im Einjahresrhythmus Alben heraus, um nicht in Vergessenheit zu geraten). Die B-Seite von „Mirror Man“ – „You Remind Me of Gold“ – erinnert dagegen mehr an die alten HUMAN LEAGUE, was interessanterweise auch für die „Alternative Version“ von „Don’t You Want Me“ gilt (die mir hier zum ersten Mal auf CD unterkommt). Diese Fassung, bei der offenbar Susan Sulley und Joanne Catherall noch gemeinsam (!) den weiblichen Part singen, klingt deutlich sperriger und längst nicht so eingängig wie die Version, die zum Welthit wurde. Dass beide singen, ist wohlgemerkt nur eine Mutmaßung, denn das beigelegte Booklet labert leider weitgehend Belangloses vor sich hin, anstatt sich zu den einzelnen Songs zu äußern. Aber man kann halt nicht alles haben.

Der einzige echte Nachteil dieser Deluxe-Box ist nun mal, dass die einzigartige Wirkung der Urversion von „Dare“ verlorengeht, wenn gleich danach noch zwei weitere Versionen von „Don’t You Want Me“ und andere instrumentale und 12″-Tracks folgen. Schöner wäre es gewesen, das Album in der Originalfassung zu belassen und alle Bonustracks auf die zweite CD zu packen, aber letztlich ist das nur ein kleiner Makel. Man kann ja schließlich auch vorzeitig stoppen und den Rest später unabhängig vom Album hören. Auf jeden Fall legt Virgin mit dieser kleinen Box eine angemessene Würdigung für einen Klassiker vor, der bis heute nichts von seiner Qualität eingebüßt hat.

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